Autokino: Leinwände bleiben dunkel

Die gedruckten Programmflyer landen im Papierkorb. Der Grund: Für viele Filme wird der Kinostart verschoben.

Langenhessen.

Der eigentlich am Donnerstag geplante Saisonstart im Autokino an der Koberbachtalsperre wird verschoben. Frühestens Anfang April können die ersten Filme auf den Leinwänden im Werdauer Ortsteil Langenhessen gezeigt werden. Die Entscheidung hängt indirekt mit den Folgen der Ausbreitung des Coronavirus zusammen. "Viele große Filmverleiher haben Kinostarts abgesagt und Filme zurückgezogen", begründet Autokino-Betreiber Andreas Osse die Entscheidung. Paramount Pictures verschob den Start des Horrorfilmes "A Quiet Place 2" und Disney startet erst zu einem späteren Termin mit der Realverfilmung von "Mulan". Zuvor gab es bereits die Mitteilung, dass der Filmstart von "James Bond: Keine Zeit zu sterben" von April auf November verlegt wird.

Die dynamische Entwicklung, die es rund um das Coronavirus gibt, sorgte bei Andreas Osse an den letzten Tagen für ein Wechselbad der Gefühle. Der 56-Jährige rührte zunächst kräftig die Werbetrommel für den Saisonstart im Autokino. Hier verfolgen die Besucher - dabei handelt es sich meistens um Pärchen, Familien oder Freunde -in den eigenen Autos die Filme. Kontakt zu den Mitarbeitern würde es nur beim Kauf der Tickets und bei der Bestellung von Getränken geben. "Damit gehört, zumindest aus meiner Sicht, das Autokino aktuell zu den sichersten Freizeiteinrichtungen", sagte Andreas Osse am Donnerstagabend. Nur 20 Stunden später - am Freitagnachmittag - musste der Betreiber die Notbremse ziehen, den Saisonstart verschieben und die bereits gedruckten Flyer in den Papierkorb werfen. "Ein Kino braucht neue Filme, um im Gespräch zu bleiben und Besucher anzulocken. Wir hängen am Tropf der Verleiher, die meistens global denken", sagte der Unternehmer. Nur mit älteren Streifen würde sich ein Autokino nicht wirtschaftlich betreiben lassen. Den Wunsch äußerten einige Gäste zuletzt in Beiträgen auf der Facebook-Seite der Freizeiteinrichtung.

Als neuen Termin für den Start der Saison im Autokino peilt Andreas Osse den 9. April an. "Es wäre sinnvoll, wenn wir vor Ostern anfangen können. Wir können momentan aber nur abwarten, wie sich die Lage entwickelt", sagte Osse, der sich kommunalpolitisch engagiert - für die Freien Wähler im Kreisrat und für die Bürgergemeinschaft "Für Crimmitschau" im Stadtrat.

Das Autokino an der "Kober" gibt es seit knapp 29 Jahren. Am 4. Juli 1991 flimmerte mit "Friedhof der Kuscheltiere" der erste Film über die Leinwand. 2003 konnte mit mehr als 40.000 Besuchern ein Saisonrekord aufgestellt werden. Das Fazit zur abgelaufenen Spielzeit im Autokino fällt positiv aus. "Wir hatten 2019 rund 1500 Besucher mehr als 2018", sagte Andreas Osse. Das sei unter anderem auf das schöne Wetter und die Feierlichkeiten rund um das 90-jährige Bestehen der Talsperre zurückzuführen. "Damit waren wir ganz einfach im Gespräch", sagte Osse, der die Zeit bis zum Saisonstart für eine Erneuerung der mittleren Leinwand - sie hat eine Größe von 14 mal 6 Metern - nutzen will.


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