Alte Puppe erzielt den Höchstpreis

Bei der Auktion in der "Alten Mühle" wurde ein seltenes Kaulitz-Stück für 3600 Euro verkauft. Aber auch Mobiliar des Theaters, das zum Jahresende geschlossen wird, fand neue Eigentümer.

Zwickau.

Nach knapp 15 Minuten ging es das erste Mal richtig zur Sache. Für eine Puppe der Designerin Marion Gräfin Kaulitz von 1910 hatte das Auktionshaus Oelsnitz/V. 280Euro als Einstiegpreis vorgegeben. Die Puppendesignerin war zu ihrer Zeit eine Konkurrentin der bekannten Käthe Kruse. Kaulitz produzierte jedoch deutlich weniger, sodass die Puppen heutzutage selten und deshalb teuer sind. Gleich nach dem Einstiegsgebot stieg der Preis rasant. Drei Gäste boten im Raum, sechs telefonisch sowie schriftlich. Die Telefonbieter sind häufig Sammler, die nicht öffentlich auftreten möchten oder im Ausland leben. Für 3600 Euro wurde die über hundert Jahre alte Puppe schließlich verkauft.

Den mit 3200 Euro zweithöchsten Preis erzielte ein großes Originalfoto mit August Horch und Dr.Stöss mit zwei Metallplaketten von 1907. Unter den sprichwörtlichen Hammer kamen darüber hinaus unter anderem Leuchter, Vasen, Bilder, Dampfmaschinen, Zubehör für die Puppenstubenküche und Schmuck. "Möbel gehen im Moment etwas schwer", sagte Auktionator Jens Köhler. Der Geschmack habe sich gewandelt, die Kunden seien derzeit mehr auf moderne Einrichtungen orientiert. Er sei aber sicher, dass sich dieser Zeitgeist in ein paar Jahren wieder ändert.

Einige Male ging der Auktionator am Samstag auch unter den Einstiegspreis. "Es gibt Objekte, bei denen habe ich etwas Spielraum und kann rückwärts steigern", erklärte Köhler.

Für die Auktionen bieten häufig Privatleute Gegenstände an, aber auch Flohmarkthändler oder Museen. Der Katalog steht im Internet. Vor der Auktion haben Interessenten die Möglichkeit, die Stücke zu besichtigen. Die 20. Auktion des Unternehmens war aber eine besondere, denn versteigert wurde auch das Mobiliar der "Alten Mühle". Der Treffpunkt für Theaterfreunde hat keine Zukunft mehr. Der letzte Vorhang fällt hier am 31. Dezember.

Bereits vor zwei Jahren war beschlossen worden, das Haus, das auch Spielstätte des Theaters Plauen-Zwickau war, abzureißen. Die stadteigene Gebäude- und Grundstücksgesellschaft Zwickau (GGZ) will dort ihren neuen Firmensitz errichten. Das Restaurant ist bereits seit Anfang August geschlossen. Insgesamt 77 Positionen kamen am Samstag unter den Hammer - vom Salzstreuer bis zum Hackstock. "Etwas Wehmut ist schon dabei", sagte Köhler, der gemeinsam mit Oliver Holz auch Caterer des Theaters war.

Die beiden haben mit dem Auktionshaus ein weiteres Standbein und betreiben es gemeinsam mit ihrer Geschäftspartnerin Kathrin Voigt. Die ersten beiden Auktionen fanden 1994 und 1995 in Zwickau statt. Im Laufe der Zeit entwickelte sich das Gastronomiegeschäft jedoch sehr stark, sodass die Versteigerungen aufgegeben wurden. Vor neun Jahren gab es einen Neustart und mittlerweile auch neue Pläne. Demnach wird das Auktionshaus vom vogtländischen Oelsnitz nach Meerane ziehen und dort im März kommenden Jahres direkt am Markt Geschäftsräume eröffnen. "Wir wollen dann unser Geschäft auf den Raum Zwickau ausdehnen", sagte Jens Köhler.

Viele Positionen haben am Samstag einen neuen Besitzer gefunden. Nicht versteigerte Exponate können noch am Dienstag, 6. November, und Donnerstag, 8. November, jeweils von 10 bis 18Uhr sowie am Sonnabend, 10.November, von 10bis 14 Uhr vor Ort erworben werden.

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