Die Geheimnisse des Talsperren-Vorstaus

90 Jahre Kober - Nicht alle Grundstücke, die die Talsperren AG einst für den Bau der Talsperre erwarb, wurden für die Umsetzung des Vorhabens benötigt. Davon profitiert heute eine Familie aus Niederalbertsdorf.

Niederalbertsdorf.

Von seinem Wohnzimmerfenster aus hat Dieter Petzold einen fantastischen Blick auf den Vorstau der Koberbachtalsperre. "Besonders im Frühjahr ist der Anblick schön", sagt der 67-Jährige. Die Obstbäume auf einem Nachbargrundstück haben gerade die Blüte beendet. Auf einer Bank, die in Sichtweite an der sogenannten Mühlenspitze steht, genießen Wanderer die Frühlingssonne. Mitten im Vorstau hat ein Haubentaucher ein Nest gebaut und brütet seit einigen Tagen. Die Bäume am gegenüberliegenden Ufer des Gewässers beginnen zu grünen. Ein Angler sitzt am Ufer und hofft auf einen guten Fang. "Das kann ich alles von meinem Fenster aus beobachten. Oftmals ist das viel interessanter als irgendein langweiliges Fernsehprogramm", sagt der Senior und lacht dabei.

Dass Dieter Petzold die Aussicht genießen kann, hat er einer Entscheidung seines Großvaters zu verdanken. Die Talsperren-Aktiengesellschaft hatte für den Bau der Talsperre 1926 Grundstücke aufgekauft, darunter auch das ehemalige Kretzschmarsche Gut in Kleinbernsdorf. Benötigt wurde davon letztlich nur ein Teilstück, sodass die Talsperren AG für das Anwesen nach Fertigstellung des Bauvorhabens einen Interessenten suchte. Max Petzold kaufte 1935 den Hof. "Mein Großvater wohnte damals in der Mitte des Ortes und war Maurer von Beruf. Er fertigte unter anderem auch Betonteile an. Dafür benötigte er eine Fläche, auf der er die Teile lagern konnte", sagte dessen Enkel und heutiger Besitzer des Anwesens. Der Weg, der zwischen dem Petzoldschen Grundstück und dem benachbarten Hof verläuft, gehört heute der Talsperrenverwaltung des Freistaates. "Er ist zugleich Bestandteil eines Wanderweges, der um die Talsperre beziehungsweise bis nach Blankenhain führt", sagt Dieter Petzold. Damit Fahrzeuge die Zufahrt nicht unberechtigt nutzen können, ist die Straße mit einem Tor versehen und kann nur seitlich von Fußgängern passiert werden. "Über die kleine Straße erfolgt die Zufahrt zum Vorstau. Der wird so alle 30 Jahre entschlämmt, zuletzt war das 1993 der Fall. Davon habe ich noch Bilder. Seitlich führt eine kleine Straße zum Grund des Vorstaus. Die ist jedoch nur sichtbar, wenn das Wasser abgelassen ist", berichtet Dieter Petzold. Der 67-Jährige kennt noch mehr Geheimnisse. "Von der Mühle, die einst am Rande des Steilufers stand und deren Fläche für den Bau des Vorstaus benötigt wurde, ist noch der alte Bergkeller vorhanden. Der Eingang liegt unterhalb der Wasseroberfläche. Als 1993 das Wasser abgelassen wurde, war der wieder sichtbar."


So wie die Zufahrtsstraße gehört der Talsperrenverwaltung auch noch eine eingezäunte Wiese, die direkt an das Grundstück von Dieter Petzold grenzt. "Die dient als Überlauffläche", weiß der Niederalbertsdorfer. Dass dies einmal der Fall sein würde, hätte er nicht gedacht. Am 2. Juni 2013 wurde er eines Besseren belehrt. Nach einem Stark- regen konnte der Vorstau die Wassermassen, die der Erdbach und der Koberbach mit sich führten, nicht mehr aufnehmen und trat über die Ufer. "Das waren schon echt beängstigende Stunden. Man konnte zu- sehen, wie die Fluten stiegen und wusste nicht, wann das Ganze ein Ende haben würde", sagt der Senior. Inzwischen sind die Tage des Schreckens vergessen, und der 67-Jährige genießt wieder die schönen Seiten des Gewässers.

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