AfD-Chef will eigenen Kandidaten verklagen

Der Streit um den in Ungnade gefallenen Bundestagsanwärter Benjamin Przybylla eskaliert weiter.

Zwickau/FRaureuth.

Der Riss im Zwickauer AfD-Kreisverband vertieft sich. Jetzt hat der amtierende Kreisvorsitzende Frank-Frieder Forberg angekündigt, den eigenen Direktkandidaten Benjamin Przybylla wegen dessen Äußerungen über den Kreisvorstand verklagen zu wollen. "Eigentlich möchte ich mich nicht auf diese Niederungen begeben, aber das wird strafrechtliche Konsequenzen haben", sagte Forberg gestern der "Freien Presse". Er, seine Frau und der Rest des AfD-Vorstands fühlen sich demnach durch Przybyllas Äußerungen diffamiert. "Wir werden wegen Verleumdung und übler Nachrede juristisch gegen ihn vorgehen. Das ist schon beschlossen", so Forberg.

Damit ist eine neue Stufe der Auseinandersetzung erreicht. Nachdem der Kreisparteitag am vergangenen Samstag Przybylla wegen dessen Alleingängen das Misstrauen ausgesprochen hatte, fasste die Führungsriege einen Vorstandsbeschluss, um Przybylla die Direktkandidatur wieder abzunehmen. Vorgestern stellte Forberg diese Entscheidung im Senat des Landesverbands vor, dem die Kreisvorsitzenden angehören. "Die Meinung dazu war einheitlich", sagt Forberg. Przybylla reagierte auf seine bevorstehende Ausbootung mit heftigen Vorwürfen gegen die Führungsriege der Zwickauer AfD. Forberg sei ein eingeschleuster "V-Mann" und "Maulwurf", der Kreisverband ein "desorganisierter, niveauloser Haufen", Ex-Vorsitzender Sven Itzek ein "Immobilienzocker". Przybylla behauptet zudem, es existiere ein Strategiepapier, in dem Mitglieder des Bürgerforums offen als Ziel ausgeben würden, die AfD zu unterwandern. "Dass mich destruktive Kräfte für nicht tragbar halten, begrüße ich sehr", schreibt Przybylla in seiner Erklärung, die nun offenbar Juristen beschäftigen soll. Unabhängig davon machte er mehrfach klar, dass er die Misstrauensbekundung nicht anerkennt und sich weiterhin als gewählter Direktkandidat der AfD für den Zwickauer Wahlkreis 165 sieht.

Die anderen politischen Parteien in Zwickau halten sich mit Statements zum AfD-Streit auffällig zurück. Einzig der grüne Direktkandidat für den Bundestag, Wolfgang Wetzel, äußert sich auf Facebook skeptisch, ob sich die AfD damit glaubhaft vom rechten Rand abgrenzen kann. Er schreibt: "Wenn sie allen Höckes, Gaulands und vor Ort allen Przybyllas das Vertrauen entziehen würde, bleibt von der AfD nicht allzu viel AfD übrig."

Mehr zum Thema auf Seite 4, Kommentar & Hintergrund.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...