"Baywatch" am Westufer: Wie es begann

90 Jahre Kober: Aus der Not heraus wurde 1975 in Zusammenarbeit mit dem DRK der Wasserrettungsdienst gegründet. Die Unterstützung der Gruppe wird noch heute benötigt.

Langenhessen.

Bernd Steinebrunner war 37 Jahre lang Schwimmmeister im Strandbad an der Koberbachtalsperre. Heute genießt der 73-jährige Dänkritzer sein Rentnerdasein. Doch noch immer zieht es ihn in den Sommermonaten an seine alte Wirkungsstätte zurück. Dann werden die Erinnerungen an das Berufsleben wieder wach.

Bernd Steinebrunner war damals nicht nur Rettungsschwimmer, sonder auch der geistige Vater des Wasserrettungsdienstes an der Talsperre. "Die Gründung geschah aus der Not heraus. Es gab einfach nicht genug Rettungsschwimmer, um den Betrieb im Strandbad absichern zu können", sagt der 73-Jährige. Er erinnert sich noch genau an die Anfänge. "Gegründet wurde der Rettungsdienst im Januar 1975 in Niederalbertsdorf in der Gaststätte ,Häber'. Wir waren 16 Gründungsmitglieder, davon fünf ausgebildete Rettungsschwimmer und zwei Schwimmmeister", sagt Bernd Steinebrunner, der von Beginn an auch den Vorsitz übernahm. Das Ganze geschah in Absprache mit der Gemeinde Langenhessen, die damals noch eigenständig war. Unterstützung holte sich Steinebrunner beim Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). "Wir bekamen von der Gemeinde und dem DRK jeweils 100 Mark als Starthilfe. Das war damals viel Geld."


Die Teilnehmer für den ersten Lehrgang hatte sich Bernd Steinebrunner aus den Besuchern des Strandbades ausgesucht. "Meine Wahl fiel bewusst auf junge Kerle, die durch ihre große Klappe auffielen und im Wasser eine gute Figur abgaben. So war ich mir sicher, dass sie sich als Rettungsschwimmer auch durchsetzen und sich Respekt verschafften."

Doch mit der Wahl der Interessenten war das Problem noch nicht gelöst. Was fehlte, war ein Raum für die Ausbildung der Rettungsschwimmer. Der sollte sich möglichst im Bad befinden, um den Lehrgang am Einsatzort durchführen zu können. Dafür wurde ein Raum im Bereich der Umkleidekabinen umgestaltet. Die Jugendlichen legten dabei mit Hand an. Unterstützung gewährte erneut die Gemeinde Langenhessen. "Die stellte uns ausrangierte Bänke und Tische aus der Schule zur Verfügung", erinnert sich Steinebrunner. Dennoch beschäftigte ihn eine Frage: Werden die Jugendlichen auch Wort halten und zum Lehrgang kommen oder einen Rückzieher machen? "Als ich zum ersten Tag des Lehrgangs kam, saß der Raum voller junger Leute. Ich war baff und zugleich überglücklich", blickt der Schwimmmeister zurück. Und: Die Teilnehmer hielten auch zur Stange.

Der erste Lehrgang sollte keine Eintagsfliege sein. Der Erfolg sprach sich schnell herum. "Wir waren damals in der glücklichen Lage, für unsere Ausbildung in den Wintermonaten das Lehrschwimmbecken in Neukirchen mit nutzen zu können. Dort erhielten die künftigen Rettungsschwimmer den Feinschliff für ihren Einsatz im darauffolgenden Jahr im Strandbad." Bald verfügte Bernd Steinebrunner über so viele Mitstreiter, dass die Rettungsschwimmer in den Sommermonaten unter anderem auch in den Ostseebädern Bansin, Heringsdorf und Albeck aushelfen konnten.

"Auf Grund der guten Leistungen bekamen unsere Rettungsschwimmer nicht nur viele Auszeichnungen, sondern auch Unterstützung vom Zweckverband, dem DRK und der Gemeinde bei der Beschaffung von Ausrüstung für den Dienst an der Talsperre. Unser ganzer Stolz war ein neues Rettungsboot, mit dem wir innerhalb kurzer Zeit alle Bereiche der Talsperre erreichen konnten." Neben der Ausbildung spielte auch das gesellige Beisammensein eine wichtige Rolle. Dazu gehörten unter anderem auch die Neptunfeste, die sich schnell zum Besuchermagnet entwickelten. Bernd Steinebrunner war bis 2000 Leiter der Wasserwacht und bildete in der Zeit 334 Rettungsschwimmer aus.

Die Wasserwacht Koberbachtalsperre gibt es noch immer. Sie ist heute mit rund 200 Mitgliedern die größte Ortsgruppe innerhalb des DRK-Kreisverbandes Zwickauer Land. Wenn am 31. August an der Talsperre das 90-jährige Bestehen den ganzen Tag lang mit einem großen Fest gefeiert wird, wird auch die Wasserwacht mit dabei sein und sich präsentieren.

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