Eine der bedeutendsten spätgotischen Hallenkirchen

Wie sich Crimmitschau und seine Ortsteile verändert haben. Heute: Laurentiuskirche (Folge 40)

Crimmitschau.

Die 1913 geschriebene Ansichtskarte wird bestimmt von einer der bedeutendsten spät- gotischen Hallenkirchen in Sachsen, der St.-Laurentius-Kirche. Die Eingänge dieser Kirche liegen 236,50 Meter über Normalnull. Mit einer Höhe von 57,10 Metern ist der Kirchturm stadtbildprägend. Die Sakristei steht an der dreischiffigen Halle und vor dem Chor. Zwischen Chor- und einer Fabrikwand von Klaus & Söhne ist das Museum, heute Stadthaus II zu sehen. Die Nähmaschinen- und Fahrradhandlung gehörte J. Hirsch.

Erwähnt wurde die Kirche bereits 1222 in einer Urkunde des Klosters St. Martin. Sie ist die älteste Kirche Crimmitschaus und dem heiligen Laurentius geweiht. Er starb als Märtyrer am 10. August 258 in Rom. Der Andachtsort soll sehr klein gewesen sein und am heutigen Altarplatz der Winterkirche gestanden haben. Von dieser Kirche existiert nur das romanische Chorquadrat. Das Bauwerk fiel dem gotischen Neubau mit den Maßen der heutigen Winterkirche um das Jahr 1353 zum Opfer.

Im Jahr 1513 erfolgte eine Erweiterung der Kirche durch den Anbau des Kirchenschiffes. Das notwendige Geld dafür wurde teilweise durch Kollekten aufgebracht. Die Kirchenväter sammelten zum Laurentius-Jahrmarkt und zu Mariä Himmelfahrt am 15. August die Kollekte. Auf Jahrmärkten und Kirchenmessen in der Nachbarschaft besorgte das Geschäft ein verpflichteter Bürger aus Werdau, bis im Jahr 1529 die Reformation von 1517 Crimmitschau erreichte.

Eine Story gab es zur Aufsetzung des neu vergoldeten Turmknopfes 1642. Laut dem Chronisten Kästner wurde am 4. Mai des genannten Jahres der Knopf von einem Schiefer- decker und einem Gehilfen wieder aufgesetzt. Auf dem Knopf in 57,10 Meter Höhe sitzend, tranken sie eine Kanne Bier. Gleichfalls zog der Schieferdecker die ihm geschenkten Paar Schuhe und ledernen Strümpfe an. So eine Geschichte gab es nicht noch mal, obwohl der Turm 1748, 1894, 1839, 1959 und bis in die neueste Zeit befahren worden ist.

Die altehrwürdige St.-Lauren- tius-Kirche verlangt allzeit Erhaltungsarbeiten und Renovierungen sowie auch den Ersatz von Glocken oder der Orgel. Die Kirchenrenovierung von 1896 wurde mindestens ein Jahrzehnt vorbereitet. Angespart waren dafür 17.000 Mark. Sie begann am 9. April 1896, und der Kirchenvorstand übertrug die Leitung dem Architekten J. Zeißig aus Leipzig. Die Weihe der renovierten Laurentiuskirche fand am dritten Advent, dem 13. Dezember 1896, statt. Natürlich waren die Geistlichen, der Rat, die Stadtverordneten, Vertreter von Behörden und Schulen sowie Ehrengäste wie der Kreishauptmann anwesend. Die Predigt, die Reden und Geschichtliches zur Kirche enthielt ein später gedrucktes "Erinnerungsblatt". Nach dem Festgottesdienst gab es zunächst einen Jugendgottesdienst und im Anschluss den ersten Taufgottesdienst.

Beide Weltkriege überstand die Kirche ohne Schäden am Bauwerk. Leider traf dies nicht auf die Glocken zu. Die am 19. Oktober 1876 geweihten Glocken erklangen am 20. Juni 1917 letztmalig. Nach dem Abschiedsgeläut wurden die Glocken bis auf die kleine Glocke, die als Läuteglocke auf dem Turm verblieb, für Kriegszwecke zerschlagen. Am 30. Juli 1919 weihte die Gemeinde neue Gussstahlglocken. Die große Glocke zersprang bereits am 20. Dezember 1931. Nun wurde das Glockengeläut durch drei gestiftete Bronzeglocken ersetzt. Die Weihe des Dur-Dreiklangs erfolgte am 20.April 1932. Es dauerte nicht lange, und es kam der Befehl, nicht denkmalgeschützte Bronzeglocken als Metallspende für die Kriegswirtschaft abzutreten. Dem Geläut erging es 1942 wie den Glocken 1917.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann ein jahrelanges Sammeln von Spenden, und am 27. April 1958 weihte die Kirchgemeinde das neue Hartguss-Geläut. Die verbliebene Bronzeglocke verkaufte die Gemeinde nach Crossen. Das Geläut von 1958 tat sein Werk bis 2012. Der Glockensachverständige der sächsischen Landeskirche ließ das Geläut sperren. Grund waren Risse im Turm und am Glockenstuhl durch die Bewegung der tonnenschweren Glocken sowie bei der kleinen Glocke der fehlende Halt des Klöppels. Die Beseitigung der Risse ist mit rund 190.000 Euro veranschlagt, die neuen Bronzeglocken kosten 110.000 Euro. Zur Glockenweihe am 15. September 2019 ist der Landes-bischof eingeladen. Das erste Fest- geläut soll am Reformationsfest erklingen. Danach können die Bürger und die Gemeinde wieder das Geläut des Trios 7, 12 und 18 Uhr hören und dem Ruf zum Gottesdienst sowie zu kirchlichen Festen folgen.

Nach 1896 gab es die nächste große Innenrenovierung des Kirchenschiffes von 1974 bis 1978. Dafür trennt eine Mauer das Kirchenschiff vom Chor, die Winterkirche für den Gottesdienst entstand. Das Kirchenschiff wurde ein Bauplatz. Die Entfernung der Seitenemporen sowie von Farb- und Putzschichten stand an. Die Barockausmalung über der Orgelempore wurde restauriert. Der Altarplatz musste neu gestaltet sowie der spätmittelalterliche Flügelaltar aufgestellt werden. Es folgte 1991 bis 2001 der Außenbereich mit den Projekten wie Restaurierung des Turmes und der Giebelseiten, Neudeckung der Dachflächen, Sanierung der Bleiglasfenster von 1898 und so weiter. Im Jahr 2000 wurde die Entscheidung getroffen, die Orgel grundhaft zu erneuern. Seit dem 19. September 2010 erklingt die Königin der Instrumente wieder.

In vier Jahren könnte die Stadt und Kirchengemeinde ein 800-jähriges Jubiläum aufgrund der urkundlichen Ersterwähnung im Jahr 1222 feiern.

Quelle: Chronik 2014 "Crimmitschau - Geschichte einer Stadt", Band 1

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...