Ein Paradies für Angler und für Fische

90 Jahre Kober: Der Anglerverein Koberbachtalsperre-Niederalbertsdorf wurde 1931 gegründet und gehört heute zu den größten Organisationen, die in dem Naherholungsgebiet anzutreffen sind.

Langenbernsdorf.

Frank Schwarzenberger hat schon in vielen Gewässern seine Angel ausgeworfen, doch am wohlsten fühlt sich der 53-Jährige Langenbernsdorfer an der Koberbachtalsperre. Das Gewässer ist quasi das angestammte Revier des Anglervereins Koberbachtal-Niederalbertsdorf 1931. Die Zahl steht für das Gründungsjahr des Vereins. Der wurde nur drei Jahre nach der Fertigstellung der Talsperre aus der Taufe gehoben und zählte damals 25 Mitglieder. Heute sind es 122. Zu ihnen gehören auch zwölf Jugendliche, um die sich Nils Sölter mit Hingabe kümmert. Die Mitstreiter kommen nicht nur aus der Gemeinde, sondern auch aus Werdau, Crimmitschau, Zwickau und dem angrenzenden Thüringen.

Seit 2015 hat Frank Schwarzenberger den Vorsitz inne, den er von Dieter Friedrich nach dessen 23-jähriger Vereinsleitung übernahm. Noch immer sitzen die beiden Männer oft zusammen und planen gemeinsam die Vereinsaktivitäten. Dabei werden auch die alten Fotoalben mit den zahlreichen Aufnahmen aus der Vereinsgeschichte durchgeblättert. Der Stolz des Vereins ist das Kassenbuch aus dem Gründungsjahr. "In dem sind alle Namen der damaligen Mitglieder erfasst und der Betrag, den sie einst entrichteten", erzählt Dieter Friedrich.


Gegründet wurde der Verein einst als Anglerverein Koberbachtalsperre. Innerhalb von 30 Jahren wuchs die Zahl der Mitglieder so stark an, dass sich der Verein Anfang der 1960er-Jahre splittete. Von da an gab es drei Anglervereine in der Region: den 1. Crimmitschauer Anglerverein mit heute etwa 210 Mitglieder, den Anglerverein Werdau, der aktuell um die 130 Mitglieder zählt, und den Anglerverein Koberbachtal-Niederalbertsdorf. Der Zusatz Niederalbertsdorf wurde bewusst gewählt, weil ein Teil des Talsperrenareals flächenmäßig zu Niederalbertsdorf gehört. Trotz Trennung in drei Vereine halten die Angler noch immer zusammen und führen auch gemeinsame Veranstaltungen wie das Pokalturnier jährlich Anfang September durch. Eine weitere Veranstaltung des Vereins ist das Familienangeln, wobei der Name irritiert. Da werden keine Familien an Land gezogen, an der Veranstaltung nehmen die Vereinsmitglieder und deren Familien teil.

Die Angler sind eine eingeschworene Gemeinschaft, auch wenn sie einen Teil ihrer Aktivitäten oftmals allein durchführen. Dabei kann nicht jeder Fischliebhaber angeln wo und was er will. Jeder Angler benötigt ein Fangbuch, in dem er jeden an Land gezogenen Fisch exakt erfassen muss. Das Buch wird jährlich vom Verein ausgegeben. Die darin erfassten Daten werden am Jahresende an die übergeordnete Stelle in Chemnitz weitergereicht. "Der Dachverband kümmert sich dann in Absprache mit der Talsperrenverwaltung um den Besatz der Gewässer mit den jeweiligen Fischen", erklärt der Vereinsvorsitzende. Dennoch gibt es auch einige schwarze Schafe, die illegal auf Jagd nach Beute gehen. Um denen das Handwerk zu legen, gibt es im Verband ehrenamtliche Kontrolleure, die auch an der Koberbachtalsperre zu jeder Tages- und Nachtzeit unterwegs und berechtigt sind, das Angelbuch sowie den Besitz eines Anglerscheines zu überprüfen und gegen Verstöße aktiv werden. "Wir haben im Verein auch fünf Mitstreiter, die als Kontrolleure regelmäßig an den Gewässern unterwegs sind."

In der Koberbachtalsperre finden die Angler fast alles, was deren Herz begehrt: Plötzen, Schleie, Barsche, Rotfedern, Hechte, Zander, Karpfen, Aale und Graskarpfen, um nur einige Beispiele zu nennen. Doch nicht jeder Fisch darf an Land gezogen werden. "Da gibt es strenge Regeln, wie groß ein Fisch sein muss oder ob er gerade Schonzeit hat. Das alles lernen Interessierte beim Erwerb des Anglerscheines. Erst dieses Dokument berechtigt, aktiv zu werden", sagt der Vereinsvorsitzende und nennt ein Beispiel. Ein Zander darf erst geangelt werden, wenn er eine Mindestgröße von 50 Zentimetern hat. Hat er die noch nicht, muss er sanft vom Angelhaken befreit und behutsam ins Gewässer gelassen werden. Damit der Angler auch weiß, welche Größe ein Fisch hat, gehört zur Ausrüstung ein Messgerät. Gelingt es dagegen einem Angler, einen Fisch in Übergröße aus der Kober zu fischen, ist das Glück perfekt. "Wir haben Vereinsmitglieder, die haben schon einen 93 Zentimeter großen Zander oder 15,7 Kilo schweren Spiegelkarpfen aus der Kober geholt. Das sind dann echte Prachtexemplare", sagt der Experte. Zwischen 20- und 30-mal geht Frank Schwarzenberg pro Jahr auf die Jagd nach fetter Beute. Nicht nur an der Talsperre. Soll es eine Forelle sein, dann wirft der Langenbernsdorfer an der Elster seine Angel aus. "Ich war aber auch schon in Norwegen oder Schweden angeln", sagt der 53-Jährige.

Doch immer wieder zieht es ihn zurück an das Heimatgewässer. Besonders in den Abendstunden, wenn die Tagestouristen wieder weg sind und die Sonne leuchtend rot untergeht, genießt er die Ruhe. Auch mal mit einem Gleichgesinnten bei einem Bier. Er kann sich kein schöneres Hobby vorstellen und wünscht sich, dass dies auch mehr Jugendliche für sich entdecken würden. "Die sind bei uns jederzeit willkommen und bilden den Grundstein für einen auch später noch intakten Verein."

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