Die kleinen Geheimnisse des Hans-Uwe P.

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Warum er in der DDR nicht auf die Sportschule durfte. Er aus Dresden 1981 kurzzeitig wieder zurück nach Zwickau kam. Und warum er seine Stasi-Akte nicht lesen will: In einem neuen Fußball-Buch geht es auch um einen der berühmtesten Zwickauer Fußballspieler.

Zwickau.

Stellen Sie sich einmal vor, der Wechsel eines Bundesliga-Spielers zum Beispiel von Werder Bremen zu Borussia Dortmund platzt, weil es dort keine Wohnung gibt. Kann man sich nicht ausdenken. Aber ganz früher war das wirklich so - zumindest in der DDR.

Fußball-Fan Maik Großhäuser aus Delitzsch, der seit vielen Jahren in Salzburg lebt, hat ein Buch über den Fußball im Arbeiter- und Bauernstaat geschrieben. Der Titel: "Zeitreisen. Spieler und Trainer erinnern sich an die DDR-Oberliga". Zu den Protagonisten des Buches gehört neben Harald Mothes, Jörg Weißflog (beide Wismut Aue), Matthias Liebers (1. FC Lok Leipzig), Rainer Ernst (Berliner FC Dynamo) und vielen anderen - auch Hans-Uwe Pilz (53, seit Februar Rentner) aus Zwickau. Entstanden sind spannende Porträts von Sportlern, die den Oberliga-Alltag über Jahre mit bestimmt haben. "Es war das längste Interview, das ich jemals gegeben habe", sagt Pilz. Über vier Stunden stand der frühere Zwickauer Fußballer dem Autor für dessen Buch Rede und Antwort - und verriet so manches kleine Geheimnis.

Pilz ist nicht irgendwer im Zwickauer Fußball. Da gibt es Jürgen Croy, das große Idol, Alois Glaubitz, den alten Haudegen, und fast im gleichen Atemzug wird Pilz genannt. Der stammt aus Hohenstein-Ernstthal und war ein riesengroßes Talent, das wegen seiner fußballerischen Veranlagung eigentlich auf die Sportschule gehört hätte, die Kaderschmiede in Karl-Marx-Stadt. Aber daraus wurde nichts. Im Buch erzählt Pilz: "Trotz der spielerischen Voraussetzung wurde ich 1973 aber abgelehnt. Ehrlich, ich verstand die Welt nicht mehr, als ich erfuhr, dass ich kaderpolitisch nicht in Ordnung wäre. Als Grund wurde angeführt, wir hätten Westverwandtschaft II. Grades, und zwar in Australien." Tatsächlich hatte Pilz dort Verwandte, aber ziemlich weit entfernte.

Der Junge ging trotzdem seinen Weg, landete bei Sachsenring Zwickau und schaffte den Sprung in die Oberliga. Funktionäre von Dynamo Dresden wurden auf ihn aufmerksam und holten ihn 1981 an die Elbe. Doch Pilz wurde mit seiner Frau und dem damals kleinen Kind nur in einem Internatszimmer untergebracht. Im Buch erzählt er: "Nach fünf Tagen, an denen ich schon mit dem neuen Team trainierte, suchte ich das Gespräch mit der Vereinsführung: Entweder wir bekommen eine eigene Wohnung oder ich gehe wieder mit meiner Familie zurück." Und so kam es: Weil keine Wohnung frei war, spielte Pilz weiter für Zwickau. Erst 1982 bekam die Familie in Dresden eine Wohnung, und Pilz spielte nun für Dynamo.

Hatte Pilz etwas mit der Stasi zu tun? Viele Fußballer gerieten in ihr Fadenkreuz oder spitzelten selbst. 1986 war ein Mannschaftskamerad nach einem Spiel im Westen geblieben. Pilz: "Ich wurde nicht befragt, ob ich etwas gesehen oder gehört habe. Hat mich schon ein bisschen gewundert. Klar, wenn man Verfehlungen wie Scheidung, Fahren unter Alkohol und ähnliches vorzuweisen hatte, konnte man schnell in die Fänge der Stasi geraten. Ich hatte unterm Strich weder Vor- noch Nachteile. Meine Akte habe ich deshalb nie angefordert. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß."

Das Buch (456 Seiten) kostet 29,90 Euro und kann unter bestellung.buch@yahoo.com erworben werden.

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