Wo bleibt eigentlich das Denkmal?

Die Veranstaltungsreihe "Novembertage" fächert sich dieses Mal thematisch breiter auf als in den Vorjahren. Doch das unbequemste Thema ist weiter die Erinnerung an die Opfer des NSU.

Zwickau.

Es sind diesmal nur zwei Themenabende zu den Verbrechen des NSU geplant, so wenige wie noch nie seit der Wiederbelebung der Veranstaltungsreihe "Novembertage". Der NSU dürfte trotzdem viele andere Programmpunkte bei Weitem überlagern, und zwar, weil die Veranstalter diesmal die lokale Politik beim Wort nehmen und eine eigentlich schon wieder erschlaffte Debatte neu anstoßen wollen. Die Frage nach der geeigneten Form des Erinnerns.

Fast beiläufig erwähnt Projektkoordinator Matthias Bley während der Presserunde am Mittwoch im "Alten Gasometer", dass man eben auch ein aktuelles Thema aus der Stadtpolitik aufgreifen wolle. Schließlich habe es ja eine kurze Diskussion darüber gegeben, wie eine geeignete Form der Erinnerung aussehen könnte, dieser seien jedoch keine Taten gefolgt. "Deswegen wollen wir Lokalpolitik und Zivilgesellschaft an einen Tisch bringen, um darüber einmal ernsthaft zu reden", sagt Bley und geht zum nächsten Punkt über. Dabei birgt die Diskussionsveranstaltung zum NSU-Opfergedenken am 22.November das größte Potenzial der diesjährigen Novembertage.

Die Debatte um ein Opfergedenken war längst im Sand verlaufen, als Zwickaus Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) während der Trauerfeier für die Opfer im Rathaus am Tag der Urteilsverkündung gegen Beate Zschäpe sie von Neuem anstieß. Findeiß forderte den Stadtrat auf, sich wieder damit auseinanderzusetzen, wie man eine geeignete Form des Erinnerns schaffen könne. Der einzige Vorstoß, der über bloße Willensbekundungen hinausging, war damals die Anregung von CDU-Fraktionsvize Michael Luther, das Thema doch bitte im Bündnis für Demokratie und Toleranz zu besprechen. Das sei ein geeigneterer Ort als der Stadtrat. Dem widerspricht Projektkoordinator Bley auf Nachfrage: "Wir sehen das völlig anders. Natürlich gehört die Diskussion in die Politik und in den Stadtrat, wo auch Entscheidungen getroffen werden." Um das anzustoßen, greife man trotzdem die Anregung auf und wolle dazu beitragen, Politiker und Zivilgesellschaft im Rahmen der "Novembertage" zusammenzubringen und diskutieren zu lassen. Zusagen von Lokalpolitikern liegen bislang offenbar noch nicht vor. Eine Rathaus-Mitarbeiterin kündigte noch während des Pressegesprächs an, den Termin an alle Stadträte weiterleiten zu wollen. Laut Bley ist der Oberbürgermeisterin die Einladung bereits zugegangen.

Die zweite Veranstaltung zum NSU-Komplex ist die Neuauflage des Konzert- und Thementags "If the Kids are united against racism" am 3. November in der Aula der Westsächsischen Hochschule an der Scheffelstraße, wozu unter anderem Nebenklagevertreter Mehmet Daimagüler und Petra Pau (Die Linke), Vizepräsidentin des Bundestags, erwartet werden. Wieso der NSU in diesem Jahr nicht so viel Raum einnimmt wie sonst? "Wir haben diesmal die Notwendigkeit nicht gesehen, das Thema auf Zwang wieder reinpressen zu müssen", sagt Bley.


Tillich kommt nach Zwickau

Hoher Besuch für die "Novembertage": Am 20. November kommt Ex-Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) zu drei Veranstaltungen in die Muldestadt. Erst diskutiert er mit Schülern des Peter-Breuer-Gymnasiums, 17 Uhr hält er einen Vortrag zum Thema Europa, Sachsen und Bildung in der Hochschulbibliothek, und am Abend ab 20 Uhr stellt er sich im "Alten Gasometer" einer öffentlichen Diskussion zum Thema "was bewegt den Bürger heute". Eintritt ist frei.

Beginn der Reihe ist am 16. Oktober mit dem Vortrag "Grenzen der Toleranz" 17 Uhr in der Hochschulbibliothek. 19 Uhr beginnt im "Alten Gasometer" eine Diskussion mit den beiden Herausgebern des 2017 erschienenen Buchs "Unter Sachsen- zwischen Wut und Willkommen".

Weitere Veranstaltungen sind unter anderem ein Comicworkshop zum Thema "Was ist Gewalt" mit dem südafrikanischen Fotografen Masixole Ncevu im "Alten Gasometer" am 19.Oktober, ein Vortrag über Reichsbürger im Werdauer Martin-Luther-King-Zentrum am 24. Oktober und eine Gesprächsrunde zum Thema Jugend in der Politik im Julius-Seifert-Haus in Zwickau am 1. November.

Besonderer Schwerpunkt der diesjährigen Novembertage bildet die Beschäftigung mit den Jugendwerkhöfen der DDR. Das Angebot richtet sich ausschließlich an Schulen nach vorheriger Anmeldung und befasst sich neben dem geschlossenen Jugendwerkhof in Torgau auch mit der Einrichtung in Crimmitschau. Geplant sind Besichtigungen und Zeitzeugengespräche. Am 5. November ist eine öffentliche Veranstaltung in der Crimmitschauer Tuchfabrik geplant. (ael)

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