Chatten in der Stunde ist tabu

Wenn von Handys an Schulen die Rede ist, geht es in erster Linie um Verbote. Der Umgang mit dem Smartphone wird an den Bildungseinrichtungen der Werdauer Region unterschiedlich gehandhabt.

Werdau/Crimmitschau.

Vier Jahre ist es her, dass der Kunstbegriff "Smombie" zum Jugendwort des Jahres gewählt wurde. Die Kombination der Wörter Smartphone und Zombie beschreibt jemanden, der um sich herum nichts mehr mitbekommt, weil er dauernd auf sein Handy starrt. Im Alltag ist dieses Wort bis heute kaum präsent. Das Verhalten, das der Begriff beschreibt, dagegen schon. Besonders an Schulen gelten Handys als Störfaktor, den es aus dem Unterricht fernzuhalten gilt. Ein generelles Handyverbot gibt es in Sachsen aber nicht. Nach Auskunft des Landesamtes für Schule und Bildung am Standort Zwickau bestimmen die Bildungseinrichtungen den Umgang mit Handys in ihren Schulkonferenzen, in denen Lehrer-, Eltern- und Schülervertreter zusammensitzen.

Internationale Oberschule Neukirchen: "Im Unterricht bleibt das Handy aus", sagt Schulleiter Uwe Dittberner. Ein Problem mit übermäßiger Handynutzung habe man in der Schule, in der 228 Jugendliche lernen, allerdings nicht.

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Oberschule Leubnitz: "Es gibt einen Beschluss von Elternrat, Schulkonferenz und Schüler, was die Nutzung von Handys angeht. Der wurde vor rund zwei Jahren gefasst", sagt Schulleiter Andreas Wimmer. Sobald die Jugendlichen über die Schulschwelle treten, hat das Handy aus zu sein. "Wir wollen nicht, dass während des Unterrichts Fotos oder ähnliches gemacht werden." Auch in den Pausen muss es ausbleiben. Bei Verstößen wird das Handy eingezogen, die Eltern müssen es abholen. Bei Notfällen können Schüler im Sekretariat kostenfrei telefonieren.

Gymnasium Werdau: Die Nutzung des Handys ist in der Hausordnung verankert, die die Schulkonferenz mit beschlossen hat. Die Klassen 5 und 6 haben während des Schultages komplettes Handyverbot. Die Klassen 7 bis 12 dürfen es in den Pausen einschalten. "Verstöße, nach denen das Gerät eingezogen wird, sind selten", sagt Schulleiter Jörg Oettler. Die allergrößte Mehrheit der mehr als 500 Schüler halte sich an die Anordnung.

Diesterwegoberschule Werdau: Das Handy hat in der Unterrichtszeit und auch in den Pausen ausgeschaltet in der Tasche oder im Spind zu sein, sagt Schulleiterin Elke Schuppe. Das sei in der Hausordnung festgelegt. "Wir wünschen also weder im Gebäude noch im Gelände die Nutzung des Handys." Einzige Ausnahme sei, wenn das Handy für den Unterricht gebraucht werde.

Käthe-Kollwitz-Oberschule Crimmitschau: In den beiden großen Pausen (9.25 bis 9.45 Uhr und 12.20 bis 12.50 Uhr) dürfen die Schüler einen Blick aufs Handy werfen. Telefone müssen in den kurzen Pausen und im Unterricht dagegen in den Rucksäcken bleiben. Diese Verfahrensweise hat die Schulkonferenz festgelegt. "Wir haben uns für eine Regelung entschieden, die von den Lehrern durchgesetzt werden kann", sagt Schulleiter Dirk Mehl. Er schätzt ein, dass in den großen Pausen der Schulhof und die Mensa nicht komplett überwachbar sind. Pro Schuljahr muss Dirk Mehl 15 bis 20 Handys "einziehen". Sie können von Eltern im Sekretariat abgeholt werden. An der Oberschule lernen 310 Mädchen und Jungen.

Sahnoberschule Crimmitschau: Die Mobiltelefone müssen ausgeschaltet bleiben - in allen Pausen und im Unterricht. Zwischen drei und vier Verstöße gibt es laut Schulleiter Jörg Erler im Monat. "Im Wiederholungsfall bleiben die Telefone auch mal eine Nacht bei uns im Panzerschrank", sagt Jörg Erler. An der Sahnschule lernen 260 Mädchen und Jungen. Wenn sie ihre Eltern kontaktieren oder einen Blick auf eine wichtige SMS-Nachricht werfen wollen, müssen sie ins Sekretariat kommen. Dort gibt es ein Festnetztelefon. "Und dort dürfen auch die Handys benutzt werden", sagt Erler.

Julius-Motteler-Gymnasium Crimmitschau: An zwei Standorten werden die Schüler unterrichtet. Die Fünf- bis Achtklässler lernen im Haus am Westberg, wo auf dem gesamten Gelände Handyverbot gilt. Die Neun- bis Zwölfklässler, die im Haus an der Lindenstraße unterrichtet werden, dürfen in den Pausen ihre Mobiltelefone nutzen. Bei Verstößen werden die Geräte eingezogen.


"Handy gehört zum Unterricht dazu"

Doreen Urban-Kern, Vorsitzende des Kreiselternrates, sagte, dass die Hausordnung, die in den jeweiligen Schulen gelte, natürlich zu respektieren sei. "Ich bin aber auch der Meinung, dass das Handy innerhalb einer digitalen Bildung zum Unterricht einfach mit dazugehört." Es schädige nicht den Rücken wie übervolle Ranzen, und ob es für die Augen wirklich schädlich sei, sei bislang nicht erwiesen. "Als Nachschlagewerk für die Schüler ist es eigentlich für viele Unterrichtsfächer unentbehrlich." Doreen Urban-Kern sieht das Handy auch als eine Sicherheit für berufstätige Eltern. Diese wissen nach einer Nachricht, ob ihre Kinder gut in die Schule gekommen beziehungsweise auch wieder zuhause sind. (rdl)

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