150 Jahre alte Buche stirbt Dürretod

Die Wälder leiden schon das zweite Jahr unter Dürre. Borkenkäfer vermehren sich rasant und vernichten immer mehr Fichten. Nun fallen sogar Laubbäume dem Wetterextrem zum Opfer.

Zwickau/Werdau.

Auch wenn er weiß, dass es den Ferienkindern nicht gefallen würde, sagt Holger Buchta: "Was wir jetzt brauchen, ist Regen, Regen, Regen. Und zwar kein Gewitterguss, der an der Oberfläche abfließt, sondern zwei Wochen durchgehenden, sanften Landregen, der tief in die Erde eindringt." Der Leiter des Wildenfelser und Kirchberger Reviers vom Staatsbetrieb Sachsenforst, das etwa 5500 Hektar Wald umfasst, hatte bereits Anfang Mai befürchtet: "Wir werden eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes erleben." Derzeit spreche das Wetter dafür, dass diese auch eintritt.

Buchta berichtet, dass die Borkenkäfer, die sich seit dem vorigen Jahr rasant vermehrt haben, in Fichtenflächen, leichtes Spiel haben. Schließlich seien etliche Bestände durch Dürre sowie die Sturmschäden seit 2017 und Schneebruch im vergangenen Winter geschwächt. Etwa 70 Prozent der Nadelholz- bestände seien befallen. Sowohl der Buchdrucker, eine Art des Borkenkäfers, als auch der Kupferstecher, eine andere Art, hätten nach den schlimmen Schäden 2018 dieses Jahr bereits zum Absterben vieler weiterer Fichten geführt, die zügig aus den Wäldern herausgeholt werden. Schließlich schlüpfe sonst schnell noch eine weitere Käfergeneration im Wald, die andere, noch gesunde Fichten bevölkere, weil diese durch die Dürre gestresst sind und die Käfer schlecht abwehren können.


Doch Buchta sorgt sich nicht nur um Fichten. "Zunehmend sind auch Buchen und Eichen betroffen", sagt er und zeigt auf eine etwa 150 Jahre alte Buche am Rande eines Waldstückes auf Langenweißbacher Flur. Gerade am Waldesrand seien Laubbäume gefährdet, weil sie dort extremer Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind. "Die Rinde bekommt eine Art Sonnenbrand", weiß der Förster. "Ist sie verbrannt, bricht sie auf, sterben darunter die grünen Zellen, die mit für die Fotosynthese und damit das Gedeihen des Baums zuständig sind. Außerdem bietet die abgelöste Rinde eine gute Angriffsfläche für den Buchenprachtkäfer, der ebenfalls ein Borkenkäfer ist. Diese Insekten gibt es nämlich nicht nur als Feinde von Nadelbäumen." Der Förster berichtet, dass derzeit auch Eichen eingehen. Besonders dann, wenn großen Eichen zu dicht stehen und das Wasser bei der anhaltenden Dürre nicht für alle reicht.

Buchta rät Waldbesitzern, die Schäden mit dem Pflanzen von Buchen, Ahorn und Roteichen, die aus Amerika kommen und weniger Wasser brauchen, sowie Lärchen und Douglasien auszugleichen. Allerdings gibt es das Problem, dass die Trockenheit auch den bereits erfolgten Neuanpflanzungen zusetzt und es dort ebenfalls große Verluste gibt.

Angesichts der Trockenheit bittet der Förster Waldbesucher um besondere Vorsicht. "Schon ein am Waldrand abgestelltes Auto kann mit seinem heißen Auspuff trockenes Gras entzünden und einen Brand auslösen. Achtlos weggeworfene Flaschen wirken wie ein Brennglas und sind auch gefährlich. Und bei der Rast auf den Sitzgruppen sollte genauso wie im gesamten Wald keinesfalls geraucht werden", mahnt der Mann.


Waldumbau, Verjüngungund CDU-Versprechen

Angesichts der Schäden sind im aktuellen Haushaltsplan des Landes Sachsen 3,5 Millionen Euro allein für den Waldumbau und die Verjüngung natürlicher Wälder vorgesehen.

Auf ihrem Parteitag Ende Juni hat die Landes-CDU in Vorbereitung der Landtagswahl im September beschlossen, dass schneller als bisher geplant 30 Prozent der Landesfläche aus Wald bestehen soll. Bis 2030 will sie dafür sorgen, dass in Sachsen 50Millionen Bäume gepflanzt werden. Das ist durchaus ein ambitioniertes Ziel. Schließlich müssten dafür rein rechnerisch in den verbleibenden elf Jahren pro Kalendertag mehr als 12.000 Bäume gepflanzt werden. (vim/tz)

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