Der Steiger kommt - und zwar aus Zwickau

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Der Kult-Hit der Bergleute soll nächstes Jahr in das Bundesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen werden. Ein wichtiger Hinweis darauf, dass er mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Westsachsen stammt, befindet sich in der Ratsschulbibliothek in Zwickau.

Zwickau.

Der dunkelbraune Einband ist aus Kalbsleder und kunstvoll verziert. Wenn Lutz Mahnke das Büchlein aus einem der vielen hohen Regale zieht, die im Magazin der Ratsschulbibliothek in Zwickau stehen, dann trägt er Handschuhe. Nicht, weil es hier so kalt ist, sondern vielmehr, weil es sich bei dem kleinen, 490 Jahre alten Buch (zehn Zentimeter breit, 15 Zentimeter hoch) um eine ausgesprochene Kostbarkeit handelt. "Mit ihm muss man so sorgsam umgehen wie mit einer seltenen Briefmarke", sagt Bibliothekschef Mahnke.

Das Werk besitzt aber nicht nur einen unschätzbaren Wert. Es liefert auch einen bedeutsamen Hinweis darauf, dass das berühmte Steigerlied, der jahrhundertelange Kult-Hit der Bergleute, nicht aus Franken stammt oder aus dem Ruhrgebiet, sondern aus der Region zwischen Zwickau und Schneeberg. Davon geht Heino Neuber, der zweite Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine, aus. In einem neuen Buch ("Glückauf, der Steiger kommt! Allerlei zur Geschichte und Bedeutung eines sächsischen Volksliedes") erklärt er den Ursprung des Liedes, um den es bereits heftige Debatten gab.

Der Landesverband der Bergmannsvereine Nordrhein-Westfalen hatte vor zwei Jahren für Irritationen gesorgt, nachdem er das Steigerlied für das Bundesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes anmelden wollte und damit den Ursprung des Liedes sozusagen für das Ruhrgebiet in Anspruch nahm.

Heino Neuber, der hauptberuflich wissenschaftlicher Mitarbeiter im für den gesamten sächsischen Steinkohleabbau zuständigen Bergbaumuseum Oelsnitz ist, führt dagegen in seinem Buch das kleine Werk aus der Ratsschulbibliothek an. 1531 in Zwickau gedruckt, gehörte es einst dem Ratsherren Stefan Roth, bevor es nach dessen Tod 1546 im Magazin der Bibliothek landete: ein Sammelband mit verschiedenen Dokumenten, unter denen sich auch ein Druck mit zwei Strophen des Steigerliedes befinden. "Das ist die älteste Überlieferung von Fragmenten des Liedes. Aus anderen Teilen Deutschlands gibt es aus dieser Zeit keine", sagt Neuber.

Für den zweiten Vorsitzenden des Landesverbandes ist das ein bedeutsamer Hinweis darauf, dass das Steigerlied mit großer Wahrscheinlichkeit aus der Region zwischen Zwickau und Schneeberg stammt, wo im Umland der Mulde auch damals schon seit Jahrhunderten Kohleabbau betrieben wurde, und je weiter man ins Erzgebirge kam, Erze gefördert wurden. Die Art und Weise der Förderung änderte sich - ähnlich wie das Steigerlied, das im Laufe der Zeit seinen Siegeszug durch ganz Deutschland antrat und aufgrund der verschiedenen Einflüsse immer variantenreicher gesungen wurde.

Laut Neuber spielt aber auch hier Zwickau eine besondere Rolle. Nirgendwo in den vielen deutschen Bergbauregionen habe sich die Urform des Liedes so lange gehalten wie in Westsachsen. "Es ist nachgewiesen, dass hier noch in den 1980er-Jahren die ganz alte Fassung gesungen wurde", so Neuber.

Inzwischen haben sich alle Landesverbände der Bergmannsvereine an einen Tisch gesetzt. Sie arbeiten gerade einen gemeinsamen Antrag aus, um in das Bundesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes zu kommen. Das wäre ein Prestige- gewinn für jede Bergbauregion, in der das Lied gesungen wird.

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