Gewandhaus - eine spezielle Aufgabe

Einblick in die größte Sorgenbaustelle gewährte die Stadt am Freitag. Das neue Team hält am letzten Zeitplan fest.

Pressetermin auf der Problembaustelle: Das Interesse am Gewandhaus ist groß.
Blick in den Zuschauerraum. Wie genau er einmal aussehen soll, ist momentan noch unklar.

Für Sie berichtet: Sara Thiel

Es bleibt dabei, zumindest nach jetzigem Stand: Die Theatersaison 2020/2021 wird pünktlich im neu sanierten Gewandhaus eröffnet. Das bestätigte am Freitag Architekt Klaus Sorger, der vor rund einem Monat die Planungsleistung für das Gebäude aus dem 16. Jahrhundert übernommen hat. Allerdings ist das nur die eine Seite der Medaille. Was die Baukosten angeht - da wird der bisherige Plan nicht einzuhalten sein. Das sagte Sorger auch. Bisher sind im Haushaltsplan Ausgaben von knapp 16 Millionen Euro vorgesehen. Um wie viel die Summe steigt, lasse sich erst Ende November genau sagen, so der Fachmann aus Gera.

Sorger sah seine Aufgabe zunächst darin, sich mit den Unterlagen vertraut zu machen. Sein Fazit: Die Zusammenarbeit mit der Stadt und dem amtierenden Hochbau-Chef Christoph Kaufmann sowie dem Denkmalschutz und den beauftragten Firmen funktioniert gut. "Die sind alle Profis ihres Fachs." Man wolle nichts umstoßen und müsse nichts zurückbauen. Was er allerdings ändern möchte, das sind zum Teil die geplanten Bauabläufe, die ihm als nicht sinnvoll erschienen. "Wir werden das Dach in einer anderen Reihenfolge bauen - so, dass der Bereich über der Bühne zuerst trocken ist. Denn dort dauert der Innenausbau länger." Der Thüringer hat bereits das Geraer Theatergebäude saniert. Er sagte: "Ein Theater zu planen, ist eine ganz spezielle Aufgabe. Da wäre es schon schön, wenn das jemand macht, der damit Erfahrung hat." Denn solch ein künstlerischer Betrieb ticke auf seine eigene Weise, und wie solch ein Haus funktioniert, das wisse in erster Linie der technische Direktor.

Auch wenn der Architekt jetzt einen besseren Einblick hat, hat er dennoch nicht für alles einen Plan. Wie beispielsweise der Zuschauerraum gestaltet wird, das ist noch nicht entschieden. Fest steht, dass die Besucher mehr Platz bekommen sollen und dass die Akustik verbessert werden muss. Der Saal, der erst in den 1990er-Jahren in das Gebäude aus dem 16. Jahrhundert gebaut wurde, soll optisch modern bleiben, denn dieser Raum steht nicht unter Denkmalschutz.

An diesem Saal merkt man, dass das Haus nicht als Theater errichtet wurde. Doch es ist nicht der einzige Umbau. Das seitliche Treppenhaus stammt aus dem 19. Jahrhundert. Es soll auch in diesem Stile saniert werden, sagt Denkmalschützerin Steffi Haupt. Die Fassade hingegen wird im Geiste des 16. Jahrhunderts wiederhergestellt. Hinter den Planen verbergen sich bereits die neu angefertigen Säulen. Diese Elemente, ursprünglich aus Kohlesandstein geformt, waren so stark verwittert, dass ihr eigentliches Aussehen mit Hilfe von vergleichbaren Bauteilen am Dom rekonstruiert werden musste. "In Dresden wurden Modelle aus Styropor und Gips gefertigt, die dann den Steinmetzen als Vorbild dienten", erläuterte Steffi Haupt.

Derzeit wechseln nach Auskunft von Hochbauamtsleiter Christoph Kaufmann die Arbeiten am Dachstuhl von der West- auf die Ostseite. Im Inneren ist die Bodenplatte im Erdgeschoss fast fertiggestellt. Es werden Vorbereitungen getroffen, um den Treppenaufgang neu zu bauen. Auch die Aufzüge rücken an eine neue Stelle. Darüber hinaus plant Sorger, den Haupteingang mit einem Windfang zu versehen. Der Architekt, der in Weimar studiert hat, sagte, dass er den Bereich mit den Mitteln unserer Zeit gestalten wolle - mit Glas und Stahl. Diese moderne Optik soll der historischen Fassade aber keinesfalls die Schau stehlen. Die Giebelseite wird auch weiter das Bild des Hauptmarktes mitbestimmen, auch wenn sie mit Hell- und Dunkelgrau eine neue Farbe bekommt, die sich aber vom Vorbild aus dem 16. Jahrhundert ableitet.

Bis die Hüllen des Gebäudes fallen, wird es noch dauern. Im Oktober sollen die Dachdecker mit ihrer Arbeit beginnen. Bis Ende März 2020 ist dann alles fertig. Ehe der Vorhang sich wieder hebt, sind noch drei Monate Probebetrieb eingeplant.

Konzert auf der Baustelle

Zum Tag des offenen Denkmals ist am Sonntag die Gewandhaus-Baustelle zu besichtigen. Möglich ist das in der Zeit zwischen 11.30 und 14 Uhr. Dann sehen die Besucher, wie weit die Sanierung im Inneren des Gebäudes vorangeschritten ist.

Musik erklingt dabei ebenfalls: Erstmals spielen Schülerinnen und Schüler der PhilKon-Akademie mit den Mitgliedern des Philharmonischen Orchesters Plauen-Zwickau unter Leitung von GMD Leo Siberski. In mehreren Räumen erklingen Werke von Mendelssohn, Britten, Larsson, Vivaldi und Tschaikowsky.

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