Die Krötenretter von Neukirchen

Helfer bringen derzeit Hunderte Kröten sicher zu ihren Laichplätzen. Wie wichtig deren Schutz ist, dokumentieren die Naturschützer sehr genau.

Neukirchen.

Seit reichlich vier Wochen hat die Neukirchenerin Gudrun Radek zweimal täglich eine außergewöhnliche Aufgabe zu erledigen. Sie sammelt Kröten ein, um sie mit dem Eimer auf sicherem Weg in den nahen Schiedelteich zu bringen, wo sich Amphibien fortpflanzen. Sie mache das schon seit gut 20 Jahren. "Seit ich ins Gerätehaus der Feuerwehr eingezogen bin." In diesem Jahr gestaltet sich das Ganze etwas anders als sonst, denn Mitarbeiter der Kreisnaturschutzstation in der Gräfenmühle hatten die Krötenwanderung nicht nur beobachtet, sondern auch viele überfahrene Tiere gesehen. "Wir mussten schnell handeln", sagt Maximilian Fraulob, Mitarbeiter in der Kreisnaturschutzstation. Von der Neukirchener Bürgermeisterin Ines Liebald erfuhr er, dass Gudrun Radek das Kröteneinsammeln schon viele Jahren macht. Eine mobile Amphibienschutzeinrichtung, ein Krötenzaun, wurde kurzerhand entlang des letzten Abschnittes des Rad- und Wanderweges von Lauterbach nach Neukirchen in Höhe des ehemaligen Buderuswerkes und der Gartenanlage aufgestellt. Er hat eine Länge von reichlich 125 Metern. Entlang dieser künstlichen Sperre sind fünf Sammeleimer im Erdreich eingebracht.

Bei Kröten, Fröschen und Molchen beginnt, temperaturabhängig im März/April, die Wanderung zu den Laichplätzen und dauert in der Regel 4 bis 6 Wochen, erklärt Maximilian Fraulob. Mit dem Aufstellen der Krötenschutzzäune allein ist es jedoch noch nicht getan. Sie müssen auch betreut werden. Das bedeutet: täglich zweimal kontrollieren und die in den Eimern befindlichen Tiere herausnehmen, um sie zum nahe gelegenen Gewässer zu bringen.

Christoph Ulrich

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Mit Gudrun Radek habe man eine engagierte Frau für diese Aufgabe gefunden, sagt der 30-Jährige. Sie dokumentiert täglich zweimal die Anzahl der umgesetzten Tiere und führt weibliche und männliche Kröten und die anderen eingesammelten Tiere, wie Salamander und Molche einzeln auf. In diesem Jahr hat sie bis jetzt weit über 100 Tiere umgesetzt. Sie merkte aber, dass es vor 20 Jahren noch bedeutend mehr waren. Da sammelte sie an manchen Tagen bis zu 40 Kröten ein. "Dem Rückgang des Bestandes muss unbedingt Einhalt geboten werden, um die Tiere vorm Aussterben zu bewahren", sagt Fraulob. Neben den derzeit etwa zehn mobilen Krötenzäunen im Landkreis Zwickau, die nur während der Zeit der Amphibienwanderung aufgebaut werden, gibt es im Kreis auch stationäre Anlagen, wie unter anderem in der Mark Sahnau in Crimmitschau oder am Weißenborner Berg in Zwickau.

Zusätzlich zu den Krötenschutzzäunen setze man vermehrt sogenannte Kletterhilfen ein. Das sind meist Bretter, die man im Winkel von Bordsteinkante und Straße anbringt und mit deren Hilfe die Kröten den Höhenunterschied überwinden. "Diese Bretter wurden in Neukirchen einfach gestohlen", ärgert sich Fraulob über so viel Gedankenlosigkeit. Durch Mitarbeiter des Bauhofes Neukirchen wurde schnell Ersatz beschafft. "Ein wichtiger Aspekt bei der Schaffung neuer Straßen ist, dass man stationäre Schutzzäune und unterirdische Straßenquerungen dort plant und umsetzt, wo die Amphibien wandern", sagt der Naturschützer. Mutter Natur habe die Tiere, die bis zu zwölf Jahre alt werden können, mit einem guten Navigationssystem ausgestattet. Sie kehrten, so lange sie leben, jedes Jahr an den Ort ihrer Geburt zurück. Leider hätten sich Eingriffe in die Lebensweise dieser Tiere in den vergangenen Jahren immer mehr erhöht. Hier müsse der Mensch helfen.

Wer Interesse hat, die Arbeit der Kreisnaturschutzstation zu unterstützen, kann sich mit Maximilian Fraulob in Verbindung setzen. Zu den Aufgaben gehören nicht nur die Betreuung von Krötenschutzzäunen, sondern auch die Kontrolle von Biotopen und Schutzgebieten sowie die Flächenpflege.

Kontakt zu Den Rettern gibt es im Internet unter kreisnaturschutzstation@landkreis-zwickau.de oder telefonisch unter 0171 5565414.

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