Deponiepläne: Gablenzer erhöhen Druck

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Seit Februar 2019 macht sich eine Bürgerinitiative gegen die Schaffung einer Bauschuttdeponie in der Kiesgrube stark. Noch ist sie nicht am Ziel. Um das zu erreichen, sucht sie neue Partner.

Gablenz.

Wer durch Gablenz fährt, spürt an mehreren Stellen im Dorf den Unmut der Bürger. Entlang der Gablenzer Hauptstraße bringen die Anwohner auf zahlreichen Plakaten und Transparenten ihren Protest gegen ein geplantes Vorhaben zum Ausdruck. Die Strabag und die Becker Umweltdienste planen gemeinsam die Errichtung einer Deponie in der ehemaligen Kiesgrube. Dagegen kämpfen die Gablenzer an, besonders gegen das, was in der Deponie gelagert werden soll. "Asbesthaltige Baustoffe, als gefährlich eingestuftes Dämmmaterial, Ofenschlacke aus der Müllverbrennung sowie Gleisschotter", zählt Manja Clemen von der Bürgerinitiative als Beispiele auf. Was sie und ihre inzwischen rund 60 Mitstreiter zusätzlich stört, ist nicht nur die Art der Materialien, sondern auch deren Menge. "Der Standort umfasst ein Teilgebiet von acht Hektar. Das entspricht etwa der Größe von sieben Fußballfeldern. Die Fläche lässt eine Erweiterung auf bis zu 168 Hektar Gesamtfläche zu. Geplant ist außerdem die Aufschüttung einer Halde, so hoch wie ein Kirchturm", sagt Clemen.

Rückendeckung erhält die Bürgerinitiative von der Stadt. "Die Kommune hat bereits im Herbst 2018, ein Jahr vor der Gründung der Bürgerinitiative, bei der zuständigen Landesdirektion eine Stellungnahme eingereicht und darin das Vorhaben abgelehnt", sagt Daniela Lange vom Bereich Öffentlichkeitsarbeit in der Stadtverwaltung Crimmitschau. Was folgte, waren mehrere Informationsveranstaltungen, an denen auch Vertreter der Strabag und der Becker Umweltdienste teilnahmen. Die Stadt steht weiter hinter den Aktivitäten der Bürgerinitiative. "Unser Möglichkeiten sind begrenzt, da es sich um keine Baumaßnahme der Stadt handelt. Wir werden das Planfeststellungsverfahren im Interesse der Bürger kritisch begleiten", versichert Daniela Lange.

Inzwischen haben die Mitglieder der Bürgerinitiative auch eine Petition beim Landtag eingereicht. Das Papier trägt 3122 Unterschriften und damit fast achtmal so viele wie Gablenz Einwohner hat. "Das zeigt, dass die Thematik auch die Bürger rund um Gablenz bewegt, zumal auch sie von der Deponie betroffen wären", so Clemen. Noch steht eine Antwort des Petitionsausschusse aus. "Uns wurde für März eine Reaktion angekündigt. Wir warten mit Spannung darauf."

Auch wenn es in den zurückliegenden Wochen etwas ruhiger geworden ist, untätig waren die Mitglieder der Bürgerinitiative nichts. "Coronabedingt konnten wir keine größeren Zusammenkünfte organisieren und durchführen, doch wir haben unsere Arbeit forciert und noch breiter aufgestellt." Im Vorjahr ist die Bürgerinitiative Mitglied im Bundesverband der Bürgerinitiativen geworden. "Außerdem haben wir Kontakt zum Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) aufgenommen, der uns seine Unterstützung zugesagt hat. Der gesamte Umweltaspekt bei dem Vorhaben wurde aus unserer Sicht bisher noch nicht ausreichend betrachtet", sagt Clemen. Zusätzlich plant die Bürgerinitiative im Ort die Gründung einer Ortsgruppe der BUND. "Je breiter wir uns aufstellen, umso größer sind unsere Chancen die tickende Zeitbombe zu entschärfen."

Ob die Becker Umweltdienst an dem Vorhaben festhalten oder ihre Pläne inzwischen ad acta gelegt haben, dazu wollte sich Gerolf Münster, Geschäftsführer des Unternehmens, auf Anfrage der "Freien Presse" nicht äußern. "Es gibt momentan keinen neuen Sachstand", sagt Münster. Auch zum Stand der Gespräche mit der Stadt und der Bürgerinitiative hüllte sich der Geschäftsführer in Schweigen.

Für Manja Clemen und ihre Mitstreiter steht fest: "Wir geben erst auf, wenn die Deponiepläne vom Tisch sind." Dass das noch ein langer Weg sein kann, sind sich die Gablenzer bewusst. Sie planen als nächsten Schritt eine Spendenaktion. "Das soll unter anderem für Anwalts- und Gerichtskosten bei einer möglichen Klage verwendet werden." Aber auch zur Deckung der Kosten für Gutachten und behördliche Fachauskünfte, nannte Clemen weitere Beispiele.

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