Als Vati der Chef an der Talsperre war

90 Jahre Kober: Herbert Pansa war der erste Chef des 1971 gegründeten Zweckverbandes "Werdauer Wald". Noch heute sind seine Töchter stolz auf ihn.

Römersgrün.

Immer dann, wenn Gabriele Scharschmidt (66) aus Plauen ihre zwei Jahre ältere Schwester Karla Helwig in Römersgrün besucht, führt ihr Weg über die A 72 an der Abfahrt Reichenbach an einem ausrangierten Passagierflugzeug vorbei. Die IL 14 der DDR-Fluggesellschaft Interflug ziert seit 1999 das Gelände eines Autohauses in einem Gewerbegebiet unweit der Autobahn. "Ich muss da jedes Mal an meine Kindheit und meinen Vati denken", sagt Gabriele Scharschmidt.

Der Vater der beiden Frauen hieß Herbert Pansa. Er war der erste Chef des 1971 gegründeten Zweckverbandes "Naherholung Werdauer Wald", dessen Hauptattraktion die Koberbachtalsperre war. Der Verband hatte seinen Sitz in der ehemaligen Gemeindeverwaltung Langenhessen. "Unser Vati hat den Zweckverband mit ins Leben gerufen und bis Ende 1984 auch geleitet. Es war quasi sein Lebenswerk", sagt Karla Helwig.


Zum Zweckverband gehörten neben der Koberbachtalsperre mehrere Attraktionen in der Region. "Eine davon war ein russisches Passagierflugzeug vom Typ IL 14. Es stand damals an der ,Waldperle' in Langenbernsdorf, konnte besichtigt werden und war viele Jahre ein Besuchermagnet. Wir waren oft selbst dort. Später auch mit unseren Kindern. Mein Vater war immer ganz stolz, wenn er meiner Tochter Bianca die alte Technik erklären konnte", erinnert sich Gabriele Scharschmidt. Sie hat bereits als 18-Jährige das Elternhaus verlassen und ist der Liebe wegen nach Plauen gezogen. "Ich habe zeitig geheiratet", blickt die 66-Jährige zurück.

Ganz anders ihre Schwester Karla. Die wohnt noch immer im Haus ihrer Eltern in Römersgrün. Dort bewahrt sie eine ganze Fotosammlung mit Erinnerungen an die Kindheit und Jugendzeit auf. Darunter auch etliche Fotos, die den beruflichen Alltag des Vaters dokumentieren. "Der Zweckverband war sein Ein und Alles. Eigentlich war er den ganzen Tag dort unterwegs. Er war für das Geldverdienen zuständig und unsere Mutter als Hausfrau für uns Kinder da", sagt Karla Helwig. "Aber auch unsere Mutter hat ihn oft unterstützt und beispielsweise bei der Reinigung der Bungalows mit geholfen. Und sie sprang ein, wenn auf dem Parkplatz Not am Mann war", ergänzt Schwester Gabriele.

Wenn die beiden Frauen die alten Fotos anschauen, kommen sie ins Schwärmen von der alten Zeit. Da werden Erinnerungen wach, an die erste Nacht im Zelt auf dem Campingplatz, die erste Einkehr im "Seehaus" an der Talsperre und die Erzählungen des Vaters vom Besuch der Matrosen der Patenkompanie des ausrangierten Minensuchbootes, das am Ufer vor Anker lag. "Wenn die Jungs zu Besuch waren, wurde beim ,Fress-Kretzschmar' in Niederalbertsdorf gegessen und manchmal auch bis in die Nacht hinein gefeiert. Dann kam unser Vater immer erst sehr spät nach Hause", erinnern sich die Schwestern.

All das liegt etliche Jahre zurück. Ende 1984, mit Erreichen des Rentenalters, gab Herbert Pansa seinen Chefposten ab. "Er hat aber dann noch zwei Jahre für ein paar Stunden als Sachbearbeiter im Zweckverband mitgearbeitet", sagt Karla Helwig. 1993 starb Herbert Pansa. "In diesem Jahr wäre er 100 Jahre alt geworden und damit zehn Jahre älter als die Talsperre."

Heute zieht es die beiden Frauen nur noch selten an die Talsperre. "Ich bin keine große Wasserratte", sagt Karla Helwig, und ihre Schwester Gabriele ergänzt: "Von Plauen aus liegt die Talsperre Pöhl näher. Da zieht es mich öfters hin. Aber ich verfolge im Internet aufmerksam die Berichte über die 90-jährige Geschichte der Talsperre. Und jedes Mal kommen dabei die Erinnerungen an meine Kindheit, meine Jugendzeit und meine Eltern zurück. Schließlich hat unser Vater ein Stück Geschichte der Talsperre mitgeschrieben."

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