Corona-Epidemie: Zwei Tote im Landkreis Zwickau

Die Verstorbenen stammen aus der Gemeinde Bernsdorf. Die Landesregierung sucht den Grund für den Anstieg der Fallzahlen im gesamten Landkreis.

Bernsdorf/Dresden.

Im Landkreis Zwickau sind zwei Personen am Coronavirus gestorben. Entsprechende Informationen der "Freien Presse" bestätigte das sächsische Sozialministerium am späten Montagnachmittag. Die Toten stammen demnach aus der Gemeinde Bernsdorf, die sich zu einem Schwerpunkt des Virus im Kreis Zwickau entwickelt hat. Wie das Landratsamt am Dienstag auf Anfrage der dpa mitteilte, handelt es sich bei den Verstorbenen um eine 84-jährige Frau und einen 87 Jahre alten Mann. Beide waren demnach schwer vorerkrankt. 

Auch der gesamte Landkreis Zwickau steht seit dem Wochenende im Fokus der Krisenbekämpfer. Binnen Tagen hat sich Zwickau zur Hochburg der Corona-Infizierten entwickelt. Der Freistaat Sachsen und die Landkreisverwaltung erforschen aktuell die Hintergründe für den starken Anstieg. "So viel ich weiß, ist der Patient Null, also der erste, von dem das ausgegangen ist, ermittelt", sagte Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) am Montag in Dresden. Sie nannte aber keine weiteren Details, weil die Recherchen noch andauerten. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sagte, der Freistaat sei in einem "intensiven Austausch mit dem Landratsamt".

Aktuell gibt es im Landkreis nach Angaben der Kreisverwaltung 172 Fälle. Neben der Stadt Zwickau (45 Fälle), sind vor allem die Gemeinde Bernsdorf (34 Fälle) und Werdau (20 Fälle) betroffen. Der Freistaat Sachsen nennt insgesamt 175 Fälle im Landkreis Zwickau. In der Großstadt Leipzig gibt es insgesamt 161 Corona-Kranke, in der Landeshauptstadt Dresden 123. Sachsenweit wurde das Virus bei 865 Personen nachgewiesen.

Vor allem in Bernsdorf standen zuletzt viele Personen unter Quarantäne, weil sie als Kontaktpersonen von Infizierten ausgemacht worden waren. Beispielsweise hatte der Fall eines Aushilfskellners für Aufsehen gesorgt, der in einer beliebten Gaststätte gearbeitet hatte. Bei ihm war das Coronavirus nachgewiesen worden. Die Landratsverwaltung verwies darauf, dass in Bernsdorf die ersten Fälle im Landkreis bekannt gewesen seien.

Verschärfende Maßnahmen, um die Ausbreitung der Krankheit im Landkreis Zwickau zu stoppen, lehnen der Landkreis und die Landesregierung aber ab. Das Sozialministerium machte auf Anfrage deutlich, dass darüber nur der Landkreis selbst entscheiden könne. Innenminister Roland Wöller (CDU) sagte, Instrumente wie die Abriegelung einzelner Gemeinden seien "derzeit nicht erforderlich". Die Polizei leiste Amts- und Vollzugshilfe, um die Auflagen der Ausgangsbeschränkungen umzusetzen. Dies sei aktuell "die wirksamste Maßnahme".

Volkswagen Sachsen dementierte am Montag auf Anfrage der "Freien Presse" Gerüchte, wonach im Zwickauer Werk vier Mitarbeiter zu den Coronafällen gehören. Es gebe in allen Standorten in Südwestsachsen nur einen Verdachtsfall, der aber noch nicht positiv bestätigt sei, sagte ein Sprecher. Der Mitarbeiter sei vorsorglich zu Hause.

Die Landesregierung zeigte sich zufrieden, wie die Sachsen die neuen Ausgangsbeschränkungen, die am Montag in Kraft traten, angenommen haben. Insgesamt habe man in Sachsen neun Straftaten im Zusammenhang mit Coronavirus feststellen können, sagte Innenminister Wöller. Sieben davon gingen auf Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz zurück. "Das zeigt, dass sich die überwiegende Mehrheit sehr verantwortungsbewusst verhält", so Wöller.

Der Innenminister lehnte es ab, Vorschriften aus der Allgemeinverfügung genauer zu fassen. Verwirrung hatte es gegeben, welche Entfernung unter das "Umfeld des Wohnbereichs" falle, in dessen Rahmen man Sport treiben und spazieren gehen dürfe. Man wolle keine "Krisen-Bürokratie" aufbauen, sagte Wöller. Derartige Vorgaben seien "nicht notwendig und nicht praktikabel".


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