Asylbewerber wollen künftig Gäste durch Textilfabrik führen

Die Suche nach Helfern, die das Team der Crimmitschauer Tuchfabrik bei Rundgängen durchs Haus und Vorführungen historischer Technik unterstützen, hatte offenbar Erfolg. Doch hält der an?

Crimmitschau.

Silvia Schumann ist noch ein bisschen skeptisch, ob Nawroz Rezaye auch ihre Ausführungen versteht. Der 46-jährige Mann aus Afghanistan lebt seit einiger Zeit in Deutschland und wartet auf die Bearbeitung seines Asylantrages. Solange will er nicht sinnlos in den Tag hineinleben, sondern etwas tun. Er und weitere Landsleute haben sich auf einen Aufruf des Fördervereins der Tuchfabrik gemeldet und nehmen an einer Schulung teil, die sie befähigen soll, Besuchern des Museums die vorhandene Technik zu erklären und vorzuführen. Noch ist Nawroz Rezaye auf die Hilfe seines 16-jährigen Sohnes angewiesen, der inzwischen schon sehr gut Deutsch spricht und seinen Vater bei den Schulungen begleitet und für ihn übersetzt. Der 46-Jährige war in Afghanistan in der Textilindustrie beschäftigt, kennt sich in der Branche aus und verfolgt mit Interesse die Erläuterungen von Silvia Schumann. Die 60-Jährige hat von 1975 bis 1990, dem Aus der Firma, in der Tuchfabrik Gebr. Pfau gearbeitet und kennt dort jeden Winkel. Heute gehört sie zum Team von vier Mitarbeitern, die regelmäßig Besucher durch das Haus begleiten, die Geschichte der Firma erzählen und auch vorhandene historische Technik in Gang setzen und vorführen.

"Vier Leute reichen nicht aus, um den Bedarf abzudecken. Besonders mit Blick auf die Landesausstellung, die 2020 stattfindet und bei der die Tuchfabrik eine der teilnehmenden Einrichtungen sein wird, benötigen wir Unterstützung", sagt der Vorsitzende des Fördervereins, Ulrich Wolf. Doch das ist nicht das einzige Problem. Die Helfer werden älter und scheiden aus. Damit geht auch immer mehr Wissen verloren. "Irgendwann gibt es niemanden mehr, der die alte Technik beherrscht. Dem wollen wir beizeiten gegensteuern, auch wenn momentan noch keine akute Gefahr besteht", sagt Ulrich Wolf.

Der Vereinschef hatte in Absprache mit der Leiterin der Tuchfabrik, Jana Kämpfe, im September einen Aufruf gestartet. Zehn Interessenten hatten sich daraufhin gemeldet, darunter drei Asylbewerber. "Das ist in Zusammenarbeit mit dem Integrationsbüro in Crimmitschau und dem Betreiber des Asylheimes in der Stadt geschehen", sagt Wolf. Für ihn eine Form der gelebten Integration.

Innerhalb eines zehnwöchigen Kurses, der einmal in der Woche stattfindet, sollen die Interessenten für ihr neues Ehrenamt fit gemacht werden. Die Ausbildung haben Wolfgang Zerrenner und Silvia Schumann übernommen. Inzwischen ist Halbzeit. Acht Interessenten halten noch zur Stange. Dazu gehören die drei Männer aus Afghanistan. "Bilanz gezogen wird am Schluss. Wenn am Ende nur drei oder vier Leute übrig bleiben sollten, wäre uns schon geholfen und das Ganze ein Erfolg", sagt Silvia Schumann.

Der Förderverein organisiert am Sonntag von 10 bis 18 Uhr auf dem Gelände der Tuchfabrik an der Leipziger Straße einen Weihnachtsmarkt der Wohltätigkeit.

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