Zwickauer Bad wartet auf bessere Zeiten

Die "Nulle", das 04-Bad im Zwickauer Stadtteil Pölbitz, müsste dringend saniert werden. Weil aber schon entschieden ist, dass es in zwei Jahren an die Stadt übergeben wird, tut sich bis dahin nichts mehr.

Zwickau.

Der seit Jahren gesperrte Sprungturm, von dem Beton abbröckelt und die Armierungseisen durchrosten, ist zum Sinnbild für das 04-Bad in Pölbitz geworden. Allmählich schreitet der Verfall voran und ist offenbar auch nicht mehr aufzuhalten. Zumindest nicht mit den zur Verfügung stehenden Finanzen und dem Personal.

Inzwischen weist auch der Boden im Nichtschwimmerbecken deutliche Schäden auf. Für Verärgerung bei den Badegästen hatte jüngst auch der zwei Tage dauernde Ausfall einer Rutsche gesorgt. Der Wasserstand im Becken war zu niedrig, daher schaltete sich die Pumpe, die die Rutsche mit Wasser versorgt, automatisch ab. Bei niedrigem Wasserstand ist die Gefahr groß, bei der Landung auf dem Boden des Beckens aufschlagen. Zudem spielt das Wetter zumindest für die Grünpflege nicht mit. Das Gras auf den Liegeflächen ist verbrannt - die Halme verteilen sich bei Wind im ganzen Areal und auch im Schwimmbecken. Auch der Zwickauer Peter Strohmeier macht seinem Ärger Luft. "Das Bad ist in einem katastrophalen Zustand", sagte er.


Im Förderverein, der das 04-Bad seit 2006 betreibt, ist man mit der Situation alles andere als glücklich. "Die Kritik ist berechtigt", sagte der Vorsitzende Arne Pflug. Man würde gern mehr machen, aber es fehlt am Geld und am Personal. Neben dem angestellten Schwimmmeister gibt es derzeit nur drei ehrenamtliche Mitstreiter, die für Ordnung sorgen. Sie stehen vor einer ungewissen Zukunft, denn die Stadt Zwickau will das Bad künftig durch ihren Sportstättenbetrieb betreiben lassen, der erst Anfang dieses Monats die Arbeit aufgenommen hat. "Wir wissen ja noch nicht einmal, ab wann genau das Bad zur Stadt kommt", sagte Arne Pflug.

Dabei ist das eigentlich kein Geheimnis. Rathaussprecher Mathias Merz sagt: "Das Bad soll ab dem 1. Januar 2021 an die Stadt übergeben werden." Bereits 2012 waren aus dem Stadtrat heraus Forderungen laut geworden, das Bad wieder in städtische Regie zu überführen. Das lehnte die Verwaltung damals aus Kostengründen ab. Der Verein hatte das Bad während der Konsolidierung des städtischen Haushaltes übernommen. Seitdem bekommt er jährlich einen Zuschuss aus der Stadtkasse. Dabei sieht Pflug "sein Bad" ungerecht behandelt. "Das Crossener Freibad bekommt in diesem Jahr 50.000 Euro, wir nur 30.000 Euro." Zudem schaffe die Rücknahme des Bades weitere Un- sicherheit. "Wir können doch jetzt nicht investieren und dann das Bad abgeben", sagte der Vereinsvorsitzende. Abgesehen davon, ist das Geld für größere Investitionen ohnehin nicht vorhanden. Selbst in Jahren mit guten Besucherzahlen war der Verein finanziell nicht auf Rosen gebettet. Dabei laufen dem Förderverein die Unterstützer weg. Von den ehemals etwa 130 Mitgliedern sind heute nur noch 20 übrig. "Viele junge Leute, die sich engagiert haben, sind weggezogen", sagte einer der ehrenamtlichen Helfer.

Das 1927 gebaute und nach dem Hochwasser 1954 zuletzt komplett sanierte Bad, braucht eine Generalüberholung. Darüber ist man sich im Förderverein einig. Ähnliches ist auch im Gutachten nachzulesen, dass vor zwei Jahren die Schäden dokumentierte. Doch daran ist in der derzeitigen Situation nicht zu denken. Offenbar liegen auch der Stadtverwaltung keine aktuellen Informationen zum Investitionsbedarf vor. Im Jahr 2017 war von 167.000 Euro die Rede. 70.000 Euro allein für Reparaturen am Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken, einschließlich Sprunganlage und Rutschen-Komplex. Eine Komplettsanierung würde jedoch einen Millionenbetrag verschlingen.

Das nährt Befürchtungen, dass die Stadt das Bad wegen des hohen Sanierungsstaus schließen könnte. Dem widerspricht Sprecher Merz: "Entsprechend der bisher gefassten Beschlüsse des Stadtrates ist das 04-Bad zu erhalten." Über Investitionen oder gar eine Schließung müsste der Stadtrat entscheiden.

Zumindest im Sommer 2020 muss der Verein das Bad noch betreiben. Dass die Stadt schon vor der Übernahme investiert, schloss Merz aus. "Das ist aufgrund des absehbaren Übergangs des 04-Bades derzeit nicht vorgesehen", sagte er. Im Doppelhaushalt 2019/2020 sind weder Personal- noch Sachkosten für das Bad eingeplant. Bis zum Auslaufen des Vertrages bekommt der Verein weiterhin den bisherigen Zuschuss aus der Stadtkasse.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...