"Breaking Bad" in Westsachsen?

Seit Mittwoch steht ein Tscheche vor dem Zwickauer Amtsgericht. Er soll mehr als zwei Kilogramm der Droge Crystal hergestellt und verkauft haben.

Zwickau.

Kenner der erfolgreichen US-Fernsehserie "Breaking Bad" wissen es: Die Droge Crystal Meth lässt sich - Wissen in Chemie vorausgesetzt - mit überschaubarem Aufwand herstellen. Sie ist hochwirksam und deswegen auch hochgefährlich. Und sie bringt viel Geld in die Kasse.

Walter White, Hauptfigur der Fernsehserie, ist ein krebskranker ehemaliger Chemielehrer, der mit dem Kochen der Droge das Geld für seine aufwändige Behandlung sammeln will. Er stellt einen besonders reinen Wirkstoff her und steigt damit zum Drogenbaron auf. Solch eine Aussicht mag auch den Mann gelockt haben, der seit Mittwoch im Amtsgericht Zwickau auf der Anklagebank sitzt. Er ist angeklagt, mehrfach Methamphetamin hergestellt zu haben - und das, so die Anklage, in einer sehr guten Qualität. Der Mann - 48 Jahre alt, gebürtiger Tscheche - ist allerdings weder Lehrer noch Chemiker. Er hat gar nichts gelernt. Jedenfalls in keiner Berufsschule. Stattdessen lernte er vermutlich, wie man aus frei verkäuflichen Medikamenten, Rohrreiniger und anderen Zutaten eine Droge kocht, die zu den gefährlichsten gehört, die diesseits und jenseits der Grenze zu haben ist. Normalerweise kommt das Methamphetamin aus Tschechien, der Angeklagte aber soll es in Auerbach und in Falkenstein hergestellt und vermutlich auch den Zwickauer Markt bedient haben.

Vorgeworfen werden ihm insgesamt 55 Fälle, in denen er mindestens 40 Gramm der Droge hergestellt hat. Zudem wirft ihm die Staatsanwaltschaft fünf weitere Fälle vor, in denen er in einer Falkensteiner Wohnung Methamphetamin in nicht mehr feststellbarer Menge hergestellt haben soll. Am ersten Verhandlungstag wurde nur die Anklage verlesen. Später soll auch eine Reihe von Zeugen gehört werden. Der Mieter der Falkensteiner Wohnung wurde am vergangenen Freitag wegen Beihilfe zu Herstellung und Verkauf der Drogen zu drei Jahren Haft verurteilt.

Sollte sich der Vorwurf der Staatsanwaltschaft gegen den Tschechen bewahrheiten, so hätte er eine große Summe Geld verdienen können. In Berlin kostet ein Gramm Crystal um die 80 Euro. Je näher man zur Grenze nach Tschechien kommt, desto weniger muss man dafür bezahlen, denn desto weiter ist die Droge auch verbreitet. Für Wolfgang Wetzel, Drogenberater bei der Caritas in Zwickau, ist Crystal nach wie vor eines der größten Probleme. Im vergangenen Jahr nahmen fast 30Prozent seiner Klienten - insgesamt 247 Menschen - Crystal Meth ein. "Es gehört in die gleiche chemische Gruppe wie die Ecstasy-Pillen. Aber wenn man es mit Alkohol vergleicht, dann verhält es sich dazu wie hochprozentiger Schnaps zu Bier." Was für ihn auffällig ist: "Es kommen jetzt auch immer wieder Menschen zu uns, die jahrelang geringe Mengen der Droge genommen haben, um leistungsfähiger zu sein." Doch irgendwann setze eine Gewöhnung ein, die Droge funktioniere nicht mehr so gut. "Die Menschen berichten von einer Gefühlsleere."

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