Generation Z verändert die Arbeitswelt

Jede Generation ist anders geprägt. Um neue Mitarbeiter zu gewinnen, müssen sich die Firmen auf die verschiedenen Jahrgänge noch besser einstellen. Bei einer Konferenz wurden am Dienstag dazu Lösungen diskutiert.

Rege Diskussionen während der Konferenz im Zwickauer Rathaus.

Für Sie berichtet: Ramona Nagel

Auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter einzugehen, war schon immer die Maxime von Hotelchefin Anett Strobel. Anders sind gute Gastronomiebetriebe wohl nicht organisierbar. Bis vor einem Jahr gehörte das heutige Hotel "First Inn" zur Hotelkette "Holiday Inn" und war dabei eines der Besten mit zahlreichen Auszeichnungen: "Das hat uns Bekanntheit und viele Bewerbungen gebracht", sagte Strobel. Sogar ein junger Mann aus Berlin wollte deshalb hier arbeiten.

Derzeit hat das 46 Mitarbeiter zählende Haus zwei offene Stellen. Früher gehörte das zur normalen Fluktuation. Heute dauert es oft mindestens sechs Monate, ehe sie besetzt sind. Denn die Gastronomie mit Abend-, -Wochenend- und Feiertagsarbeit gehört nicht zu den beliebtesten Arbeitgebern. "Der Bewerbungsprozess verläuft heute umgekehrt", meinte Strobel. "Eine neue Welt hat begonnen."

So werben viele Firmen bereits im Schulunterricht für ihre Berufsausbildung. Häufig sitzen dann zehn Unternehmer drei Schülern gegenüber, die jedoch oftmals von der Fülle der Informationen überfordert sind. Ist der Ausbildungs- oder Arbeitsvertrag unterschrieben, gliedern sich die Neuen nicht unbedingt geräuschlos in das Unternehmen ein. Strobel versucht deshalb noch stärker, herauszufinden, was die Mitarbeiter motiviert. Mindestlohn sei kein Thema, die Bezahlung orientiere sich am Tarif. Es gibt kostenlose Verpflegung und Getränke, und die Arbeitszeitwünsche der Mitarbeiter werden zumeist im Dienstplan berücksichtigt. Strobel war eine von rund 80 Teilnehmern bei der Informationsveranstaltung "Arbeitgebermarke, Mitarbeiterbindung, Zukunftssicherheit", zu der die Wirtschaftsförderungen von Stadt und Landkreis Zwickau geladen hatten. Sie sollte Lösungen aufzeigen und Erfahrungsaustausch in Zeiten des Fachkräftemangels bieten.

Dass oftmals zwei Welten aufeinandertreffen, erlebt auch Coach Cristina Fischer bei ihrer Arbeit. Viele Chefs hielten an ihren traditionellen Vorstellungen von Leistungsbereitschaft fest und forderten trotz verschlechterter Bedingungen noch mehr von den Mitarbeitern. "Die Mitarbeiter sollen immer noch mehr leisten. Dabei befinden sie sich bereits in einem Hamstererad. Mit der Generation Z (in der Regel sind damit die Jahrgänge 1995 bis 2010 gemeint) kommt aber eine Generation, die klar sagt, dass sie das nicht will", sagte Fischer. Die Generation Z bildet sich zumeist nicht durch Bücher oder Fernsehen, sondern durch Youtube weiter. Instagram und Facebook gelten schon als altmodisch. Sie zieht eine klare Trennlinie zwischen Privatleben und Job. Das kann Chefs durchaus in knifflige Situationen bringen: Gesucht wird eine Vollzeitkraft, der interessante Bewerber möchte jedoch nur Teilzeit arbeiten - lässt man ihn ziehen oder gibt es eine alternative Lösung?

Die Stuttgarter Firma Heermann hat solch eine intensive Umstrukturierung bereits begonnen und ihre Erfahrungen mit den Zwickauer Managern geteilt. Auslöser war ein Großauftrag aus Russland, dem sich das Unternehmen nicht gewachsen sah. Seit dem Start 2014 wurden bei dem Hersteller von Bandsägen Hierarchien abgeschafft, Mitarbeiter stärker in die Verantwortung genommen, interdisziplinäre Teams gebildet. "Bei uns entscheiden die Teams über die Einstellung eines neuen Mitarbeiters", sagte Projektmanager Marco Niebling. Der Betrieb mit 54 Mitarbeitern hat seitdem beim Umsatz zugelegt sowie neue Kunden und Mitarbeiter gewonnen. Niebling: "Auf eine Stelle Industriemechaniker erhielten wir mehr als 50 Bewerbungen, den gesuchten Konstrukteur konnten wir uns unter 28 aussuchen."

Kommentar: Unbequemes Korrektiv

Nun ist sie da, die Generation Z. Der heute um die 20 Jahre alte Nachwuchs ist digital aufgewachsen, schert sich nicht um traditionelle Vorstellungen und will sich das Leben ungern diktieren lassen. Seine Eltern waren oder sind Workaholics auf dem Karriere- und Selbstverwirklichungstrip, die sich ein Leben ohne Arbeit schlecht vorstellen können. Vielleicht haben deshalb ihre Kinder andere Lebens- und Arbeitsvorstellungen. Verkürzte Arbeitszeiten und gute Sozialleistungen sind wichtiger als eine dicke Lohntüte.

Wie ihre Eltern setzen auch sie auf Selbstverwirklichung - allerdings nicht im Job, sondern zum Beispiel in einer längeren Auszeit auf Reisen. Die neuen Ansprüche sind dringend notwendig. Denn viele Firmen haben bislang relativ wenig für ihre Mitarbeiter getan. Das Produkt war wichtig, die Kunden, der Vertrieb. Investiert wurde in neue Maschinen und Hochglanzbroschüren. Investitionen in Mitarbeiter standen nicht oben auf der Agenda. Ein hoher Krankenstand interessierte wenig. Deshalb ist Umdenken wichtig und nichts weiter als ein Korrektiv.

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