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Das Ehrenamt ist zeitlos

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Mit 90 Jahren ist Eduard Spinka das wohl älteste Stadt- und Gemeinderatsmitglied weit und breit. Mit dem Gedanken ans Aufhören hat sich der Neukirchener aber schon auseinander gesetzt.

Neukirchen.

Kommunalpolitiker wie Eduard Spinka aus Neukirchen sind rar. Der Westsachse, der sich seit 1999 im Gemeinderat des Ortes engagiert, ist vor Kurzem 90 Jahre alt geworden. Er dürfte damit im Landkreis Zwickau das älteste Mitglied eines Stadt- und Gemeinderats sein, aber umfassende Statistiken dazu gibt es nicht.

Dass Spinka (Die Linke) überhaupt einmal in die Kommunalpolitik einsteigen würde, hätte der Senior, der vor 25 Jahren in die 3870 Einwohner zählende Gemeinde zog, zunächst nicht gedacht: "Damals trat die Basisgruppe der PDS mit der Bitte an mich heran, wenigstens für eine Legislaturperiode zu kandidieren." Dass es fünf Perioden werden sollten, damit hatte niemand gerechnet.

Das Ehrenamt nimmt der Senior, der viele Jahre als Berufsschullehrer in Crimmitschau tätig war, nicht auf die leichte Schulter. Sämtliche Beschlussvorlagen arbeitet er im Vorfeld sorgfältig durch. Auch einen mehr als 100 Seiten umfassenden Haushaltsplan. Eine Arbeit, die Bürgermeisterin Ines Liebald (CDU) zu schätzen weiß. "Herr Spinka leistet einen wichtigen Beitrag im Gemeinderat. Er ist immer bestens auf jede Sitzung vorbereitet", sagt sie. Dass er nicht nur im Gemeinderat geschätzt wird, beweisen die über 30 Anrufe an seinem Geburtstag. "Leider konnte ich aufgrund der Pandemie, außer meinem Sohn, keine Gäste empfangen", sagt Eduard Spinka. "Über die Anrufer und zahlreichen Gratulanten, die mich coronakonform am Gartenzaun beglückwünschten, habe ich mich trotz allem sehr gefreut." Er erzählt, dass er sich mit Gartenarbeit fit hält und dass seine vier Urenkel für Abwechslung sorgen würden.

An einige schwierige Entscheidungen während seiner 22-jährigen Amtszeit kann sich der Linken-Fraktionsvorsitzende noch genau erinnern. Lange hatte er gemeinsam mit dem ehemaligen Bürgermeister Hubert Beier (CDU) und den Gemeindemitgliedern um den Erhalt des Schulstandortes gekämpft: "Es mangelte damals an gerade einmal zwei Schülern. Das war bitter. Als sich ein privater Schulträger für den Schulstandort zu interessieren begann, war ich zunächst einmal nicht begeistert." Jetzt könne er damit leben, dass im Landschulzentrum die Grundschule sowie die Internationale Oberschule untergebracht sind, auch wenn man für den Besuch Letzterer Schulgeld bezahlen müsse. Was er jedoch immer noch bedauert, ist die Schließung des Schiedelbades. "Nach der Wende traten neue Richtlinien in puncto Wasserqualität in Kraft. Nach langem Hin und Her im Gemeinderat musste das Bad schließlich geschlossen werden. Aber woher sollten wir in den 1990er-Jahren auch 3 Millionen Mark für die Sanierung nehmen."

So lange sich Eduard Spinka körperlich und geistig fit fühlt, will er diese Legislaturperiode noch beenden, sagt er. Sie läuft bis 2024. Spinka wäre dann 93 Jahre alt. "Danach werde ich jedoch kein weiteres Mal kandidieren", kündigt er an. Denn: "Es müssen langsam auch mal die jungen Leute mit frischen Ideen ran." (mit rwa)

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