Als Sigmund Jähn und Waleri Bykowski in Werdau Gast waren

Von wenigen Tagen starb der erste deutsche Raumfahrer. Für viele DDR-Bürger war er damals ein Held. Was bleibt, sind Erinnerungen.

Werdau.

Vom Tod Sigmund Jähns hat André Horn aus Werdau durch Zufall im Internet erfahren. "Ich habe Sonntagabend noch ein bisschen im Internet gesurft und las plötzlich die Nachricht vom Ableben des ersten Deutschen im All. Die Nachricht machte mich betroffen. Für mich war Sigmund Jähn der Held meiner Kindheit", sagt der 50-Jährige.

Als der gebürtige Vogtländer am 26. August 1978 vom russischen Raumfahrtzentrum Baikonur aus mit dem Raumschiff "Sojus 31" Richtung Weltall startete, war André Horn gerade einmal neun Jahre alt. "Das Weltall hatte für mich als Kind etwas Faszinierendes." Was den jungen Werdauer noch mehr begeisterte: Wenige Tage nach seiner Rückkehr waren Sigmund Jähn und sein Begleiter in der Raumkapsel, Waleri Bykowski, in Werdau zu Gast. In einem offenen Auto fuhren sie damals durch die Stadt. "Das wollte ich unbedingt sehen. Gemeinsam stand ich mit meinen Eltern damals am Rand der Greizer Straße ungefähr dort, wo heute die Tankstelle ist. Das Auto fuhr langsam an uns vorbei", erinnert sich André Horn. Auch die darauffolgenden Jahre hat ihn das Thema immer wieder beschäftigt. "Wir wandern sehr gern und sind mit der Familie auch oft im Vogtland und dabei auch in Morgenröthe-Rautenkranz, dem Geburtsort von Sigmund Jähn, unterwegs. Wenn wir dort mit den Leuten ins Gespräch gekommen sind, wurde Sigmund Jähn immer als ein bescheidener und auf dem Boden gebliebener Mensch bezeichnet. Den Eindruck hatte ich auch von ihm. Das machte ihn für mich zu einer besonderen Person." Und noch eine Episode ist ihm in Erinnerung geblieben. "Ein Wanderfreund von mir hat Sigmund Jähn noch im Vorjahr während einer Bahnfahrt getroffen, mit ihm ein Selfie gemacht und mir per Handy geschickt. Das Foto habe ich noch."

Als André Horn vom Tod Sigmund Jähns erfuhr, suchte er ein altes Dia heraus, das während des Aufenthalts des Fliegerkosmonauten 1978 in Werdau entstand und veröffentlichte die Aufnahme auf einer lokalen Internetplattform bei Facebook. Binnen weniger Stunden schossen die Klickzahlen nach oben. In zahlreichen Kommentaren äußerten die Nutzer ihre Erinnerungen, die sie mit dem Aufenthalt von Sigmund Jähn in Werdau verbanden. "Ich stand in Ruppertsgrün am Straßenrand und weiß noch, wie kurz vorher vergammelte Hausfassaden neu gestrichen oder mit Tüchern zugehängt wurden", heißt es in einem Kommentar. Eine andere Frau schrieb: "Unsere Klasse ist damals von Fraureuth zum Agrarhof gelaufen. Dort haben wir eine Verpflegungstüte mit einer Knacker und einem Brötchen bekommen." "Wir standen gegenüber von der Stadthalle. Danach ging es zum Motorcross auf den Kranzberg", kommentiert ein Werdauer das Foto. "Ich stand am Abzweig Leubnitz und hatte dort meine mobile Diskothek aufgebaut. Alle DJ des Kreises mussten damals an der Durchfahrtstrecke für Unterhaltung sorgen. Viele Besucher fragten uns, ob wir noch weiter feiern können", lautet ein anderer Eintrag eines Werdauers.

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