Broschüre erinnert an Nazi-Opfer

Albert Jacob vor 76 Jahren in Brandenburg ermordet

Zwickau.

Die Zeiten ändern sich. Als am 30. Mai 1948 der Grundstein für das Denkmal der Verfolgten vom Naziregime gelegt wurde, waren etwa 5000 Menschen zum Zwickauer Schwanenteich gekommen. Es mag der Namenlosigkeit der Menschen geschuldet sein, die in der Gruft unter dem Denkmal ihre letzte Ruhe gefunden haben, dass am Freitag zu einer Gedenkfeier nicht mal 20 Gäste kamen. "Wir wissen wo sie begraben sind, aber wir kennen kaum ihre Namen und ihre Geschichte", sagte Gewerkschafter Sven Hüber.

Einem der dort bestatteten Menschen hat die Gewerkschaft der Polizei nicht nur zu seinem Namen, sondern auch zu seiner Lebensgeschichte verholfen. Der auf dem Zwickauer Bürgerschacht II tätige Bergwerksheizer Albert Jacob war am Freitag vor 76 Jahren im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet worden, nachdem ihn der Volksgerichtshof der Nazis zum Tode verurteilt hatte. Sein Vergehen: Er hatte ausländische Radiosender gehört und dort ausgestrahlte Grüße von Soldaten weitergeleitet. Sven Hüber hat drei Jahre die Lebensgeschichte des im Vogtland geborenen Mannes recherchiert und diese in einer Broschüre zusammengefasst. Er war Gewerkschafter, KPD-Mitglied und kandidierte für die Zwickauer Stadtverordnetenversammlung. Im September 1943 wurde er denunziert. Ausgerechnet von einer Frau, der er zuvor ein Lebenszeichen ihres in sowjetischer Kriegsgefangenschaft befindlichen Mannes überbracht hatte. Jacob wurde in Brandenburg eingeäschert. Erst 1948 konnte seine Urne nach Zwickau geholt werden, wo er neben Helene Heymann, Willy Flügel, Sepp Dirnberger und 321 weiteren Opfern der Naziherrschaft seine letzte Ruhe fand. "Ich wünsche mir, dass das Schicksal Albert Jacobs in der Geschichte der Stadt Zwickau Erwähnung findet", sagte Hüber. Er könnte sich vorstellen, dass am Haus Schlachthofstraße 15, wo Jacob mit seiner Familie lebte, eine Hinweistafel angebracht wird.

Mit Blick auf aktuelle Entwicklungen sagte Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD): "Jeder, der auf dem Boden des Grundgesetzes steht, muss sich gegen Nationalsozialismus und Faschismus stellen." Spontan bestellte sie die Broschüren für die Zwickauer Schulen. (nkd)

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