Auf dem Dorf sind manche Traditionen anders

Ob man in der Stadt auf so eine Idee kommen würde? In Niederalbertsdorf wird zu Polterabenden mit ganz besonderen Vehikeln vorgefahren.

Niederalbertsdorf.

In den ländlichen Regionen gibt es die verschiedensten Bräuche. Manche sind althergebrachte mit langer Tradition, wie das Maibaumsetzen. Einige wenige entwickelten sich aber erst in den vergangenen Jahren.

Ein solcher ungewöhnlicher Brauch ist in Niederalbertsdorf entstanden und begann vor fünf Jahren, als der heute 34-jährige Roy Scharfen heiratete. Die Überraschung gab es zum Polterabend. Sein Vater Uwe und sein Bruder Tim hatten zuvor heimlich gewerkelt, weil sie für Roy ein ungewöhnliches Gefährt zusammenbauen wollten. Das hatte auch einen Grund: Der gelernte Landmaschinenschlosser Roy Scharfen hatte schon immer den Wunsch, mal einen großen Traktor vom Typ Deutz Agrotron fahren zu dürfen. Dieser Wunsch blieb ihm zwar verwehrt, aber eine Alternative sollte her. Unzählige Stunden verbrachten deshalb Vater und Bruder und viele weitere Helfer damit, aus einem alten aber fahrbereiten, Nissan Almera ein Traktor-ähnliches Gefährt zu bauen. Da wurde die Hinterachse verbreitert, und Traktorreifen wurden montiert. Lenkung, Schaltgestänge, Gas-, Brems- und Kupplungspedal wurden verlängert, da der Sitz auf dem Dach fixiert war, erinnert sich Tim Scharfen. "Es sieht zwar etwas exotisch aus, aber es funktioniert alles perfekt. Man kann das Vehikel fahren und lenken, aber nur im ersten Gang", sagt Uwe Scharfen. Mit zehn Mann kam damals die Dorfjugend zum Polterabend angefahren. Der damalige Bräutigam erinnert sich noch gut: "Der Clou: Ich und meine angehende Frau Jacqueline mussten ebenfalls eine Ehrenrunde drehen."

Natürlich wurden auch in den Folgejahren zu Polterabenden solche extravaganten Fahrzeuge gebastelt. Fahrbereite Autos zu bekommen, sei kein Problem. Und Ideen habe man genug. Meist wird in die Umsetzung der Beruf der Braut und des Bräutigams integriert. So entstand vor zwei Jahren beispielsweise ein rotes Sparkassenmobil, auf dessen Dach Fitnessgeräte platziert waren.

Bald, so Roy Scharfen, wird es besonders interessant werden. Nämlich dann, wenn sein Bruder Tim in den Ehehafen einfahren wird. Da werden er, sein Vater und viele weitere Niederalbertsdorfer noch einmal zu Bestform auflaufen und ein weiteres besonderes Gefährt bauen. Was genau das wird, bleibt aber bis zum Polterabend ein gut gehütetes Geheimnis.


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