15-Jährige geht von der Pleiße an die Adria

Jordis John aus Blankenhain besucht ab Montag das United World College. 252 Bewerber aus ganz Deutschland gab es für ein Stipendium an der Eliteschule, nur 52 Jugendliche wurde genommen.

Blankenhain.

Noch kann Jordis John im Gegensatz zu ihrer kleinen Schwester Madita (8) die Ferien genießen. Doch auch für die 15-Jährige beginnt in wenigen Tagen wieder der Ernst des Lebens - weit weg von der Heimat. Die junge Blankenhainerin besucht ab kommende Woche das United World College in Duino. Die Kleinstadt in Norditalien befindet sich nur wenige Kilometer von Triest entfernt an der Adria. "In Italien sind derzeit noch Ferien. Der Unterricht dort beginnt erst nächste Woche wieder", sagt Jordis John. Am Donnerstag wird sie in Dresden in den Flixbus steigen und gut 13 Stunden später in Turin ankommen. In einer vollkommen anderen Welt. Dann ist die 15-Jährige auf sich allein gestellt. An ihrer künftigen Schule wird ausschließlich in englischer Sprache unterrichtet, schon das wird für die Jugendliche eine Umstellung werden.

Aufgewachsen ist Jordis John im beschaulichen Blankenhain. Gebe es in dem Dorf nicht das Deutsche Landwirtschaftsmuseum, würde kaum jemand von dem Örtchen an der Grenze zu Thüringen Notiz nehmen. Bis vor ein paar Wochen hat die Schülerin noch das Werdauer Gymnasium besucht. Durch Zufall erfuhr Jordis John im Internet von United World College (UWC) und wurde neugierig. Was sie begeistert: An der Schule sind alle Schüler gleich, egal woher sie kommen und was sie sind. Und: Der Abschluss des UWC, das in 17 Ländern weltweit vertreten ist, wird international anerkannt. Damit stehen den Absolventen der Eliteschule alle Türen offen. Da es sich beim UWC um keine staatliche Einrichtung handelt, müssen die Eltern für den Schulbesuch eine Gebühr zahlen. Der Betrag richtet sich nach den Einkommen der Eltern. "Ein Großteil der Kosten wird von ehemaligen Absolventen übernommen, die mit ihren Spenden für die Unkosten aufkommen", sagt die Mutter von Jordis, Anja Bachmann.

Dass die Blankenhainerin künftig gerade das College in Italien besucht, darauf hatte sie im Vorfeld keinen Einfluss. Genausogut hätte die Reise beispielsweise nach Costa Rica, Kanada oder Japan gehen können, wo das United World College ebenfalls präsent ist. "Man muss sich für ein Stipendium bewerben. Das habe ich im Vorjahr gemacht und wurde dann zu einem Gespräch nach Wiesbaden eingeladen. Mit mir waren dort noch 252 andere Bewerber aus ganz Deutschland. Letztendlich erhielten 52 Jugendliche die Bewilligung, mit Beginn des neuen Schuljahres am UWC zu lernen. Wer, wohin delegiert wurde, entschied die Jury", berichtet Jordis John. Mit ihr beginnt noch ein weiterer Jugendlicher aus Deutschland am Montag in Duino einen neuen Lebensabschnitt. Wer das ist, wird die junge Blankenhainerin erst kommende Woche erfahren. Was sie aber schon weiß: "Wir sind insgesamt vier Deutsche. Zwei, die die 11.Klasse beginnen und zwei, die dann in das 12. Schuljahr starten."

Was ihre Zukunft betrifft, hat Jordis konkrete Pläne. "Wenn ich nach Deutschland zurückkomme, möchte ich eine Ausbildung zum Notfallsanitäter machen und mich danach in Berlin weiter qualizieren, um künftig im internationalen Notfall- und Katastrophenschutz tätig werden zu können." Dass die 15-Jährige ihren Weg gehen wird, davon ist ihre Mama überzeugt. "Ich bin stolz auf sie", lautet das kurze Urteil. Fast noch ein bisschen mehr wie die Mama wird Madita ihre große Schwester vermissen. "Ich habe dann niemanden mehr, mit dem ich spielen kann", sagt die Achtjährige etwas traurig.

Bis zum nächsten Wiedersehen werden ein paar Wochen vergehen. "Das wird Weihnachten sein und dann erst wieder im nächsten Sommer, in den großen Ferien." An die neue Situation müssen sich alle Familienmitglieder erst gewöhnen.

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