"Dass ich ein Risiko eingehe, war immer klar"

Wahlen 2019 OB-Kandidat Sören Kristensen (UL) über Bürgernähe und Mobilität

Werdau.

Sören Kristensen (55) tritt am Sonntag gegen Amtsinhaber Stefan Czarnecki (CDU) im Kampf um das Amt des Oberbürgermeisters von Werdau an. Annegret Riedel hat mit dem Langenhessener, der Kandidat der Unabhängigen Liste (UL) ist, über seine Ziele, auch private, gesprochen.

Freie Presse: Ihr Wahlslogan heißt "Werdau kann mehr". Was kann Werdau denn mehr?


Sören Kristensen: Das erklären wir in unserem zehn Punkte umfassenden Wahlprogramm ausführlich. Am wichtigsten ist mir dabei Bürgernähe und Transparenz, die meiner Meinung nach in den vergangenen Jahren auf der Strecke geblieben sind. Das war hauptsächlich meine Motivation, für dieses Amt zu kandidieren. Den Bürgern gehört diese Stadt. Um die Menschen muss es gehen. Und um eine Stadtverwaltung als Dienstleister der Bürger.

Sie haben gesagt, das Rathaus muss man wie ein Unternehmen führen?

Das habe ich so nie gesagt. Aber ich bin Unternehmer, habe erfolgreich eine Logistikfirma aufgebaut und geführt. Ich sehe, was auch in der Stadtverwaltung und den städtischen Unternehmen möglich ist, wenn man im Team zusammenarbeitet und seine Beschäftigten nicht im Regen stehen lässt. Auf Überlastungsanzeigen wurde spät reagiert. Mancher Beschäftigter im Rathaus arbeitet am Limit. Meiner Meinung nach ist es möglich, in den kommenden Jahren mit modernen Arbeitsprozessen effizienter als bisher zu arbeiten. Auch dafür wurde mal die Städtegemeinschaft ,Terra Plisnensis' gegründet. Interkommunale Zusammenarbeit ist ein Erfolgsrezept für die Zukunft. Nicht in jedem Rathaus muss jeder Service vorgehalten werden. Und für die Bürger brauchen wir andere Öffnungszeiten, auch samstags. Wir haben viele Ein- und Auspendler in Werdau. Da kann es nicht sein, dass sie zur Regelung ihrer Angelegenheiten im Rathaus einen Tag Urlaub nehmen müssen.

Was schlagen Sie vor?

Zum Beispiel die Einrichtung eines Bürgerbüros. Das habe ich mir unter anderem vor Kurzem in Frankfurt/Oder angesehen, wo wir den Umzug des Rathauses organisiert haben. Bei der Digitalisierung der Arbeitsabläufe in der Verwaltung müssen wir außerdem eine große Schippe drauflegen. Das vereinfacht vieles und spart Zeit.

Ein Verkauf der kommunalen Gesellschaften, wie Stadtwerke oder Gebäude- und Grundstücksverwaltung kommt für Sie nicht infrage?

Nein, auf gar keinen Fall. Alle städtischen Gesellschaften haben ihren Platz, ihre Ziele und Aufgaben in der Stadt. Ich habe auch keinerlei Zweifel am Fortbestand des "Webalu". Wenn die Kreditbelastung 2021 für den Bau des Bades wegfällt, reduziert sich der Zuschuss um die Hälfte. Auch wenn wir nach ersten Schätzungen dazu rund 150.000 Euro für Ersatzinvestitionen in den nächsten Jahren brauchen. Das können wir aus den Erträgen unserer Gesellschaften stemmen. Vernünftige Preise für Strom und Gas für die Verbraucher und Zuschüsse für unser Bad schließen sich nicht aus. Und das geht auch mit einer Senkung der Grundsteuer.

Sie geben für die Kandidatur Ihren Job als Geschäftsführer auf. Eine rigorose Entscheidung, an der Sie jetzt zweifeln?

Ich bin seit 1990 ehrenamtlich an verschiedenen Stellen in der Kommunalpolitik tätig, als Ortsvorsteher, als Stadtrat, als Mitglied mehrerer Vereine. Ich zweifle keine Sekunde, sondern hätte es bereut, wenn ich jetzt nicht kandidieren würde. Natürlich steckt in meiner Firma richtig viel Herzblut und auch viel Arbeit. Aber dass ich ein Risiko eingehe, war mir immer klar. Und für das Unternehmen ist gesorgt.

Im Falle einer Nichtwahl gibt es für Sie also kein Zurück?

Nein, das habe ich immer gesagt. Und dazu stehe ich. Der neue Geschäftsführer ist eingearbeitet. Dem Unternehmen soll es weiter gut gehen. Und das wird es, auch ohne mich.

Wann bekommen Sie Ihren Führerschein wieder?

Bis zum 31. Juli bin ich noch in meiner Firma beschäftigt. Derzeit mache ich für den Wahlkampf, für den ich von Haustür zu Haustür ziehe, Urlaub. Innerhalb der Monate Juni und Juli, in denen ich meine Geschäfte endgültig übergebe, wird auch das erledigt.

Also nie mehr E-Bike?

Das warten wir mal ab. Als Oberbürgermeister wird das zeitlich sicherlich knapp. Ganz darauf verzichten will ich aber nicht.

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