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Eltern-Kind-Zentren bangen um die Finanzierung in den nächsten Jahren. Landtagspolitiker versichern allerdings, dass dieses Modellprojekt eher ausgeweitet werden soll.

Zwickau/Werdau.

Die beiden Eltern-Kind-Zentren in Zwickau beobachten mit Sorge die aktuellen Haushaltsberatungen im Landtag für 2023 und 2024, bei denen eine Weiterfinanzierung ihres Modellprojektes anscheinend keine Rolle spielt. In einem offenen Brief haben sich alle 14Eltern-Kind-Zentren Sachsens, alle zuständigen Oberbürgermeister, Bürgermeister, Vereinsvorstände und Geschäftsführer an Landespolitiker der Regierungsparteien gewandt, um eine Weiterfinanzierung der seit sechs Jahren erfolgreichen Arbeit in diesem Modellprojekt zu bewirken.

Für die Kita "Kuschelkiste" der Arbeiterwohlfahrt würde das Ende der Landesförderung in Höhe von rund 20.000 Euro bedeuten, dass die Arbeit einer Sozialpädagogin gefährdet ist, die laut Kita-Leiter Jens Kluge Dinge erledigt, für die das Kita-Personal überhaupt keine Zeit hat. Die Fachkraft habe zu vielen Eltern der rund 220 Kinder - viele aus sozial schwachen Familien, viele mit Migrationshintergrund - aber auch zu den Nachbarn in Eckersbach besondere Beziehungen aufbauen können. "Eltern-Kind-Zentren bemühen sich um ein gesellschaftliches Miteinander und Akzeptanz", betont Kluge, der zudem Sprecher des Bündnisses "Die bessere Kita" ist. Da gibt es eine Vorlese-Oma, einen Drachenbastel-Opa, Begegnungen mit dem Rollstuhlfahrer von gegenüber, Kuchenbacken mit den Nachbarn ... Haben die Kinder schwarze Zähne, organisiert die Kita einen Elternabend zu Zahngesundheit. Haben die Eltern finanzielle Probleme, hilft die Sozialpädagogin bei Anträgen. "Wenn man dieses Miteinander nicht fördert, wird die Gesellschaft noch weiter auseinanderdriften", warnt Kluge.

"Freie Presse" fragte bei den regionalen Landtagsabgeordneten der Regierungsfraktion nach. Und die, die geantwortet haben, sehen in dieser Sache gar nicht schwarz - im Gegenteil. CDU-Landtagsmitglied Jan Löffler und auch sein Kollege Jan Hippold wissen vielmehr, dass das Modellprojekt eher ausgeweitet werden soll. Nach Löfflers Worten hat die Sächsische Landesvereinigung für Gesundheitsförderung bis Mai 2022 ein Konzept zur breiteren Umsetzung des gewonnenen Wissens der insgesamt 14 Eltern-Kind-Modellstandorte erstellt. "Ziel ist es, dass die sehr positiven Erkenntnisse aus dem derzeit auf wenige Teilnehmer begrenzten Modellprojekt zukünftig weiteren sächsischen Kitas zur Verfügung gestellt werden können." Geplant sei, dass die künftige Förderung des Programms "Kinder stärken 2.0." des Europäischen Sozialfonds deutlich ausgeweitet wird. Kitas, die mitmachen wollen, sollten sich um diese Fördermittel bewerben. Zuständig sei das sächsische Kultusministerium.

Außerdem soll Löffler zufolge die Jugendpauschale des Freistaats erhöht werden. "Durch eine deutliche Erhöhung wird es den Gebietskörperschaften in Zukunft ermöglicht, die kommunale Aufgabe der Familienbildung im Sozialraum eigenverantwortlich zu stabilisieren und auszubauen", sagt der Landtagsabgeordnete. Das würde bedeuten, dass dem Landkreis somit mehr Geld für Jugend und Familien zur Verfügung stünde.

CDU-Landtagsabgeordnete Kerstin Nicolaus sieht das Modellprojekt der Eltern-Kind-Zentren ebenso positiv, mit großer Vorbildwirkung für andere Kitas. Sie hofft auf Nachahmer. "Wichtig ist mir, dass die Zentren das Fördermittelprogramm ,Kinder stärken 2.0' beim Europäischen Sozialfonds nutzen und sich dort bewerben." In Sachen Jugendpauschale, die über die Landkreise ausgereicht wird, seien momentan die Haushaltsverhandlungen in vollem Gange. "Es ist angestrebt, dass die Jugendpauschale erhöht wird", sagt Nicolaus, die selbst als Mitglied des Jugendhilfeausschusses des Kreistags weiß, dass das Geld bislang nie für alle beantragten und für gut befundenen Projekte ausgereicht hat.

Kita-Leiter Kluge befürchtet, dass die Landkreise noch gar nicht auf dem Schirm haben, diesen Ausgaben eine hohe Priorität zu geben. Bisher waren ja die Städte Kofinanzierungspartner. Auch deshalb fordert das Die-bessere-Kita-Bündnis weitere zwei Jahre Geld vom Land, um in dieser Zeit neue Fördermittelkonstellationen mit den Landkreisen auszuhandeln.

CDU-Landtagsmitglied Gerald Otto hat nicht geantwortet. Ines Springer, ebenfalls CDU, ist zurzeit nicht da.

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