Betrügerin zu zwei Jahren Haft verurteilt

Mit einer erfundenen Zwillingsgeburt belog eine Frau aus Werdau zahlreiche Behörden, um sich Geld und einen Aufenthaltstitel für ihren Gefährten zu erschleichen.

Zwickau.

Am 10. März 2017 sollen die Zwillinge auf die Welt gekommen sein: Elias, 2790 Gramm, 48Zentimeter groß, seine Schwester Aliyah, 2690 Gramm, 47 Zentimeter. Mit einer Geburtsbescheinigung, die sie im Internet fand, und einem nachgemachten Stempel einer Hebamme aus Greiz ließ sich die heute 41-Jährige im Werdauer Standesamt Geburtsurkunden ausstellen. Bei der Ausländerbehörde beantragte sie mit ihrem Lebensgefährten eine Aufenthaltserlaubnis, damit er sich um seine Kinder kümmern könne. Bereits im Dezember 2016 waren die beiden bei einem Notar gewesen und ließen sich Vaterschaft und elterliches Sorgerecht für die zu erwartenden Kinder beglaubigen.

Im April 2017 beantragte die bis dahin schon Langzeitarbeitslose im Jobcenter höhere Leistungen wegen der Zwillinge, zudem eine Babyerstausstattung, bekam auch mehr als 2000 Euro. Wenige Tage später beantragte sie Kindergeld für Elias und Aliyah: 223 Euro pro Kind und Monat, kurz darauf Elterngeld. Wie dieses Lügengerüst zum Einsturz gekommen war - durch eine Anzeige vom Jugendamt oder eine wegen Kindesentziehung von ihrem Lebensgefährten - wurde bei der Gerichtsverhandlung am Donnerstag nicht klar.

Fakt ist: Alles, sogar die Schwangerschaft, war gelogen. Die 41-Jährige, die bereits wegen Verstoßes gegen ihre Bewährungsauflagen inhaftiert ist, leugnete nicht. Ihr Motiv: den 14 Jahre jüngeren Lebensgefährten an sich zu binden. Der hatte ein Kind gewollt, um in Deutschland bleiben zu dürfen. Für Schöffengerichtsvorsitzenden Stefan Noback war der vermeintliche Vater kein Unbekannter. Er hatte den Tunesier, der erst vorgab, Algerier zu sein und ganz anders zu heißen, bereits wegen Drogenverkaufs an Minderjährige verurteilt.

Noback versuchte, Licht in das Beziehungsgeflecht der Angeklagten zu Männern, die auch gewaltbereit waren, zu bringen: Dreimal sei sie verheiratet gewesen, hat vier Kinder von vier Männern. Das Jugendamt hatte schon lange ein Augenmerk auf die Familie.

Eine Sozialarbeiterin schilderte als Zeugin, wie sie nach den Zwillingen fahndete, zweimal im HBK anrief, wo die Frühchen angeblich noch liegen sollten, dann bei der Hebamme, sogar die Deutsche Botschaft in Tschechien um Hilfe bat, weil die Kinder angeblich dort bei einer Tante seien. Nachdem im Juli 2017 in Culitzsch eine Babyleiche gefunden wurde, die Angeklagte dem Jugendamt über Monate die Kinder vorenthalten hatte, klopften Polizisten auch an ihre Tür. Sie geriet in Verdacht, die Zwillinge getötet zu haben. Da gestand sie ihre Lügengeschichte.

"Pfiffig" und "raffiniert" - so kommentierte Noback die Aussagen der Angeklagten. Seit 1982 sei er als Familien- und Strafrichter tätig, Derartiges sei ihm in all der Zeit noch nie untergekommen. Das Urteil: zwei Jahre Haft wegen Betrugs und Urkundenfälschung. Der Staatsanwalt hatte zweieinhalb Jahre gefordert, der Verteidiger weniger als zwei Jahre. Für Noback angesichts des Vorstrafenregisters der Werdauerin - allein 43 Fälle wegen Betrugs - unmöglich. Er kaufte ihr nicht ab, dass sie mit all den Anträgen nur weiterlog, um mit der ersten Lüge nicht aufzufliegen. Noback: "Und warum Zwillinge? Ein Kind hätte doch auch genügt."

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