Der Heizer der Fabrik weckte morgens um halb 5

Die Tuchfabrik Gebr. Pfau im Crimmitschauer Norden ist eine Außenstelle der Landesschau. Auch sie hat am Samstag hunderte teils weit gereiste Besucher angelockt.

Crimmitschau.

Irmhild Schreibner hörte ganz genau hin, als Andreas Neumann am Samstagnachmittag bei einer der angebotenen Führungen durch die historische Tuchfabrik an den verschiedenen Orten des Areals viel Geschichtliches erläuterte. Als er - eher nebenbei - auf die beiden Fabrikantenvillen am Eingang des Sahnparks und an der Ecke zur Leipziger Straße erwähnte, hakte die Frau aus Dresden ein. "Ich kenne die eine Villa sehr genau, schließlich habe ich als Kind in der gelebt. Mein Großvater hat die von einem der Pfau-Brüder gekauft", sagte die heute 64-Jährige und sah Andreas Neumann etwas überrascht. Irmhild Schreibner hatte sich spontan an die Führung angeschlossen. "Ich habe in Crimmitschau noch familiäre Beziehungen, aber in der Tuchfabrik war ich schon lange nicht mehr. Schon deshalb wollte ich die Eröffnung der Landesausstellung nutzen", sagte die Frau, welche sich an viele Dinge von früher noch erinnern konnte. "Wochentags wurde ich jeden Tag früh um halb fünf geweckt, wenn der Heizer die Kohlen geschippt hat", erzählte Irmhild Schreibner, für die auch der tägliche Lärm der Maschinen damals zum Alltag gehörte. Schon deshalb konnte sie es am Samstag nicht erwarten, bis Andreas Neumann - der hat am letzten Arbeitstag der Tuchfabrik die Hauptuhr abgestellt - im Webereigebäude unter anderem einen der alten Webstühle anschaltete. Allerdings "lauschte" sie den Geräuschen aus einer eher sicheren Entfernung. "Ich finde es einfach toll, dass die alte Tuchfabrik nach wie vor besichtigt werden kann und die Maschinen laufen", freute sich Irmhild Schreibner.

Maschinengeräusche gab es unterdessen auch im ehemaligen Spinnereigebäude, das die neue "Zentrale" des Museums ist. Vor dem in den vergangenen Monaten im Inneren umgestalteten Gebäude steht seit Samstag auch ein großes Modell der Tuchfabrik, an dem sich die Besucher orientieren können. Crimmitschaus Oberbürgermeister André Raphael (CDU) hatte das Werk zur offiziellen Eröffnung der Landesausstellung in der Außenstelle in der Pleißestadt enthüllt. Die meisten Besucher waren allerdings schon in den neuen Ausstellungen unterwegs, wobei das Maschinenhaus mit der Dampfmaschine wie ein Magnet wirkte.

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