Arbeitsamt übernimmt Neubau

Das 15 Millionen Euro teure Gebäude ist fast fertig. Damit findet eine Geschichte von vermeintlichen Hausbesetzern und Denkmalschändern ein Ende.

Zwickau.

Noch haben nicht alle Handwerker eingepackt. Doch die Büros für die rund 200 Mitarbeiter sind schon fertig, wenn auch noch unmöbliert. Bei einer Feierstunde hat der Investor des Neubaus, die Berliner Implus-Pro-Immobilien- und Projektentwicklungsgesellschaft, am Mittwoch die Schlüssel an den neuen Mieter übergeben. Für mindestens zehn Jahre will sich die Zwickauer Arbeitsagentur nun an der Werdauer Straße niederlassen.

Laut Agenturchef Andreas Fleischer ist Anfang Dezember der Umzug aus den beiden Gebäuden an der Pölbitzer Straße geplant. Ab 9. Dezember werden die Zwickauer alle Angebote der Agentur unter einem Dach finden. Fleischer erinnerte an den Einzug vor zwölf Jahren in die Pölbitzer Straße. Damals lag die Arbeitslosenquote bei 14 Prozent, heute sind es 4,1 Prozent. Die Behörde habe sich verkleinern müssen, exakt um 4500 Quadratmeter. Der 15-Millionen-Euro-Neubau misst nur noch knapp 7000 Quadratmeter.

Klaus-Peter Hansen, Chef der Bundesarbeitsagentur in Sachsen, erinnerte an die turbulenten letzten Monate, in denen die Behörde unter anderem in einer Glosse in der "Freien Presse" als Hausbesetzer bezeichnet wurde. Der Mietvertrag für die Büros in der Pölbitzer Straße war ausgelaufen, der Vermieter hatte zum 31. März 2019 gekündigt und für die restlichen Monate bis zum Auszug 1,7 Millionen Euro gefordert - mehr als die doppelte Jahreskaltmiete. Die Behörde wollte aber weder zahlen noch vorzeitig ausziehen, verlor sogar ein Gerichtsverfahren, durfte dann aber doch bis jetzt am bisherigen Sitz bleiben. Ob und wie viel zusätzliches Geld an den bisherigen Vermieter geflossen ist, vermochte Hansen nicht zu sagen.

Auch Zwickaus Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) musste sich Einiges gefallen lassen, als sie sich vor mehreren Jahren für den Abriss der Gardeko-Brache, auf dem der Neubau steht, stark machte. Sie und die zuständigen Amtsleiter wurden damals als Denkmalschänder bezeichnet. Das Gebäude wurde jedoch zur Gefahr für die vorbeifahrende Straßenbahn. Heute sieht Findeiß das Haus im Ensemble mit der "modernsten und schönsten Musikschule Deutschlands" und dem ZEV-Gebäude, das auch ein Denkmal ist. Sie freue sich über die Zentrumsnähe und hofft, dass die Mitarbeiter ihre Mittagspause in der Innenstadt verbringen. Angelika Hölzel, Beigeordnete des Landrats, versprach, jetzt immer zu Fuß zu Terminen in der Behörde zu gehen. Sie hofft, dass das neue Haus einen Motivationsschub für die Mitarbeiter bringe, die dafür bekannt seien, nicht nur Pflicht, sondern auch Kür zu können.

Laut Führungsberaterin Claudia Müller haben die Büros eine Standardgröße von zwölf Quadratmetern, zudem gibt es vier Großraumbüros für bis zu 25 Arbeitsplätze. Dort sitzen Mitarbeiter des Callcenters, die Anfragen aus Sachsen und Bayern beantworten. Im Foyer gibt es eine Kinderspielecke. Für eine Kantine ist das Haus zu klein, die Mitarbeiter haben Teeküchen.

Implus-Pro-Chef Roland Herbert zufolge sei sogar eine Nachnutzung als Seniorenwohnstätte denkbar. "Also es handelt sich keineswegs um einen Luxusbau", sagte Herbert. Bewegungsmelder in den Toiletten dürften zudem Energiespareffekte erzielen, obgleich sie von den Nutzern viel Beweglichkeit abverlangen.


230 Module zusammengebaut

Der Neubau besteht laut Implus-Pro-Geschäftsführer Roland Herbert aus 230 Modulen - in einem Werk bei Halle industriell vorgefertigte Kästen mit Fenstern und Wänden. 1480 Tonnen Stahl wurden insgesamt verbaut. 63.500 Meter Kabel wurden verlegt, 17.000 Quadratmeter Tapete verklebt. Die Firma ist ein regelrechter Arbeitsamtsspezialist. Sie hat schon mehr als 30 davon gebaut.

Eingänge gibt es zwei, an der Werdauer Straße sowie im Innenhof, der über 147 Parkplätze verfügt, so Claudia Müller, Führungsberaterin der Agentur für Arbeit. In den 289 Zimmern wurden 324 Türen und 491 Fenster verbaut.

Der 9. Dezember wird der erste Öffnungstag sein. 2020 soll es zudem einen Tag der offenen Tür geben, zu dem auch Anwohner geladen sind.

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