Babypakete entwickeln sich zum Ladenhüter

Crimmitschau begrüßt neue Erdenbürger mit Handtuch, Fotobuch und Rauchmelder. Warum verzichten immer mehr Familien auf Präsente und Gutschein?

Crimmitschau.

Fast ein Drittel der Babypakete findet in Crimmitschau nicht zu den Empfängern. 76 Kinder wurden zwischen Januar und Juli 2019 geboren. Davon kamen 36 Familien zur Übergabe der Babypakete. 16 Familien holten die Babypakete nachträglich im Rathaus ab. "Somit sind 24 Pakete übrig geblieben", sagt Amy Wedemann, Mitarbeiterin im Fachbereich für Schulen, Jugend und Soziales, bei einem Blick in die Statistik. Damit setzt sich ein Trend aus dem vergangenen Jahr fort. Zwischen Juni und Dezember 2018 durften sich 81 Eltern über Familienzuwachs freuen. Davon verzichteten 22 Familien auf das Babypaket. Die Frage nach den möglichen Gründen für das geringe Interesse hat die Stadtverwaltung bisher nicht beantwortet.

Dabei kann sich der Inhalt in den Kartons durchaus sehen lassen. Die Eltern erhalten unter anderem ein Handtuch mit dem Stadt-Maskottchen Türmel. Zudem befinden sich Rauchmelder für das Kinderzimmer, Fotoalbum sowie Strümpfe oder Strumpfhosen im Babypaket. Dazu kommen Gutscheine für Autokino und Stadtbibliothek. Die Präsente werden von Sponsoren zur Verfügung gestelt. "Bei den Babypaketen, die innerhalb von drei Monaten nicht im Rathaus abgeholt werden, tauschen wir Etikett und Anschreiben aus. Sie werden dann weiterverwendet und an andere Eltern übergeben", sagt Amy Wedemann.

Der Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt: Bei dem Thema muss über Möglichkeiten gesprochen werden, wie sich Akzeptanz und Attraktivität erhöhen lassen. Zuletzt war in Crimmitschau nur eine Personaldebatte entbrannt, wer die Babypakete übergeben und die Klinken bei den Sponsoren putzen darf. Christine Venzmer (Für Crimmitschau) kümmerte sich seit 2015 um diese Aufgabe. Sie verpasste im Mai den Einzug in den Stadtrat. Deshalb wurde die Rentnerin vor wenigen Tagen als sachkundige Bürgerin in den Sozialausschuss berufen - trotz der lautstarken Proteste von Vertretern aus den Reihen von CDU, SPD und FDP. "Die Familien, denen ich das Babypaket in der Vergangenheit übergeben konnte, haben sich über den Inhalt gefreut. Die Reaktionen waren positiv", sagt Venzmer, die am heutigen Mittwoch in der Kindertagesstätte "Kinderland" die Begrüßungspakete an die Eltern übergibt, deren Kinder im August, September und Oktober zur Welt gekommen sind. Venzmer macht deutlich, dass sie das Gespräch mit Sponsoren suchen will, die Gutscheine zur Verfügung stellen. "Nur dadurch erfahren wir, welche Angebote die Eltern letztlich auch nutzen", sagt sie.


Kommentar: Denkt ans Familienzentrum

Zeit, Kraft und Nerven hat ein Teil der Stadträte in den letzten Wochen in die Debatte investiert, wer die Babypakete in Crimmitschau übergeben soll. Dabei wurde (fast) gar nicht bemerkt, dass immer weniger Eltern das Angebot in Anspruch nehmen. In der Auseinandersetzung ging es um persönliche Befindlichkeiten, aber nicht um die Sache oder Ideen zur Aufwertung. Das ist schade.

Nun muss der Blick nach vorn gehen. Ein Partner, den die Stadt bei der Übergabe der Babypakete ins Boot holen sollte, ist der Trägerverein des Familienzentrums. Das engagierte Team kreiert Freizeit- und Beratungsangebote. Zur Zielgruppe gehören Familien mit Babys und Kleinkindern. Warum findet die Übergabe der Babypakete nicht im Familienzentrum statt, das sich mitten in der Innenstadt befindet?

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