"Wir sind nicht die, die viel Wind machen"

FDP-Stadträte Mario Müller und Axel Vogel aus Lichtenstein über ihre Ambitionen und ihre Versuche, den Streit mit St. Egidien zu schlichten

Lichtenstein.

Nach Jahren politischer Abstinenz ist die FDP im Mai wieder im Lichtensteiner Stadtrat eingezogen. Andreas Klinger sprach mit dem Fraktionschef Mario Müller (55) und Stadtrat Axel Vogel (34) über das erste halbe Jahr, die Zukunft und einen schier endlosen Konflikt.

Freie Presse: Herr Müller, Herr Vogel, seit einem halben Jahr sitzen Sie nun wieder im Stadtrat, nach zehn Jahren Abstinenz. Haben Sie sich eingelebt?

Mario Müller: Als erstes möchten wir allen Bürger von Lichtenstein, Rödlitz und Heinrichsort ein gesundes neues Jahr wünschen. Auch für die Unterstützung möchten wir uns bedanken. Denn es war nicht einfach gewesen, wieder in den Stadtrat einzuziehen. Zunächst mussten wir mindestens 80 Unterschriften von den Bürgern sammeln, um überhaupt zur Wahl zugelassen zu werden. Von den sechs Leuten auf unserer Wahlliste sind wir zwei in den Stadtrat eingezogen.

Was glauben Sie, womit konnten Sie bei den Wählern punkten?

Axel Vogel: "Für uns war von Anfang an klar, wir wollten die neue Kraft in Lichtenstein sein. Zwischen den bestehenden Fraktion sind Debatten häufig festgefahren. Das behindert die Entwicklung in unserer Stadt, was auch viele Bürger so sehen. Wir als FDP-Fraktion sehen uns oft in der Vermittlerrolle. Nicht umsonst haben wir daher zwischen den Streithähnen im Stadtrat Platz genommen. Wir wollen wieder Augenhöhe, wieder ein Gleichgewicht herstellen.

Ist das nicht sowieso für eine Zwei-Mann-Fraktion die einzig sinnvolle Strategie?

Axel Vogel: Es gibt in allen Fraktion Stadträte, die immer wieder lautstark auftreten. Wir sind aber nicht diejenigen, die viel Wind machen. Wir wollen dafür sorgen, dass die Räte konstruktive Lösungen für Probleme finden. Selbst wenn die Lösungen nicht von uns kommen. Unsere langjährige Abstinenz in der Kommunalpolitik macht uns weniger befangen. Wir wollen frischen Wind in den Stadtrat bringen.

Hatten Sie damit seit den Kommunalwahlen bereits Erfolg?

Axel Vogel: Ja. Etwa als es um den Kauf des Grundstückes ging, auf dem der Hortanbau für die Grundschule Rödlitz entstehen soll. Die anderen Fraktionen stritten mit den Freien Wählern darum, ob man beim Preis nachverhandeln sollte. Wir haben gesagt: "Leute es ist wichtig, dass die Stadt das Grundstück überhaupt erst einmal erwirbt. Ansonsten steht das ganze Projekt auf dem Spiel." Das hat den Prozess auf jeden Fall beschleunigt, auch wenn der Verkauf bis jetzt immer noch nicht abgeschlossen ist. Aber wir sind zuversichtlich, dass das bald der Fall sein wird.

Bei Ihrer Wahl hatten Sie angekündigt, auch im seit Jahrzehnten schwelenden Streit zwischen Lichtenstein und St. Egidien zu vermitteln. Damit sind Sie nicht die Ersten.

Mario Müller: Ehrlich gesagt habe ich Wochen der Akteneinsicht gebraucht, um das Ausmaß des Streites auch nur annähernd zu erfassen. Das ist ein Fass ohne Boden. Außerdem spielen auch langjährige persönliche Befindlichkeiten mit rein. Vor einigen Jahren hatte es noch mehr Einvernehmen gegeben. Wir setzen uns aber dafür ein, dass sich die Räte beider Kommunen zusammensetzen. Wir brauchen eine Kompromisslösung, bei der beide Seiten ihr Gesicht wahren. Kein Gericht der Welt wird das für uns übernehmen. Prozesse erzeugen immer Gewinner und Verlierer. Da wird niemand freiwillig zurückstecken. Und die Kosten der vielen Rechtsstreitigkeiten zahlt der Bürger.

Was ist Ihnen wichtig für das anstehende Jahr?

Mario Müller: Neben dem Tagesgeschäft? Wir fanden es klasse, wie viele Vorschläge zum Bürgerhaushalt 2019 gekommen waren. Ein Teil dieser Mittel sollte aber in die Vereinsförderung fließen. Dort herrscht chronische Unterfinanzierung. Die Vereine sind es, die das kulturelle und sportliche Leben im Wesentlichen gestalten. Und dieses Jahr gibt es etwa mit "850 Jahre Rödlitz" und "30 Jahre Geschichtsverein" einiges zu feiern. Das kostet aber Geld. Die Stadt braucht zudem einen zeitgemäßen Internetauftritt. Wenigstens Formulare runterladen oder Anträge online stellen, das sollte heutzutage drin sein. Gemeinderäte hatten bereits für St. Egidien gefordert, vor den Stadtratssitzungen mehr Informationen zu den Tagesordnungspunkten zu veröffentlichen. Dann wissen die Bürger genau, worüber gesprochen wird. Das wäre auch in Lichtenstein ein Fortschritt in Sachen Bürgernähe. Allgemein sollten Bürger häufiger auf die Stadträte zukommen. Das passiert noch viel zu wenig. Bürgerfragestunden sind wichtig, aber als Stadtrat kann man mehr Einfluss geltend machen, denn der Bürgermeister muss sich mit unseren Anliegen beschäftigen. akli

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