Ein Abend voller Ziele und Visionen

Wahlen 2019: Zwei Männer bewerben sich um das Oberbürgermeisteramt in Werdau. Jetzt stellten sie sich den Bürgern - und ihrem Kontrahenten - bei einem Forum.

Werdau.

Wer wird am 26. Mai der neue Oberbürgermeister von Werdau? Um den Einwohnern die Entscheidungsfindung zu erleichtern, hatte der Gewerbeverbund Werdau zu einem "Schlagabtausch" der beiden Bewerber für das Amt in die Stadthalle eingeladen. Rund 350 Interessierte waren am Mittwochabend gekommen, um sich Ziele und Visionen von Amtsinhaber Stefan Czarnecki (CDU) und Herausforderer Sören Kristensen (Unabhängige Liste) anzuhören. Dabei wurden auch Fragen der "Freie Presse"-Leser gestellt. Einige Themenkomplexe sind nachfolgend zusammengefasst.

Innenstadt: Nach Sören Kristensens Visionen sollen die Werdauer künftig in einer "lebendigen Innenstadt" wohnen. Sie müsse der Schwerpunkt der Entwicklung bleiben. Mehr Läden im Erdgeschoss seien gut und schön, doch schaue man nach oben, stünden die meisten Wohnungen rund um den Markt und an den Innenstadtstraßen leer.


Stefan Czarnecki sagte, dass zur Wende etliche Häuser in der Innenstadt an Investoren verkauft worden seien. "Manche sehen nach den vielen Jahren, die die Sanierung jetzt zurückliegt, entsprechend aus." Fakt sei, dass Werdau immer noch zu viel Wohnraum habe. Eine Aufgabe werde es sein, Eigentumsverhältnisse zu ändern und weitere Häuser "am Rand" abzureißen.

Ordnung/Sauberkeit: Einige Bürger vermüllen leider ihre eigene Stadt, sagte Czarnecki. Der Bauhof könne zwar an den Stellen Unrat entsorgen, die seit Langem ein Problem sind. "Doch das bezahlen wir alle über Steuergelder." Der Frühjahrsputz in der Stadt sei ein guter Ansatz für mehr Sauberkeit. Mehr als ein Dutzend Vereine und viele Privatpersonen hätten in diesem Jahr mitgemacht.

Ein Patentrezept für mehr Sauberkeit könne leider keiner erwarten, sagte Kristensen. Das Problem löse man auch nicht durch einen Frühjahrsputz. Vielmehr müsste der "Verfolgungsdruck" auf Umweltsünder, zum Beispiel durch die Mitarbeiter des Ordnungsamtes, erhöht werden. Allerdings kämen die meisten Werdauer ihren Anliegerpflichten nach, ist er der Meinung.

Rechtsextremismus: Diesen Tendenzen in der Stadt könne man nur begegnen, wenn man an der Veränderung der Ursachen arbeitet, so Czarnecki. "Dazu gehört für mich, der Ausländerfeindlichkeit konsequent entgegenzutreten." In Werdau gebe es eine hohe Willkommenskultur für Menschen, die sich hier ehrlichen Herzens etablieren wollen. Dafür arbeiteten viele Vereine, die Verwaltung, Unternehmen Hand in Hand.

Werdau habe kein größeres oder kleineres Problem mit dem Rechtsextremismus als andere Städte in der Region. Doch es gebe sie. "Der Zusammenhalt der Bürgerschaft einer Stadt ist meiner Meinung nach das wichtigste Mittel gegen diese Tendenzen - und natürlich Aufklärung", sagte Kristensen.

Webalu: Ob man das Hallen- und Freibad "Webalu" in der Form, wie es jetzt durch eine städtische Gesellschaft betrieben werde, weiterbetreiben kann, müsse man sehen. "Derzeit wird ein Betriebskonzept erarbeitet", sagte Czarnecki. Das Bad werde 20 Jahre alt, da fallen Reparaturen und Erneuerungen an. Möglich wäre ein Volksentscheid, bei dem die Werdauer mitreden, ob sie die Einrichtung behalten wollen. Im Moment liege das Defizit für das "Webalu" bei 1 Million Euro im Jahr.

Die Badschließung wäre ein Verlust an Attraktivität für die Stadt, findet Kristensen. Sicher bleibe es nicht beim Zuschuss für die Betreibung, sondern es seien Investitionen nötig. Trotzdem nütze eine Investruine niemandem etwas.Verkehr/Mitteltrasse: Dadurch, dass die Mitteltrasse am Kreisverkehr in der Sorge endet, sei das Verkehrsaufkommen für Werdau um rund 30 Prozent gestiegen. Um die Mitteltrasse weiter zur B 93 zu bauen, müsse ein Konsens mit der Nachbarstadt Zwickau gefunden werden, so Czarnecki. Das sei bisher nicht geschehen. Der Werdauer Stadtrat habe mehrheitlich Beschlüsse für den Weiterbau gefasst.

An dieser Stelle, wo die Mitteltrasse jetzt endet, dürfe sie nicht endgültig aufhören, betonte Kristensen. "Das haben wir mit großer Mehrheit im Stadtrat beschlossen und müssen bekräftigen, dass wir dieses Ziel auch weiterhin verfolgen wollen." Bürgernahe Verwaltung: Regelmäßige Bürgersprechstunden möchte Kristensen anbieten. Das habe sich bereits bewährt, als er noch Ortsvorsteher von Langenhessen war. Als Chef der Verwaltung möchte er nah an den Bürgern und ihren Problemen dran sein. Auch Kleinigkeiten wie Schlaglöcher vor der Haustür könnten Aufreger sein.

Er könne sich vorstellen, im "Ratskeller" einen Bürgerservice einzurichten, sagte Czarnecki, da er für eine Wiederverpachtung als Gaststätte kaum Chancen sieht. Bürgersprechstunden halte er hingegen nicht für sinnvoll. Dabei sei zu wenig Zeit für den Einzelnen und seine Probleme. Besser seien Termine für ein persönliches Gespräch.

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