"Alles zu ändern, das wäre Blödsinn"

Der Oberbürgermeister von Werdau, Sören Kristensen, zu seinen Plänen, der Zusammenarbeit mit dem Rat und der Einlösung von Versprechen

Werdau.

Die Stadt Werdau hat einen neuen Oberbürgermeister: Sören Kristensen. Gewählt wurde er am 26. März. Am heutigen Donnerstag beginnt für ihn ein neuer Lebensabschnitt. Uwe Mühlhausen hat sich mit dem 55-Jährigen unterhalten.

Freie Presse: Herr Kristensen, seit den Wahlen sind fast zwei Monate vergangen. Heute ist Ihr erster Arbeitstag als neuer Oberbürgermeister. Freuen Sie sich drauf, oder treten Sie den neuen Job eher mit gemischten Gefühlen an?


Sören Kristensen: Ich freue mich riesig auf die Aufgabe, habe aber auch großen Respekt davor. Ich war jetzt 30 Jahre lang ehrenamtlich in der Kommunalpolitik tätig und habe im Hinterkopf immer auch mit so einer Funktion geliebäugelt. Für mich ist das ein Traumjob.

Sie haben 26 Jahre in der Logistikbranche gearbeitet, waren 21 Jahre Chef der Firma Lahero. Das Unternehmen ist heute international tätig und hat die Auftragsbücher voll. Haben Sie sich den Schritt, in die Politik zu wechseln, gut überlegt?

Ich habe mich nun einmal dazu entschlossen und stehe dazu, auch wenn mir der Abschied unheimlich schwer fällt. Aber die Nachfolge ist geregelt. Alle Beschäftigten haben einen sehr guten Job gemacht. Dafür bin ich allen zusammen dankbar.

Welche Erfahrungen aus Ihrer bisherigen Tätigkeit können Sie im neuen Job nutzen?

In erster Linie, was den Umgang mit Menschen betrifft. Wir haben in der Vergangenheit als Logistikunternehmen auch viel für öffentliche Verwaltungen gearbeitet. Erst unlängst haben wir den Umzug der Stadtverwaltung von Frankfurt (Oder) organisiert. Dabei lernt man eine Menge, wie andere Verwaltungen organisiert sind und was man besser machen könnte.

Zum Beispiel?

Bleiben wir bei Frankfurt. In dem Rathaus gibt es ein großes Bürgerbüro. Dort habe ich mich genau informiert, welche Aufgaben erledigt werden und mit welchen Anliegen die Bürger vorsprechen. Das Büro arbeitet sehr effizient. Dadurch sind die Mitarbeiter in den Fachabteilungen erheblich entlastet und können sich auf ihre Arbeiten konzentrieren. Das ist sicherlich nicht Eins zu Eins auf Werdau übertragbar, doch in der Form überlegenswert.

Was wollen Sie noch anders machen als Ihr Amtsvorgänger?

Jeder hat seine eigene Handschrift. Ich werde jetzt das Rad nicht neu erfinden oder alles Bisherige auf den Kopf stellen. Das wäre Blödsinn. Aber es gibt ein paar Dinge, die ich in Angriff nehmen möchte. Dazu gehören beispielsweise regelmäßige Bürgersprechstunden, die ich einführen werde. Ich möchte aus erster Hand erfahren, was die Werdauer bewegt, wo es Probleme gibt und wir als Stadt eventuell helfen können. Es wird ein städtisches Social-Media-Angebot geben. Damit löse ich auch Wahlversprechen ein.

Das Stadtoberhaupt von Crimmitschau hat sich kurz nach Amtsantritt einen persönlichen Referenten an seine Seite gestellt, der ihm einen Teil seiner Arbeiten abnimmt. Wäre das auch eine Option für Sie?

Ich werde mich jetzt erst einmal mit den Abläufen im Rathaus vertraut machen und mir die Strukturen in der Verwaltung ansehen. Von einem persönlichen Referenten halte ich nicht viel, das mag in anderen Städten anders sein. Und noch etwas. Ich werde auch keinen Chauffeur einstellen, nur weil ich derzeit keine Fahrerlaubnis habe. Das wurde mir im Wahlkampf mehrfach unterstellt. Ich werde ein Oberbürgermeister sein, der vorerst zu seinen Terminen mit dem Rad, mit Bus und mit Bahn fährt.

Als bisheriges Mitglied des Stadtrates ist Ihnen die Arbeit in der Verwaltung nicht vollkommen neu. Ihr Amtsvorgänger hat einmal gesagt, dass Sie einer der wenigen Räte gewesen sind, der sich intensiv mit den Vorlagen befasst hat. Welche Vorlagen sind Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben?

Das Kompliment freut mich. Was mir unter anderem in Erinnerung geblieben ist, sind die Entscheidungen, die in Zusammenhang mit der GGV, den Stadtwerken und der Sport und Freizeit GmbH zu treffen waren. Ich denke dabei auch an die Diskussionen im Stadtrat, die teilweise recht heftig geführt wurden.

Dem Rat gehören nun Vertreter aus acht Parteien und Organisationen an. Das macht die Arbeit sicherlich nicht einfach.

Wie das funktioniert, werden die kommenden Monate zeigen. Dass das funktionieren kann, hat die Vergangenheit gezeigt. Wir haben beispielsweise 2014 eine gemeinsame Fraktion der Unabhängigen Liste, der SPD und der FDP im Stadtrat gehabt. Wenn es trotz unterschiedlicher politischer Ansichten dennoch gelingt, gemeinsam an einem Strang zu ziehen, ist das ein Erfolg. Ich bin diesbezüglich optimistisch.

Was wird Ihr erster öffentlicher Auftritt sein?

So genau habe ich die nächsten Termine nicht im Kopf, weil ich bis gestern voll in der alten Firma eingespannt war. Aber ich denke, dass wird die konstituierende Sitzung des Stadtrats am Nachmittag sein. Und dann die Feierlichkeiten zum 90-jährigen Bestehen der Talsperre.

Zu der Talsperre haben Sie einen besonderen Bezug. Sie gehören zu den Gründungsmitgliedern des Interessenverbandes Koberbachtalsperre.

Das ist richtig. Ich habe übrigens an der Talsperre auch meine berufliche Laufbahn begonnen und dort als Stauwart gearbeitet. Aber das nur nebenbei. Zurück zur Frage. Das gesamte Naherholungsgebiet hat eine Menge Potenzial, das es künftig noch besser zu nutzen gilt. Das kann der Interessenverband und wir als Stadt Werdau nicht alleine schaffen. Dazu gab es bereits Gespräche mit dem Landratsamt. Ob sich darum künftig wieder ein Zweckverband, wie es ihn bis zur Wende gab, kümmert oder eine andere Organisation, ist momentan noch offen. Es wird eine der Aufgaben sein, die ich während meiner Amtszeit unbedingt lösen will.

Stichwort Amtszeit. Wird es nach den sieben Jahren, für die Sie nun Oberbürgermeister sind, das ,Webalu' noch geben?

Das ist mein fester Wille. Die Weichen dafür hat der Stadtrat bereits gestellt. Als nächstes gilt es, ein Betriebskonzept zu erarbeiten. Das Bad wird in zwei Jahren 20 Jahre alt, da fallen dann bald auch größere Ersatzinvestitionen an. Darauf müssen wir vorbereitet sein.

Zum Schluss unseres Gespräches haben Sie noch drei Wünsche frei. Welche wären das?

Das ist schwer. Ich möchte, dass es in meiner Heimatstadt weiter sichtbar vorwärts geht und sich unsere Einwohner in alle Prozesse einbezogen fühlen und bei der Gestaltung ihrer Heimat mitmachen. Ein weiterer Wunsch ist, dass meine ehemalige Logistikfirma noch lange besteht und weiter erfolgreich tätig ist.

Sören Kristensen ist 55 Jahre alt, ledig und wohnt in Langenhessen. Gelernt hat er an der Talsperre Stauwart, danach unter anderem als Heizer im Kfz.-Werk "Ernst Grube" gearbeitet und war zuletzt Geschäftsführer einer Logistikfirma. Erfahrungen in der Kommunalpolitik konnte er unter anderem als Ortsvorsteher sammeln. Sören Kristensen ist Mitglied der Bürgervereinigung Unabhängigen Liste.

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