Das Scheitern der Heiligen Johanna

Theater Plauen-Zwickau zeigt Stück von Brecht und holt es in die Gegenwart

Zwickau.

Das Theater Plauen-Zwickau zeigt ab Freitag, 26. April, "Die heilige Johanna der Schlachthöfe" von Berthold Brecht im Zwickauer Malsaal. Drei Vorstellungen wird es geben, das Theater übernimmt das Stück in die nächste Spielzeit. Das hat Intendant Roland May am Sonntagmittag bei der Matinee im Malsaal bestätigt. Wer die Inszenierung am 26. April, am 4. Mai oder am 12. Mai in Zwickau sehen mag, sollte sich zügig um Karten bemühen. Die "Freie Presse" kennt drei Gründe, warum sich das Stück lohnt: 1. Die "Heilige Johanna" ist aktuell: Brecht schrieb sein Stück mit Elisabeth Hauptmann und Emil Burri 1929/30, mitten in der Wirtschaftskrise. 1959 wurde es uraufgeführt, drei Jahre nach Brechts Tod. Es spielt in Chicago und erzählt die Geschichte von Fleischspekulanten und der Arbeiterklasse. Johanna Dark will die Arbeiter aus ihrem Elend retten - und scheitert an der eigenen Moral. Die Retterin, die ertragen muss, dass ihre Ideale an der Realität zerschellen: Eine ähnliche Figur kennen wir derzeit aus Schweden. Greta Thunberg, die junge Leute mobilisiert, weltweit auf die Straße zu gehen, um die Rettung des Klimas anzumahnen. Und Massen, die Gewalt anwenden, um sich gegen "die da oben" aufzulehnen, kennen wir aus Frankreich - es ist kein Zufall, dass im Stück Menschen in gelben Westen zu sehen sind. 2. Bühne und Kostüme: Das Bühnenbild von Oliver Kostecka passt sich der enge des Zwickauer Malsaals an. Es spielt im Kasten, der in vier Räume unterteilt ist. Zwei Räume oben, zwei unten. Oben spekulieren die Bosse, tauschen Insider-Infos und werden immer reicher. Darunter darben die Arbeiter -und dort agitiert eine Heilsarmee, die schon von Brecht als Parodie angelegt war, die am Ende gemeinsame Sache mit den Kapitalisten macht. Die Kostüme von Thurid Goertz sind modern, fernab der klischeehaften Kostüme, in denen Brecht-Figuren bis heute oft auf der Bühne stehen. Keine Zylinder und Schlipse - Fleischbarone tragen schicke Neureichen-Mode.

3. Anna Striesow: Jahrgang 1991, sie spielt Johanna. Sie zieht mit Leidenschaft in den Kreuzzug, wird vom naiven Mädchen zur instrumentalisierten Retter-Figur, bevor sie stirbt. Striesow spielt mitreißend, den Blick strahlend in die unsichtbare Ferne gerichtet - in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Bis zuletzt.

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