Dorfumbau: Fördertopf zur Hälfte leer

Ins "Zwickauer Land" fließen bis 2020 noch etwa 10 Millionen Euro. Zuschüsse gibt's aber erst nach gründlichem Demografie-Check.

Blankenhain/Zwickau.

Eines schickt Mathias Wrobel, der einen Vierseithof in Niedermülsen für Wohn- und gewerbliche Zwecke umbaute, gleich voraus. "Man braucht einen langen Atem", betont der 45-Jährige, der für sein privates Projekt Fördergeld aus der Dorferneuerung genehmigt bekam. Konkrete Summen nennt er nicht. Nur so viel: Allein der Gastraum für Veranstaltungen und Privatfeiern in dem geschaffenen "Genusshof" verschlang 160.000 Euro. "Es muss alles vorfinanziert werden. Die Fördermittel werden erst nach Abschluss des Bauvorhabens ausgezahlt", betont Wrobel, der in Kürze mit dem Geld rechnet.

Nur ein Projekt von 99 Vorhaben, die der Verein "Zwickauer Land", der als Regionalmanagement die Entwicklung der Dörfer in den ehemaligen Kreisen Zwickau und Werdau vorantreibt, geprüft und für die Genehmigung beim Landratsamt vorgeschlagen hat. "Noch etwa 10 Millionen Euro haben wir bis 2020 im Fördertopf. Das ist reichlich die Hälfte der Gesamtsumme", sagt Damaris Falk vom Verein. Im Zwickauer Büro an der Bosestraße wurden seit 2014 die Anträge von Vereinen (9), Wirtschaftsunternehmen (15), Privaten (32), Kommunen (32) und der Kirche (11) auf ihre Umsetzbarkeit unter die Lupe genommen.

Nicht ohne Grund: Da fast alle Städte und Gemeinden schrumpfen, "müssen wir alle Anträge vor allem zur Um- oder Wiedernutzung maroder und leer stehender Häuser einem Demografie-Check unterziehen". Während es offenbar in anderen Förderregionen an Antragstellern für Vorhaben zur Um- oder Wiedernutzung leer stehender Häuser fehlt, kann sich das vierköpfige Team des Regionalmanagements darüber nicht beklagen. "Was wir uns mehr wünschen, sind Anträge aus der Landwirtschaft", so die Vereinssprecherin, die vor allem an Projekte denkt, die den Schülern die Herstellung landwirtschaftlicher Produkte näherbringen. "Vielleicht wird ja Geld gebraucht, um einen alten Raum für diese Zwecke umzubauen." Und noch ein Bereich liegt den Fachfrauen des Regionalmanagements am Herzen: Der Tourismus habe weiterhin einen großen Stellenwert als Einkommensquelle im ländlichen Raum, vor allem wenn es um die Schaffung von Unterkünften für Urlauber geht.

Dass es sich für den Antragsteller lohnen kann, darauf weist der Verein auf jeder Info-Veranstaltung hin. So könnten zum Beispiel Private bei der Schaffung von Wohnraum mit einem Zuschuss von 40 bis 50 Prozent rechnen - Vereine gar mit 75Prozent. Das weiß auch Ronny Enke vom "Vereinshaus Lindenhof" im Crimmitschauer Ortsteil Blankenhain, dessen Fassaden mithilfe der EU-Gelder verschönert werden sollen. "Das Genehmigungsverfahren läuft. Bei der Antragstellung sind wir super unterstützt worden", so der Vereinschef. Auch Torsten Pühn, der 2016 unweit des Rathauses in Mülsen St. Jacob ein marodes Haus bewohnbar machte, kann sich über mangelnde Hilfe seitens des Regionalmanagements nicht beklagen. "Man braucht aber Geduld", so der 48-Jährige, der nun mit Frau und den zwei Kindern den riesigen Garten genießt. "Dafür mussten wir noch eine alte Fabrik abreißen lassen - zum Glück auch gefördert."


Kommentar: Privateganz vorn

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels mag die Dorferneuerung zwar kein Allheilmittel sein, sie hilft aber, junge Familien zu halten und zurückzuholen. Denn gerade junge Menschen sind bereit, marode Häuser für private Wohnzwecke in echte Schmuckstücke umzubauen. Deshalb verwundert es kaum, dass in der aktuellen Förderperiode allein 32 Anträge von Privaten genehmigt wurden. Andererseits erwarten die im Gegenzug, dass sie in den Kommunen die passende Infrastruktur mit Kindergärten, Schulen, Freizeiteinrichtungen und Turbo-Internet vorfinden, es auch Unternehmen gibt, die gut bezahlte Jobs anbieten. Deshalb sind auch Kommunen gefordert, diese Zuschüsse sinnvoll und vor allem im Hinblick auf die nachfolgenden Generationen nachhaltig einzusetzen.


Bisher 99 Anträge bewilligt

Für die Dorferneuerung in den Altkreisen Zwickau und Werdau stehen von 2014 bis 2020 insgesamt 22,5 MillionenEuro bereit. Gut die Hälfte davon ist bereits an Förderprojekten gebunden. Dafür wurden 99 Anträge (Stand November 2017) bewilligt.

Ab 3. März können wieder sechs Wochen lang Förderanträge gestellt werde. Schwerpunkte bilden diesmal Ortsentwicklung, Soziales und Grundversorgung. (jwa)

www.zukunftsregion-zwickau.de

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