"Wir sind auch ein Sprungbretttheater"

Roland May, Generalintendant am Theater Plauen-Zwickau, über Finanzierung, Gewandhaussanierung und Preiserhöhungen

Zwickau.

Ob vor oder hinter den Kulissen, Roland May (62), Generalintendant des Dreispartenhauses Plauen-Zwickau, betont immer wieder den Team-Gedanken. Ohne den ginge es derzeit nicht. Denn wegen der Gewandhaussanierung ziehen die Mitarbeiter von einer zur anderen Ausweichspielstätte. Auch darüber hat sich Jochen Walther mit dem Schauspieldirektor unterhalten.

Freie Presse: Die Landesregierung hat 40 Millionen Euro zusätzlich für die Theater im Freistaat Sachsen versprochen. Was erwarten Sie von der Politik, damit die Theater dauerhaft gesichert sind?

Roland May: Nun, wir freuen uns sehr über die bereitgestellten Mittel. Noch sind aber nicht ganz die Modalitäten zur Auszahlung geklärt. Dazu wird es heute ein Treffen der Theaterleute mit der sächsischen Kunstministerin Eva-Maria Stange geben, wo viele Fragen geklärt werden sollen. Die Kommunen sollen 30 Prozent der Mittel finanzieren. Von beiden Städten haben wir dahingehend positive Signale erhalten.

57 Stellen wurden in den vergangenen sieben Jahren abgebaut. Bleibt es beim Stellenabbau des Orchesters ab 2021?

Ab 2020 wird es einen neuen Grundlagenvertrag zwischen Plauen und Zwickau für die Theatergesellschaft geben. In diesem Vertrag werden auch die künftigen Strukturen, zum Beispiel die Stärke des Orchesters, festgelegt. Dann werden wir sehen.

Wegen der Sanierung des Gewandhauses Zwickau muss sich das Publikum weiter auf Ausweichspielstätten einstellen. Das hat doch sicher für einen Einbruch bei den Besucherzahlen gesorgt?

Das ist richtig. Bis 2016 hatten wir stetig steigende Zuschauerzahlen und Einnahmen. Aufgrund der Sanierung des Gewandhauses und der geringeren Platzkapazitäten in den Ersatzspielstätten in Zwickau waren die Besucherzahlen und Einnahmen dann zwangsläufig rückläufig. Konkrete Zahlen wird es zu Beginn der neuen Spielzeit geben. Unser Kenntnisstand ist, dass wir im Frühjahr 2020 den Spielbetrieb im Gewandhaus aufnehmen können. Am 16. Juli soll im Bauausschuss der neue Architekt vorgestellt werden, der einen neuen Bauablaufplan erstellt. Dann werden wir sehen, welcher Termin für die Eröffnung avisiert wird. Seit Baubeginn versuchen wir, mit den sich immer wieder ändernden Übergabeterminen flexibel und vorausschauend umzugehen.

Also sind Preiserhöhungen in Zwickau zunächst kein Thema?

Auch das ist richtig. In der neuen Spielzeit planen wir für Zwickau grundsätzlich keine Preiserhöhungen, weil unsere Besucher aufgrund der Gewandhaussanierung auf ihre feste Spielstätte verzichten müssen. Für Plauen werden wir aber die Preise ab der neuen Saison um 1 bis 2 Euro je Ticket erhöhen. Ein breit gefächertes Angebot und ein interessanter Spielplan mit einigen Überraschungen, auch im Konzertbereich, rechtfertigen diese Erhöhung. Mit unserem vielseitigen Festabo- und Wahlabo-Angebot sowie den beliebten Theatercards können sich die Besucher zudem attraktive Rabatte sichern.

Apropos Tickets: Können sich die Besucher bald rund um die Uhr ihre Eintrittskarten sichern?

Ja. Das ist bald möglich. Wir sind gerade dabei, unser Ticketsystem so zu verändern, dass wir mehr Service bieten können. Mit der neuen Spielzeit sollen die Besucher das sowohl an der Kasse als auch online im Internet spüren. Im Fazit dessen sind wir quasi täglich und rund um die Uhr in der Lage, die Theaterplätze an den Mann oder die Frau zu bringen.

Die neue Spielzeit steht unter dem Motto "Grenzgänge". Was verbirgt sich dahinter?

Unser Aufsichtsratsvorsitzender hat das Motto schön in seinem Vorwort zu unserem Spielzeitheft beschrieben: "Was haben Bertolt Brecht, William Shakespeare, Giuseppe Verdi, Max Pechstein und Elvis Presley gemeinsam? Nun, sie waren Grenzgänger ihrer Zeit, sind an ihre Grenzen gegangen und haben Grenzen überschritten, künstlerisch, geistig, auch politisch (...)." Grenzgänger sind auch die Protagonisten vieler Stücke, die wir spielen, zum Beispiel Hamlet oder Aida, die sich auf einem schmalen Grat gesellschaftlich auseinandersetzen. Ein großes generelles Thema unserer Zeit, die mediale Kommunikation, überschreitet auch Grenzen wie nie zuvor. Wir haben bewusst ein Motto gewählt, das vielfältig interpretierbar ist und zu dem jeder eigene Vorstellungen hat.

In allen Sparten sind wieder Premieren zu erwarten. Können Sie etwas empfehlen?

Natürlich empfehle ich den Besuch aller unserer Inszenierungen. Besonders freue ich persönlich mich auf "Die lustige Witwe", "Hamlet", "Giselle" und auch auf die Sinfoniekonzerte, die erstmals unser Generalmusikdirektor Leo Siberski zusammengestellt hat.

Sie hatten kürzlich über Ab- und Neuzugänge auf und hinter der Bühne informiert. Ist damit der Theaterbetrieb erneut gesichert?

Ja. Abgänge sind immer traurig, weil man langjährige Kollegen gehen lassen muss. Aber wir sind auch stolz, ein Sprungbretttheater zu sein, von wo aus Künstler ihre Karriere an größere Häuser starten. So wechselt Shin Taniguchi ans Staatstheater Meiningen, Jason Kim ans Staatstheater Oldenburg und Karsten Schröter ans Theater Trier. Es ist uns aber ebenso gelungen, künstlerisch adäquaten Ersatz zu finden. Ich freue mich auf die neuen Kollegen.

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