Zwischen Winterspaß und Straßengraben

Wieder gab es Schnee in Massen, die Winterdienste kamen an ihre Grenzen. Über falsche Vorstellungen, Bestechungsversuche und einen Bürgermeister auf dem Motorschlitten.

Hohenstein-E..

Er hätte dem Winterdienstfahrer auch was extra gezahlt, sagt der Imbissbesitzer. Dafür, dass der den Schnee vorm Laden wegräumt, den das Schiebeschild am Sonntag an den Straßenrändern aufgetürmt hat. Mittlerweile ist Montagmittag. Vor dem Imbiss in Hohenstein-Ernstthal schippen zwei Teenager die Parkplätze für die Kunden frei, für ein Taschengeld. Der Fahrer vom Bauhof habe abgelehnt, sagt der Besitzer: Für Privatleute räumen dürfe er nicht. Auch so hat der Schnee, der am Sonntag schon wieder in Massen fiel, die Winterdienste Kraft gekostet -und nicht nur das.

In Gersdorf etwa wurde ausgerechnet der Fahrer eines Schneepflugs am Sonntagvormittag bei einem Unfall verletzt: Ein entgegenkommender Autofahrer war auf der Hauptstraße von seiner Spur abgekommen, Schneepflug und Auto stießen zusammen. 15.000 Euro Sachschaden bilanziert die Polizei. Ansonsten blieb es ruhig auf den Straßen um Hohenstein-Ernstthal; nur einmal mussten die Callenberger Feuerwehrleute ausrücken, weil ein Auto in den Graben gerutscht war. Acht Bauhofmitarbeiter der Gemeinde waren seit dem frühen Sonntagmorgen unterwegs, sagt Bürgermeister Daniel Röthig (CDU). Die Straßen der Gemeinde hätten weit besser ausgesehen als nebenan in Chemnitz, wo er wohnt. In Hohenstein-Ernstthal konnte der Winterdienst am Sonntag nicht alle Straßen freimachen, räumte einige erst am Montag. Und das, obwohl der Bauhof am Sonntag von 6 bis 20 Uhr im Einsatz war. "Gut, dass Wochenende war, so hatten wir immerhin keine Probleme mit Lastwagen und Schulbussen", sagt Manfred Dietz, der den Bauhof leitet. Am Montag haben seine Mitarbeiter begonnen, Schnee aus den Straßen wegzuschaffen, wo es sonst zu eng wird. "Sicherheit ist das Wichtigste", sagt Dietz - deswegen war es eine der ersten Aufgaben der Mitarbeiter, an engen Passagen wieder Platz zu schaffen, damit Fahrzeuge einander passieren können.

In Heinrichsort hingegen hat der Schnee einige Nebenstraßen auf eine Spur verengt, wie auch schon vor drei Wochen. Zwei Autos passen dann kaum noch aneinander vorbei. Ortsvorsteherin Annett Richter wünscht sich deshalb ein Leitsystem für solche Fälle, das aus den Straßen zeitweise Einbahnstraßen macht. "Das könnten fest installierte Schilder sein, die man im Bedarfsfall umklappen kann", sagt Annett Richter. Die Planung sei aufwendig. Sie rechne frühestens im nächsten Winter mit der Umsetzung.

Ansonsten habe man die Lage in Heinrichsort, Rödlitz und Lichtenstein weitestgehend im Griff gehabt, sagt der Lichtensteiner Bauhof-Chef Stefan Hoffmann, dann macht er sich kurz Luft. "Man kam von A nach B. Aber die Leute dürfen keine schwarze Straßendecke erwarten." Heißt: Im Winter müssen Autofahrer Fahrweise und Geschwindigkeit anpassen, gegebenenfalls Schneeketten aufziehen. Das ist eine simple Tatsache - aber offenbar keine Selbstverständlichkeit.

Zumindest die passenden Reifen hatten aber wohl die meisten aufgezogen. Reinhard Wagner von der gleichnamigen Autowerkstatt in Hohenstein-Ernstthal ist jedenfalls erleichtert: "Die Aufklärung funktioniert, kaum jemand ist noch mit Sommerreifen unterwegs", sagt er. Diejenigen Kunden, die aktuell zu ihm kommen, merken zum Beispiel, dass das Profil der Winterreifen doch nicht mehr so gut ist, wie sie geglaubt hatten. "Dann ziehen wir meistens vorne zwei neue Räder auf, und es passt", sagt Wagner. Im Oktober beginnt in seiner Werkstatt das Geschäft mit dem Reifenwechsel. "Man hat immer Kunden, die es auf den letzten Drücker erledigen", sagt er. Aber: "Auf den ersten Schnee waren die Leute schon gut eingestellt, also war das Wochenende auch kein Problem mehr."

Ansonsten war der Montag bei strahlendem Sonnenschein vor allem eines: ein schöner Wintertag. Für Hohenstein-Ernstthals OB Lars Kluge (CDU) Anlass genug zu Spontanaktionen. Zusammen mit dem Betreiber des Hot-Badelands, Thomas Sprunk, jagte er auf einem Schneemobil eine circa zwei Kilometer große Runde um den Pfaffenberg - nicht zum Spaß, sondern um eine Loipe für Skisportler zu ziehen. Eine entsprechende Aktion vor zwei Jahren war auf positive Resonanz gestoßen. Auch am Montag dauerte es nur wenige Minuten, bis die ersten Sportler die frisch gespurte Route bevölkerten. "Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass die Bahn möglichst noch lange erhalten bleibt", so Kluge.

Auch für die 23 Hunde, die im Tierheim Langenberg untergebracht sind, hat der Schnee seine guten Seiten. "Sie bekommen warmes Wasser mit Honig, das tut dem Immunsystem gut, und die Hunde mögen es auch noch sehr gern", sagt Tierheimleiterin Jana Berger. Sie tollt mit den Hunden im Schnee und gießt regelmäßig heißes Wasser in solche Futternäpfe, in denen etwas angefroren ist. "Den Tieren geht's im Winter gar nicht so schlecht, wie manche vielleicht meinen", sagt Berger - und wirft den nächsten Schneeball, dem die Hunde hinterherjagen. Die Katzen hingegen seien eher Couchpotatoes, sagt Jana Berger - und haben sich in einen beheizten Raum zurückgezogen.

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