"Den Dorfcharakter bewahren"

Ulrich Ullmann, Ortsvorsteher von Beiersdorf, zum geplanten Verlauf der Westtrasse und zum Leben im Ort

Beiersdorf.

Mit Ulrich Ullmann (Freie Wählergemeinschaft) wurde in Beiersdorf ein neuer Ortsvorsteher gewählt. Uwe Mühlhausen hat sich mit ihm über seine ehrenamtliche Arbeit unterhalten.

Freie Presse: Herr Ullmann. Sie sind 67 Jahre alt. Andere in Ihrem Alter treten da etwas kürzer. Sie starten noch einmal durch. Warum?

Ulrich Ullmann: Das habe ich mich auch gefragt. Aber Scherz beiseite. Der Grund ist, dass mein Vorgänger das Amt aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben wollte und somit einen Nachfolger gesucht hat. Da ich seit 1978 in der Kommunalpolitik aktiv bin, habe ich mich zur Wahl gestellt und auch das Vertrauen der Mitstreiter im Rat erhalten.

Ihre Wahlperiode dauert fünf Jahre. Dann sind Sie 72 Jahre alt.

Dessen bin ich mir bewusst. Mir ist in den nächsten Jahren wichtig, einen jungen Mitstreiter aus dem jetzigen Rat für das künftige Amt vorzubereiten, der dann die Funktion als Ortsvorsteher auch über einen längeren Zeitraum ausüben könnte. Michael Skibbe wäre beispielsweise so ein möglicher Kandidat. Er ist 40 Jahre alt und im Dorf verwurzelt. Aber das ist Zukunftsmusik.

Zurück zur Gegenwart. Wo sehen Sie derzeit Probleme im Ort, die Sie als Ortsvorsteher mit Ihrem Gremium lösen möchten?

Wir haben aktuell im Beiersdorf 16 Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen. Einige sind bewohnt, andere leer. Der Erhalt oder die Sanierung ist oftmals mit erheblichen Auflagen durch den Denkmalschutz verbunden. Das schreckt junge Leute vom Kauf ab. Was wir brauchen, ist ein Flächennutzungsplan für die Gemeinde und damit auch für Beiersdorf. Es gibt im Dorf auf privaten Grundstücken einige freie Flächen, auf denen Eigenheime entstehen könnten. Der Bedarf ist vorhanden.

Ein Baugrundstück allein reicht nicht aus, um junge Leute auf das Land zu locken. Was macht Beiersdorf aus Ihrer Sicht attraktiv?

Da gibt es mehrere Aspekte. Wir verfügen über ein intaktes Dorf- und Vereinsleben. Beiersdorf liegt landschaftlich reizvoll und hat, was für junge Leute oder Familien wichtig ist, auch einen Kindergarten. Der ist klein und hat fast einen familiären Charakter. Im Dorf gibt es eine Busverbindung, sodass auch die umliegenden Orte erreichbar sind. In Fraureuth, wir sind ein Ortsteil davon, gib es eine Grundschule, eine Mehrzweckhalle, ein Einkaufszen trum und auch Ärzte.

Sie haben es bereits erwähnt. Beiersdorf ist ein Ortsteil von Fraureuth. Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit mit den anderen Ortsteilen vor?

Jeder Ort hat seine Spezifik, seinen eigenen Charakter. Das ist gut so und soll auch in Zukunft so bleiben. Es gibt aber ein paar Dinge, bei denen man künftig eventuell zusammenarbeiten könnte. Nach der noch ausstehenden Vereidigung wäre eine gemeinsame Beratung mit den Ortsvorstehern von Gospersgrün, Ruppertsgrün und Fraureuth vorstellbar. Dabei könnten wir diskutieren, ob und was wir künftig gemeinsam auf die Beine stellen wollen. Das könnte beispielsweise ein gemeinsames Dorffest sein.

Das gibt es bereits in Beiersdorf in Form der Kirmes, die am Wochenende zwei Tage lang gefeiert wurde. Reicht das nicht aus?

Ob das künftig in der Größe sein muss, ist eine andere Frage. So ein Fest kostet Geld, dafür sind Sponsoren nötig. Die zu finden wird immer schwieriger, besonders für ein kleines Dorf mit 650 Einwohnern. Manchmal ist weniger auch mehr. Wir haben mit dem Hexenfeuer und dem Pyramidenfest in Kombination mit dem Weihnachtsmarkt schon einiges an Festen zu bieten. Die Entscheidung liegt beim Ortschaftsrat.

Sie gehören auch dem Gemeinderat an. Dort ist immer wieder der Bau der Westtrasse ein Thema. In Ruppertsgrün rollt inzwischen der Verkehr. Jetzt wird der letzte Abschnitt geplant. Der soll zwischen Gospersgrün und Beiersdorf gebaut werden. Der Verlauf ist umstritten.

Das stimmt. Was die geplanten Streckenführung betrifft, sehe ich nach wie vor Gesprächsstoff. Wir wurden als Rat zu den Plänen befragt, haben dazu auch unseren Standpunkt abgegeben, doch bisher fehlt der Rücklauf. Was ist aus unseren Vorschlägen beziehungsweise Forderungen geworden? Mehrfach wurde uns dazu eine Antwort aus dem Wirtschaftsministerium versprochen. Die steht bis heute aus. Das macht mich als Ratsmitglied und auch als Ortsvorsteher sehr unzufrieden. Da müssen wir den Druck als Ortschaftsrat und als Gemeinderat erhöhen.

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