Arzt aus Peru kümmert sich jetzt um die Werdauer Kinder

Ein Mediziner aus Südamerika zieht in das Land seiner Vorfahren und hat dabei die Wahl zwischen Baden-Württemberg und Sachsen. Die Wahl fiel auf die hiesige Region. Warum?

Werdau.

Sachsen ist für Peter Spangenberg Rouse das schönste Bundesland in Deutschland. Dabei lebt der 56-Jährige mit seiner Frau und dem Sohn, der in Waldenburg das Gymnasium besucht, erst seit gut drei Jahren in der Region. "Ich wurde hier von Anfang an herzlich aufgenommen. Die Menschen sind unheimlich nett und auch sehr aufgeschlossen", sagt der gebürtige Peruaner in perfektem Deutsch. Dass er die Sprache akzentfrei spricht, liegt an seinen familiären Wurzeln. "Ich bin in Lima geboren, doch mein Vater ist Deutscher und stammt ursprünglich aus Lüneburg. Meine Mutter ist aus Peru. Bei uns zu Hause wurde hauptsächlich deutsch gesprochen. Ich habe auch in Lima die deutsche Schule besucht", sagt Peter Spangenberg Rouse. Inzwischen hat er sich sogar schon ein bisschen den sächsischen Dialekt angewöhnt. Das "nee" gehört bereits ungewollt zum festen Sprachgebrauch.

Seit wenigen Tagen ist der Mediziner aus Mittelamerika, der neben Spanisch und Deutsch auch fließend Englisch spricht, der neue Kinderarzt in Werdau und hat seine Praxis mitten im Stadtzentrum an der August-Bebel-Straße 41. Er löst Klaus Goller ab. Der kümmerte sich 54 Jahre um die kleinen Patienten in Werdau und den umliegenden Orten. Ende Juni ging Klaus Goller in den Ruhestand. Damit verlor Werdau seinen Kinderarzt. Das war für Peter Spangenberg Rouse die Chance, sich in Werdau niederzulassen. Auch wenn die Stadt für ihn noch neu ist, ist die Region für den 56-Jährigen nicht unbekannt. "Ich habe nach meinem Umzug im Glauchauer Krankenhaus angefangen. Der Wunsch, mich selbstständig zu machen, bestand von Anfang an." Auch wenn in Deutschland Fachärzte dringend gesucht werden, sind die Hürden für Mediziner aus dem Ausland hoch. "Ich musste in Dresden noch einmal eine Facharztprüfung ablegen, bevor ich eine Praxis eröffnen konnte", sagt der 56-Jährige. Dabei spielte es auch keine Rolle, dass er in Lima Medizin studierte und in der Millionenmetropole auch als Kinderarzt tätig war. "Das ist eben Deutschland, da kann man nichts machen", sagt er, hebt die Schultern und lächelt dabei.


Schuld an dem Umzug nach Deutschland war die Tochter der Familie, die an der Universität in Tübingen studiert. "Meine Frau hat immer darauf gedrungen, dass die Familie zusammengehört. Wahrscheinlich liegt das an ihren italienischen Wurzeln. Also sind wir in das Land gezogen, in dem unsere Tochter lebt." Hinzu komme die Situation in seinem Heimatland. "Lima hat sich sehr zum Nachteil verändert und ist keine sichere Stadt mehr."

Doch warum hat es ihn ausgerechnet in den Osten der Republik verschlagen? "Wir haben in Oberlungwitz Verwandte. Dort lebt der Bruder meiner Frau. Damit standen die beiden Orte zur Debatte. Da wir nicht wissen, wohin es unsere Tochter nach dem Abschluss des Studiums verschlägt, haben wir uns für Sachsen entschieden und wohnen jetzt in Hohenstein-Ernstthal", begründet der Arzt die Entscheidung. An seinen neuen Arbeitsort muss er sich erst noch gewöhnen. "Ich bin hier noch neu und muss die Stadt erst kennenlernen. Die letzten Tage hatten wir mit dem Einrichten der Praxis zu tun. Das war vorher eine Kanzlei, da musste alles umgebaut werden. Dann hat das mit dem Telefonanschluss erst nicht geklappt. Aber jetzt funktioniert alles und die Praxis ist geöffnet."

Warum ist Peter Spangenberg Rouse (der erste Name stammt von seinem Vater, der zweite Name von seiner Mutter) gerade Kinderarzt geworden und nicht Chirurg? "Weil ich kein Blut sehen kann", sagt er und lacht dabei. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Der Hauptgrund: "Kinder und Jugendliche zu betreuen heißt, ein Stück Zukunft mitgestalten zu können. Was gibt es Schöneres?" Deshalb will er die kleinen Patienten nicht im Schnelldurchlauf abfertigen, sondern sich für jeden einzelnen Zeit nehmen. "Ich möchte, wenn sich alles eingepegelt hat, zusätzlich auch Vorträge anbieten, damit die Eltern verstehen, worum es bei den Behandlungen geht und sie die Entscheidungen begreifen." Er versteht sich dabei nicht nur als Helfender, sondern als Teil der Familien seiner Patienten. Und wenn die Kleinen mit Tränen in den Augen in die Praxis kommen und diese mit einem Lächeln wieder verlassen, ist es der schönste Lohn für seine Arbeit.

Bewertung des Artikels: Ø 3.3 Sterne bei 4 Bewertungen
4Kommentare
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  • 1
    0
    inhe
    06.09.2019

    Das ist schön für die Werdauer Familien, außerdem wohltuend, wenn man mal positive Einschätzung für Sachsen von "außen" bekommt. Ich finde es Klasse!

  • 1
    3
    Einspruch
    04.09.2019

    Gegen Peru habe ich nichts.

  • 17
    1
    Distelblüte
    04.09.2019

    Herzlich willkommen. Ohne Fragezeichen.

  • 0
    12
    Narnia
    04.09.2019

    Herzlich willkommen ?



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