Dürre lässt diesjährige Kartoffelernte schrumpfen

Der fehlende Niederschlag hemmt das Wachstum der Knollen. Doch auch wenn jetzt noch Regen kommt, werden Qualitätsprobleme befürchtet.

Wiedensdorf.

Die Pommes-Industrie hat schon mal angekündigt, dass die Kartoffelstäbchen kürzer und teurer werden, weil die Erdäpfel nicht wie in anderen Jahren wachsen. In der Friweika (Frische Weidensdorfer Kartoffeln) in Weidensdorf werden zwar keine Pommes hergestellt, aber die Dürre und die zu erwartenden geringen Erträge bei Erdäpfeln stellen auch dieses Unternehmen vor Probleme.

"Durch die Trockenheit welkt auf vielen Feldern schon das Kraut. Das heißt, die Kartoffeln gehen in Abreife, wachsen kaum noch", sagt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Kartoffelverarbeiters, Marko Wunderlich. Im Moment sieht es nicht so aus, dass Dürre und Hitze bald ein Ende haben. "Und selbst wenn jetzt noch Regen kommt, befürchten wir Qualitätsprobleme", sagt Wunderlich. "Dann könnte eine zweite Generation Kartoffeln sprießen, Keime die vorhandenen Knollen durchziehen. Außerdem würden die neuen Kartoffeln nicht ausreifen, hätten einen anderen Stärkegehalt."

Wie sich die Kartoffeln bis zur Ernte im Herbst noch entwickeln, da sei die Prognose schwer. Klar ist nur, die Erträge werden deutlich unter dem Durchschnitt von 450 bis 500 Dezitonnen pro Hektar liegen. Anders als die Pommes-Produzenten haben die Weidensdorfer aber Verwendung für alle Knollengrößen. "Zwar werden beispielsweise für Grillkartoffeln ebenfalls große Exemplare benötigt, aber die mittleren können gut zu Bratkartoffeln oder Kartoffelgratin verarbeitet werden. Und die kleinen kommen gegart als "Sachsenknirpse" auf den Markt. Ob die Erzeugnisse teurer werden und wenn ja, in welchem Umfang, sei noch nicht klar. "Das müssen wir durchrechnen, wenn wir genaue Zahlen haben", sagt Wunderlich.

Eine Erzeugergemeinschaft aus 30 Betrieben in Südwestsachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen beliefert das Unternehmen mit Knollen und sorgt für etwa 80 Prozent der Erdäpfel, die als Rohware abgepackt oder veredelt werden. 20 Prozent kaufen die Weidensdorfer zu. Um das gesamte Jahr über kontinuierlich produzieren zu können, verfügt die Firma, die 350 Beschäftigte zählt, über eine Lagerkapazität von 40.000 Tonnen. "Dieses Jahr werden wir wohl mehr zusätzlich ordern müssen", sagt Wunderlich.

Er berichtet, dass das schwer ist, weil in ganz Nordeuropa durch Hitze und Trockenheit die Erträge geringer ausfallen werden. "Wir haben schon eine Anfrage aus England bekommen, ob wir Kartoffeln liefern können. Doch wir haben ja selbst zu wenige", sagt er. Zwar würden die Erträge bei den schweren, das Wasser besser speichernden Böden in der Region voraussichtlich besser sein als in den leichten Sandböden im Norden Deutschlands, aber hier gibt es ein anderes Problem. Der trockene, steinharte Boden kann die Knollen bei der Ernte beschädigen und setzt der Technik zu. Nachdem den Sommer über auch Erdäpfel aus Nordafrika in der Friweika verarbeitet wurden, werden zurzeit Frühkartoffeln aus Niedersachsen und der Pfalz angeliefert. So kann es durchaus sein, dass aus kleinen Pfälzern Sachsenknirpse werden.


Lehrlinge gesucht

Die Friweika durchlaufen jährlich etwa 120.000 Tonnen Kartoffeln, die abgepackt oder vielfältig verarbeitet werden.

Produkte aus Weidensdorf sind nicht nur in ganz Deutschland beliebt, sie gehen auch nach England, Irland, Österreich, Italien, Schweden, Polen und Tschechien.

Lehrlinge werden in der Firma in zehn verschiedenen Berufen ausgebildet. Bewerbungen für das bevorstehende Ausbildungsjahr sind noch unter Ruf 03763 177213 möglich.

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