Zirkusfamilie geht mit Pettersson und Findus auf Wanderschaft

Nadine Brumbach kennt nur das Leben im Wohnwagen. Für mehrere Wochen haben die Vogtländischen Puppenspiele ihr Zelt in Gersdorf aufgeschlagen.

Gersdorf.

Petterson wohnt in einem Häuschen am Rande eines schwedischen Dorfes. Der schrullige alte Mann ist meist knurrig, wortkarg, aber erfinderisch und mit viel Fantasie ausgestattet. Eine Nachbarin empfiehlt ihm schließlich, sich ein Haustier zuzulegen. Wie sich zeigt, hat genau das ihm gefehlt. Er bekommt sein Haustier, einen Kater, ausgerechnet in einer Schachtel mit dem Aufdruck "Findus grüne Erbsen". Findus ist eigentlich der Name eines schwedischen Lebensmittelkonzerns. Damit hat die quirlige Samtpfote gleich seinen Namen weg.

Es beginnt eine Geschichte, die Kinder zu Beifallsstürmen bringt und auch zu Tränen rührt. "So ungefähr ein Dutzend Puppen kommen in dem Stück vor", sagt Nadine Brumbach. Vogtländische Puppenspiele heißt ihr kleines Theater, das im Zirkuszelt auf dem Platz gegenüber Aldi in Gersdorf residiert. "Vogtländisch deshalb, weil wir in Mühltroff bei Plauen unsere Meldeadresse haben. Zuhause sind wir aber da, wo wir gerade spielen." Bis vor zwei Jahren waren die Brumbachs noch als Zirkus Laretti unterwegs. Nadines Ehemann Edmund war dort der Clown. Ein Schicksalsschlag - der Tod eines nahen Angehörigen - ließ die Eheleute aus dem Unternehmen aussteigen. "Ich bin dann in meinen eigentlichen Beruf Puppenspielerin zurückgekehrt", sagt Nadine Brumbach.


Die gebürtige Kielerin kennt kein anderes Leben als das Wanderleben. Sie ist mit dem Zirkus aufgewachsen. Und auch ihre drei Kinder kennen nur das Leben im Wohnwagen, das freilich Vor- und Nachteile hat. Das heißt eben auch, dass die neunjährigen Zwillinge Antonio und Janito ständig die Schule wechseln. "Sie gehen immer dort zur Schule, wo wir gerade spielen. Die Gersdorfer Grundschule ist für sie in diesem Jahr, glaube ich, die 52. Schule." Die Jungen sind es gewöhnt, immer neue Klassenkameraden und Lehrer zu erleben. Die Kleine, die dreijährige Kathy, bleibt in der Zeit bei Mama.

Seit zwei Jahren reist die fünfköpfige Familie, die vom 64-jährigen Opa Wolfgang verstärkt wird, vor allem durch Sachsen und Thüringen. Ein paar Auftritte haben sie in diesem Jahr auch in Hamburg absolviert. Das beheizte Zelt fasst immerhin 200 Plätze. Die sind aber selten vollständig belegt. Die Einnahmen müssen die Familie ernähren. "Die Puppenspielerei ist eben kein Zuckerschlecken", sagt Nadine Brumbach. "Du arbeitest immer mit den Armen über dem Kopf, das belastet die Schultern, Arme und Wirbelsäule. Nach einer längeren Pause bekomme ich da auch schon mal Muskelkater", sagt sie. Pettersson ist zum Beispiel 60 Zentimeter hoch. Die Figuren sind keine Eigenproduktion. Die haben die Brumbachs beim Kieler Puppenschnitzer Rudolf Wurst in Auftrag gegeben. "Er hat leider aufgehört. Wir hatten Glück, dass wir die Puppen noch bekamen."

"Räuber Hotzenplotz", die klassischen Kasperstücke und der "Rabe Socke" gehören ebenso zum Repertoire wie "Pettersson und Findus" vom schwedischen Autor Sven Nordqvist. Das Puppenspiel, das schon Zweijährige anspricht, dauert eine Stunde. Ihre Texte lernt Nadine nebenher, beim Aufwaschen oder Kochen. "Es ist immer besser, man hat die Texte komplett im Kopf. Ich hatte trotzdem schon Aussetzer, das passiert, das muss man eben gekonnt überspielen." Apropos Spielen: Am Heiligabend gibt es ganz bewusst keine Vorstellung. An dem Tag feiert Nadine Brumbach im Wohnwagen nicht nur mit der Familie Weihnachten, sondern auch ihren 39. Geburtstag.

Vorstellungen finden vom 26. Dezember bis zum 6. Januar täglich 16 Uhr im beheizten Zelt statt. Sonntags ist 14 Uhr Beginn. Spielfrei ist am 1. Januar.

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