Der Eremit hat sich rar gemacht

Der Natur zuliebe: Jeder kann etwas für den Erhalt und die Verbesserung der Natur tun. Heute: Suche nach einem Käfer.

Neukirchen/P..

Die Kreisnaturschutzstation des Landkreises Zwickau in der Gräfenmühlen in Neukirchen kümmert sich um verschiedene Belange des Naturschutzes in der Region. "Freie Presse" berichtet über Aktionen oder Ziele der Naturschützer. Diesmal geht es um die Suche nach einem besonderen Käfer, der vom Aussterben bedroht ist und im Kreis bisher nur an drei Stellen gesichtet wurde.

Als Eremiten werden Einsiedler bezeichnet, die abgeschieden von anderen leben. Doch es gibt auch eine Käferart, die so heißt. "Das 23 bis 38 Millimeter große Insekt lässt sich an seiner braun-schwarzen Färbung mit einem schwach metallischen Glanz, sowie den manchmal punktierten Flügeldecken mit kräftigen Schulterbeulen erkennen. Der Fühlerbau und die kräftigen Grabebeine ähneln stark denen der Mai- oder Mistkäfer", erklärt Maximilian Fraulob, Mitarbeiter der Kreisnaturschutzstation. Besonders sei, dass es in der Paarungszeit einen speziellen Lockstoff abgibt, der streng nach Juchtenleder beziehungsweise nach Aprikose riecht und noch in Entfernungen von 500 bis 1000 Meter von den Brutstätten wahrnehmbar ist. Damit wollen die männlichen Tiere die Weibchen anlocken, damit sie Eier in Bruthöhlen legen.

"Den zentralen Lebensraum bilden dabei Baumhöhlen in alten, hohlen, aufrecht stehenden Laubbäumen, bevorzugt Obstbäumen, Eichen, Linden und Buchen. Aber auch in Kastanien und fremdländlichen Gehölzen lässt sich der Käfer finden. Viele Tiere verlassen diesen Brutbaum nie, sondern ernähren sich zusammen mit den Larven von dem Mulm des besiedelten Baumes", sagt Fraulob. Diese Lebensweise hat zur Folge, dass sich die Käfer, die sich nur an besonders heißen Tagen beobachten lassen, nur wenig ausbreiten. Verschwindet dann einer ihrer Lebensräume, zum Beispiel durch Baumfällungen, wird es für den Eremiten schwer. Deshalb gilt er in Deutschland als stark gefährdet und wird in Naturschutzrichtlinien der Europäischen Union als Art geführt, der eine besondere Verantwortung zukommen sollte.

Das grundlegende Problem ist gut bekannt: "Der ständige Rückgang der Population ist Untersuchungen zufolge eindeutig menschengemacht, besonders die Verdrängung von naturnahen Wäldern durch Wirtschaftswälder entzieht dem Eremit die Lebensgrundlage", weiß Maximilian Fraulob. Im Landkreis Zwickau wurde der Eremit bisher im Grünfelder Park in Waldenburg sowie in Streuobstbeständen in den Crimmitschauer Ortsteilen Frankenhausen und Gosel sowie in Waldsachsen bei Meerane nachgewiesen. Doch vermutlich kommt er punktuell auch an anderen Stellen vor. Diese sollen ausfindig gemacht werden, damit der Käfer besser geschützt werden kann. Deshalb strebt die Kreisnaturschutzstation in der Gräfenmühle eine umfassende Kartierung, Dokumentation und Erfassung des Eremit-Vorkommens im nördlichen Landkreis Zwickau an. Das Ziel ist, potenzielle Habitate, also Kopfweidenbestände, Streuobstwiesen und Einzelbäume zu finden, um sie künftig zu schützen und die Lebensräume weiter zu entwickeln. Dafür können beispielsweise sogenannte Zukunftsbäume gepflanzt werden, die die Ausbreitung des Käfers fördern.

Da das zu untersuchende Gebiet insgesamt rund 330 Quadratkilometer groß ist, hoffen die Naturschützer auf Unterstützung. "Da sich der Eremit auch gern mal in alten Obstbäumen in Gärten oder dem Totholz auf Ihrer Streuobstwiese versteckt, rufen wir dazu auf, mal genauer zu schauen, was für Insekten sich gelegentlich in und an Ihren Bäumen herumtreiben. Dabei lohnt es sich, besonders in Baumhöhlen auch in größeren Höhen nach dem Tier zu suchen", sagt Maximilian Fraulob. Wer den Käfer entdeckt, kann ihn fotografieren und das Foto zusammen mit Datum, Fundort und Kontaktdaten an die Kreisnaturschutzstation schicken. Die Experten prüfen dann den Fundort und können, falls nötig, auch etwas für den Fortbestand des Eremiten an dieser Stelle tun.

Für die Meldung von Sichtungen oder bei Nachfragen ist die Kreisnaturschutzstation unter Ruf 0375 440226337 oder per E-Mail erreichbar. Kreisnaturschutzstation@landkreis-zwickau.de

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