Daniel "Düsentrieb" geht auf Zeitreise

Ein junger Landwirt aus Gospersgrün hat ein nicht alltägliches Hobby: Er baut Dampfmaschinenmodelle. Dazu gehören auch ungewöhnliche Anlagen.

Gospersgrün.

Daniel Sander ist ein viel beschäftigter junger Mann. Während der gelernte Landwirt tagsüber seinem Beruf in der Agrargenossenschaft Gospersgrün nachgeht und sich dort um die Futterproduktion kümmert, hat er in seiner Freizeit gleich mehrere Hobbys. Er gehört zu den Mitstreitern der Feuerwehr in seinem Heimatdorf, ist Mitglied bei den Kleintierzüchtern und baut derzeit für seine gefiederten Lieblinge einen neuen Taubenschlag. Doch der 31-Jährige hat noch ein großes Hobby: Er baut Dampfmaschinenmodelle. Keine gewöhnlichen Exemplare, sondern ausgefallene Stücke. Dazu gehört zum Beispiel der Heronsball, hergestellt aus einem alten Kronleuchter.

Mit der Geschichte des Erfinders des Heronsball kennt sich der junge Gospersgrüner bestens aus. "Erfunden hat das Ganze Heron von Alexandria. Er war ein begnadeter griechischer Mathematiker, der in der Antike in Alexandria lebte. Der Heronsball ist eine der ersten schriftlich überlieferten Wärmekraftmaschinen. Das macht ihn zu etwas Besonderem", so der Daniel "Düsentrieb" von Gospersgrün. Der Heronsball hatte in der Antike keinen praktischen Nutzwert und wurde als Kuriosum angesehen. Daniel Sander ist das egal. Ihn fasziniert die Funktionsweise: Der untere Teil der Maschine ist ein dichter Wasserkessel, der mit einer offenen Flamme beheizt werden kann. Oben befindet sich eine Kugel, die in ihrer Halterung drehbar gelagert ist und an der zwei Austrittsdüsen angebracht sind. Eine der beiden Halterungen dient als Rohr, durch das aus dem unteren Teil Wasserdampf in die obere Kugel gelangen kann. Bringt man das Wasser im unteren Gefäß zum Kochen, so strömt Wasserdampf durch die Halterung in die Kugel und verlässt sie durch die beiden Düsen. Dabei entsteht ein Rückstoß, der die Kugel in Drehung versetzt. "Genial", sagt Daniel Sander, der für seinen Nachbau Teile eines alten Kronleuchters verwendete. Die Kugel oder der Ball stammen aus Teilen vom Schrottplatz.

Schuld an der Bastelleidenschaft des jungen Mannes ist dessen Großvater. Der besaß eine alte Dampfmaschine, die Daniel als Kind begeisterte. Irgendwann wollte er auch so ein Teil besitzen. Was lag näher, als Sohn eines Landwirtes als erste Dampfmaschine einen Dampftraktor zu bauen? "Da war ich 18 Jahre alt und habe zwei Jahre getüftelt und gebastelt, bis der Traktor auch funktionierte", sagt der Gospersgrüner. Die Teile für den Bau seines 1,50 Meter langen und 50 Zentimeter breiten Traktors beschaffte er sich auf einem Schrottplatz.

Inzwischen hat der junge Mann mehrere Dampfmaschinenmodelle gebastelt. Sein jüngstes Exponat ist ein Schiff mit dem Namen "Getti". Doch was bedeutet Getti? Daniel Sander lacht und erklärt die Namenswahl. "Als ich damit fertig war, stand für den Sachsen die Frage im Raum: Get die Anlach' oder get die net? Sie ging!" Präsentiert hat er sie vor ein paar Tagen während des Teichfestes in Gospersgrün. Auf dem kleinen Tümpel drehte das Schiff seine Runden - zur Freude des Bastlers und der Gäste.

Mit seinen Modellen beteiligt sich der 31-Jährige auch an diversen Ausstellungen in der Region, so unter anderem bei einer Schau am 2. Advent in Cainsdorf. Drei- bis viermal im Jahr trifft er sich mit Gleichgesinnten zu einem Erfahrungsaustausch in seiner Hobbywerkstatt. Dabei werden neue Pläne für weitere Modelle geschmiedet. "Ideen habe ich noch genug", sagt Daniel "Düsentrieb", ohne sich genau auf eines festlegen zu wollen.

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