Bei Getränke-Heller gehen nach 28 Jahren die Lichter aus

In Ruppertsgrün endet heute eine Ära. In der Region macht einer der letzten kleinen Händler von Bier und Wasser dicht. Ganz an den Nagel hängt der 65-Jährige seinen Job noch nicht.

Ruppertsgrün.

Ein bisschen mulmig ist Gottfried Heller schon zumute. An den Gedanken, dass er heute Mittag zum letzten Mal den Schlüssel an der Tür zu seinem Getränkefachmarkt an der Ferdinand-Puchert-Straße herumdreht, muss sich der 65-Jährige erst noch gewöhnen. Mit dem Verschließen der Ladentür geht in Ruppertsgrün eine Ära zu Ende. Damit verabschiedet sich nach 28 Jahren einer der letzten kleinen Getränkehändler im Pleißenland. "Ich glaube, ich bin der Letzte in meiner Branche in der Region. Dann gibt es nur die großen Ketten mit ihren Filialen oder die Getränkeabteilungen in den Supermärkten", sagt der Ruppertsgrüner etwas wehmütig.

Seine Entscheidung, 1990 seinen Job im Wälzlagerwerk aufzugeben und sich selbstständig zu machen, hat er all die Jahre nicht bereut, auch wenn ihm manchmal das Wasser bis zum Halse stand. "Dreimal stand ich im Laufe der Jahre kurz vor dem Konkurs und habe eine Menge privates Geld in die Firma gesteckt." Dabei hat Gottfried Heller 1990 ganz klein angefangen. Auf einer Fläche von 28 Quadratmetern im Erdgeschoss seines Hauses begann er mit dem Verkauf von Getränken. Sein erster Lieferant war der Edeka-Großhandel in Crimmitschau. Die Palette war überschaubar. "Damals sind die Vertreter der großen Brauereien aus dem Westen die Bude eingerannt. Einer der ersten war eine Brauerei aus Nordrhein-Westfalen. Die wollte uns mit 10.000 D-Mark locken. Das klang damals lukrativ. Doch ich war skeptisch, ob das bis dahin in der Region unbekannte Bier hier auch in der vorgeschriebenen Menge seine Annehmer finden wird und habe das Angebot angelehnt", blickt Gottfried Heller zurück.

Das Geschäft lief die ersten Jahre gut. "Das war wie bei vielen anderen Produkten nach der Wende auch. Auf einmal gab es eine große Auswahl an Bier, Limonaden, Säften und Wasser." Sechs Jahre nach der Firmengründung entschloss sich der Ruppertsgrüner zu einem Anbau an das Haus. Damit konnte er die Verkaufsfläche verdreifachen und seine Angebotspalette aus- bauen. Zeitweise hatte der Geschäftsmann bis zu 100 Bier- und Biermischgetränke und noch einmal genau so viele Sorten alkoholfreie Getränke im Angebot. Bis sich um das Jahr 2000 herum die ersten Supermarktketten in der Region etablierten. Mit deren Getränkepreisen konnte Heller oftmals nicht mithalten. Der Umsatz ging zurück. Dennoch versuchte der clevere Geschäftsmann, den Großen Paroli zu bieten. "Wir haben unser Sortiment umgestellt und mehr auf Regionalität gesetzt. Waren es am Anfang Jever und Warsteiner, die in der Gunst der Kunden ganz oben standen, so sind es inzwischen Freiberger und Mauritius. An dem Spruch ,Bier braucht Heimat' ist schon was dran", blickt Heller zurück. Mit dem Aufbau eines Cateringservices schuf sich der Ruppertsgrüner ein zweites Standbein. So gehörte er unter anderem seit dem ersten IFA-Oldtimertreffen zu den Mitstreitern und kümmerte sich um die Versorgung der Aussteller und Besucher. "Bei allen Höhen und Tiefen war es eine schöne Zeit", lautet die Bilanz.

Ganz in den Ruhestand verabschieden will es sich dennoch nicht. "Meine Frau Ingrid wird künftig die Geschicke der Firma leiten. Ich stehe ihr als Angestellter noch zur Seite. Wir werden jedoch kürzer treten und unter anderem Veranstalter beim Ausrichten von Festen mit Fassbieren beliefern und uns um den dazugehörigen Service kümmern." Und dann steht noch ein neues Projekt bevor. Der gesamte Ladenbereich soll in eine Wohnung umgebaut werden. "Sind die Arbeiten abgeschlossen, werden wir dort einziehen. Die bisherige Wohnung im Obergeschoss des Hauses werden wir dann vermieten."

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