Die letzte Bauakte bleibt offen

Sonja Zimmermann hat bei etlichen Bauvorhaben in der Gemeinde Langenbernsdorf ihre Handschrift hinterlassen. In wenigen Tagen geht sie in den Ruhestand.

Langenbernsdorf.

Wie viele Bauakten Sonja Zimmermann im Laufe ihres Berufslebens wälzte, hat sie nicht gezählt. In wenigen Tagen wird sie sich von ihren Kolleginnen und Kollegen in der Gemeindeverwaltung verabschieden und in den Ruhestand gehen. Dabei hätte sie gern noch ein Projekt zu Ende gebracht: den Abriss des Anbaus an das Mehrzweckgebäude in Trünzig. "Zumindest die Sanierung der alten Schule, den vorderen Teil des Komplexes, konnte ich noch abschließen. Den Rest muss dann mein Nachfolger erledigen", sagt die 63-Jährige.

Dass es ihr langweilig werden könnte, darüber macht sie sich keine Gedanken. "Allein mit Haus, Hof und Garten habe ich künftig genug zu tun. Außerdem ist mein Mann schon Rentner. Uns verbindet nicht nur die Liebe miteinander, sondern auch das gleiche Hobby. Wir lieben beide Motorradfahren. Dafür fehlte in der Vergangenheit oftmals die Zeit", sagt Sonja Zimmermann.

Beruflich hat die 63-Jährige ganz anders begonnen. Sie lernte einst Wirtschaftskauffrau und zog 1975 von Teichwolframsdorf zu ihrem Mann nach Stöcken. "Wir hatten auf dem Grundstück, das die Großeltern meines Mannes besitzen, eine alte Scheune zum Wohnhaus umgebaut." 1979 orientierte sich Sonja Zimmermann beruflich neu und arbeitete fortan als Sekretärin in der Langenbernsdorfer Schule. "Ich war bei der Gemeinde angestellt und half ab und zu auch in der Kämmerei in der Verwaltung mit aus. Das war der Wunsch des damaligen Bürgermeisters, Joachim Bär. Als dann 1992 im Bauamt die Stelle frei wurde, hat er mich von der Schule in die Verwaltung geholt." War Sonja Zimmermann anfangs noch etwas skeptisch, ob die neue Aufgabe die richtige für sie sei, so verschaffte sie sich schnell Respekt und Anerkennung. Damit sie auch über das entsprechende Fachwissen in der Baubranche verfügte, drückte sie noch einmal die Schulbank.

Ihr erstes großes Bauvorhaben, das sie letztendlich zu verantworten hatte, war die Modernisierung des "Weißen Roßes". Es folgten unzählige Projekte in der Gemeinde. Die Palette reichte von der Erneuerung der Straßenbeleuchtung, der Sanierung des gemeindeeigenen Wohnblocks an der Albertsdorfer Straße und dem Umbau eines Stallgebäudes in Niederalbertsdorf zum Vereins- und Schützenhaus bis hin zu Großprojekten wie dem Neubau des Gerätehauses für die Langenbernsdorfer Wehr. "Mir waren alle Projekte gleich wichtig, egal ob es sich um große oder kleine Bauvorhaben gehandelt hat", blickt Sonja Zimmermann zurück.

Ein Vorhaben wird ihr jedoch in besonderer Erinnerung bleiben: die Errichtung des Anbaus für den Hort an die Schule. "Das Vorhaben haben wir, wie alle anderen auch, akribisch vorbereitet und im Vorfeld ein Bodengutachten erstellen lassen. Während des Baus stellte sich heraus, dass es Schwierigkeiten bei der Bodenplatte gab und diese verstärkt werden musste. Dadurch erhöhten sich die im Vorfeld kalkulierten Baukosten um rund 20.000 Euro. Dazu war Überzeugungsarbeit beim Gemeinderat notwendig, der letztendlich den Mehrkosten zustimmte. Die Zusammenarbeit mit dem Rat und auch dem Bürgermeister hat all die Jahre immer gut geklappt. Dafür bin ich den Beteiligten dankbar", sagt Sonja Zimmermann, die sich immer als Bindeglied zwischen den Bürgern, dem Rat und dem Bürgermeister gesehen hat.

Viele Dinge, die zu ihren Aufgaben gehörten, hat der Außenstehende gar nicht mitbekommen. Als Beispiel nennt Sonja Zimmermann die Beschaffung von Fördergeldern, um die geplanten Projekte auch umsetzen zu können. "Aus eigener Kraft hätten wir in der Vergangenheit viele Dinge, zum Beispiel den Neubau des Feuerwehrgerätehauses, gar nicht realisieren können." Doch das alles ist in wenigen Tagen Geschichte. Wenn sie dann in Langenbernsdorf oder einem der Ortsteile unterwegs ist, fallen ihr all die Baumaßnahmen ein, die sie in den zurückliegenden Jahren begleitet hat. "Manche hat man ja auch schon wieder vergessen. Bis ich so richtig den Schalter umgelegt habe, wird es sicherlich noch ein Stück dauern."

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