Als das erste Segelboot in See stach

90 Jahre Kober: Der Vater von Klaus Wesser aus Crimmitschau sorgte 1931 für eine Attraktion auf der Talsperre. Ein Foto davon hat der 81-Jährige bis heute aufbewahrt.

Crimmitschau.

Mit der Koberbachtalsperre verbindet Klaus Wesser aus Crimmitschau eine ganz besondere Erinnerung, auch wenn das entsprechende Ereignis schon einige Jahre zurückliegt. "Mein Vater hat 1931 das erste Segelboot besorgt, das man sich an der Talsperre ausleihen konnte", erinnert sich der 81-Jährige. Eine Tat, die der Senior längst vergessen hatte. Doch nachdem die "Freie Presse" in den zurückliegenden Wochen mehrfach über das bevorstehende 90-jährige Jubiläum der Talsperre berichtete, kamen bei Klaus Wesser die Erinnerungen wieder. "In der Küche meiner Eltern hing an der Wand ein Bild, auf dem mein Vater mit dem Segelboot zu sehen war. Nach dessen Tod haben wir die Gegenstände auf dem Boden aufbewahrt. Ich hatte das Foto schon längst vergessen, bis ich die Berichte in der Zeitung gelesen habe. Da fiel mir das wieder ein, und ich habe die Aufnahme auch wieder gefunden", sagt der langjährige Chef einer Bäckerei in Crimmitschau. Er genießt inzwischen seinen Ruhestand. Wenn Not am Mann ist, hilft er noch immer mit in der Backstube aus. Die Geschicke des Familienbetriebes führt nun seine Tochter Astrid in der vierten Generation.

"Die Talsperre wurde 1929 eingeweiht. Dort gab es kurze Zeit später auch einen Verleih von Ruderbooten. Der Chef der Station war damals Bernhardt Laugkner. Er träumte davon, auch ein Segelboot zu besitzen und dieses verleihen zu können. Er hoffte damit eine Attraktion zu schaffen, die mehr Besucher anlockte. Das war 1931. Da war es eine Sensation, mit einem Segelboot in See zu stechen", erinnert sich Klaus Wesser. Bernhardt Laugkner war mit Rudolf Menzel aus Crimmitschau befreundet, der wiederum mit Karl Wesser. "Mein Vater hatte damals irgendwelche Kontakte nach Travemünde und kannte dort jemanden, der Segelboote besaß und sich auch von einem trennen würde. Er fuhr an die Küste und beschaffte ein Segelboot. Der Transport erfolgte mit der Bahn und dann weiter mit einem Transporter an die Talsperre. Das war damals unheimlich aufwendig. Aber irgendwie hat es funktioniert, und Bernhard Laugkner hatte seine neue Attraktion."


In seiner Jugend verbrachte auch Klaus Wesser viel Zeit an der Kober. "Am Anfang bin ich immer mit dem Fahrrad von Crimmitschau nach Langenhessen gefahren. Später habe ich mir ein DKW-Motorrad gekauft. Das hatte einen auffälligen roten Tank und hieß deshalb im Volksmund nur ,Blutblase', aber ich war stolz darauf und konnte damit auch den Mädels imponieren", sagt der Senior und schmunzelt dabei.

Als 1956 in Crimmitschau die Wasserwacht gegründet wurde, war Klaus Wesser einer der Ersten, der dort einen Rettungsschwimmerlehrgang absolvierte. "Ich habe aber keine Prüfung abgelegt, weil ich zu der Zeit gerade an der Ostsee im Urlaub war. Gestört hat das keinen. Wenn Hilfe benötigt wurde, habe ich am Wochenende trotzdem im Bad an der Talsperre ausgeholfen und dort mit Dienst verrichtet", erinnert sich der Crimmitschauer. Ansonsten zog es ihn nur selten an die Talsperre. Das Sahnbad lag nur wenige Meter vom Elternhaus entfernt. "Außerdem hatten wir dort seit 1948 eine Dauerkarte für eine Umkleidekabine. Die war zwar nicht komfortabel, doch dort konnten wir unsere Badeutensilien die ganze Saison über aufbewahren. Bis vor ein paar Jahren die Zellen abgerissen worden sind. Seitdem gehe ich mit meiner Frau dort auch kaum noch hin. Jetzt sind wir ja auch schon älter."

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