146 Jahre alte Farbreste entdeckt

Das Wohnhaus von Otto Ullrich in Werdau ist eine der letzten noch erhaltenen Fabrikantenvillen im Originalzustand. In das Gebäude soll eine Senioren-WG einziehen.

Bernd Richter vom Bundesfreiwilligendienst mit den Grundrissen des Verwaltungsgebäudes der einstigen Tuchfabrik Ullrich.
Hingucker an der Fassade des Wohnhauses von Otto Ullrich: der restaurierte Tuchmacherfries.

Für Sie berichtet: Uwe Mühlhausen

Otto Ullrich gehörte während der Zeit der Industrialisierung in Werdau zu den bedeutendsten Fabrikanten in Werdau. In dem Unternehmen, 1850 gegründet, wurden bis zu seiner Stilllegung 1994 Stoffe für Uniformen hergestellt. Zuerst für die Truppen des Kaisers, dann für die Soldaten im Zweiten Weltkrieg und zuletzt für die Polizei.

Von dem Komplex an der August-Bebel-Straße, der seit ein paar Jahren Uwe Reinhold gehört, sind nur noch drei Gebäude erhalten. Dazu gehören neben einem ehe- maligen Nebengebäude, in dem sich einst unter anderem die Küche und die Schlosserei befanden, auch der Laden. Das den Komplex prägende und nach Auffassung des Besitzers wichtigste Gebäude ist das ehemalige Wohnhaus des Fabrikanten. "Es wurde 1872 erbaut, 22 Jahre nach der Firmengründung. Otto Ullrich wohnte damals mit seiner Familie mit auf dem Firmengelände und leitete vom Wohnhaus aus die Geschicke der Firma", sagt Uwe Reinhold. Die Besonderheit an dem Haus: Es ist eine der letzten Villen eines ehemaligen Fabrikanten in Werdau, die noch im Originalzustand erhalten sind. "Die meisten anderen wurden abgerissen oder werden heute anderweitig genutzt", erklärt der Inhaber eines Ingenieurbüros.

Üppige Stuckdecken oder prunkvolle Räume sucht man in der Villa jedoch vergebens. "Darauf hat Otto Ullrich nie Wert gelegt. Er investierte lieber jede Mark, die er erwirtschaftete, in das Unternehmen." Dass die Gebäude und die Raumaufteilung jedoch noch im Originalzustand erhalten sind, beweisen alte Baupläne vom Haus, die im Stadt- archiv aufgewahrt werden. "Daher wissen wir auch, wie die Räume auf den jeweiligen Etagen genutzt wurden. Die Wohnetage ist im gründerzeitlichen Bestand komplett erhalten geblieben. Wenn auch ziemlich ramponiert, sind alle Räume wie die Wohnstube, die Kinderstube oder die Gästezimmer noch vorhanden", sagt Reinhold. Einige Umbauten erfolgten zu DDR-Zeiten, als die Tuchfabrik zu den Volltuchwerken gehörte. "Da befand sich beispielsweise das Zimmer des Parteisekretärs in der Küche von Otto Ullrich. Die ursprünglichen Fußbodenfliesen sind noch da."

Eine besondere Entdeckung machte Uwe Reinhold beim Ausbau eines der Fenster in der ehemaligen Wohnstube. "Dabei sind wir auf die Wandfarbe gestoßen, die beim Bau 1872 verwendet wurde. Das Zimmer war damals in Himmelblau gehalten." Doch wie kommt Uwe Reinhold darauf, dass es die Originalfarbe ist? "Beim Bau wurde nur Einfachglasfenster eingesetzt, danach wurden die Wände gestrichen. Doch als Otto Ullrich einzog, gefiel ihm das nicht. Er ließ nachträglich Doppelfenster einbauen. Die überdeckten die Farbe all die Jahre."

Uwe Reinhold hat mit der Villa große Pläne. Das Gebäude soll in ein Wohnhaus umgebaut werden. "Vorgesehen ist, dass in der ersten Etage und in das Erdgeschoss eine Senioren-WG einzieht." Für sein Projekt hat Reinhold bereits einen Bau- antrag gestellt und auch einen Hauptmieter "an der Angel". Was noch fehlt, ist die Bewilligung von Fördermitteln, um das Vorhaben umsetzen zu können.

Interessenten können die Villa am Sonntag zum Tag des offenen Denkmals besichtigen. Zwischen 10 und 15 Uhr sind stündlich Führungen geplant.

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