Enttäuscht von Harry-Potter-Konzert

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Die Zuschauer auf der Zwickauer Freilichtbühne hatten sich auf Filmmusik von einem renommierten Londoner Orchester eingestellt. Stattdessen traten aber ganz andere Musiker auf. Was ist da passiert?

Zwickau.

Die Filme von Harry Potter, dem weltweit wohl bekanntesten Zauberlehrling, seinem besten Freund Ron Weasley und dessen immer zu einem Schabernack aufgelegten Zwillingsbrüdern sind Kassenschlager. Doch auch die Filmmusik hat weltweit Freunde gefunden. "Das musikalisch Beste aus allen Harry-Potter-Filmen" wurde den Besuchern der Zwickauer Freilichtbühne für Dienstagabend versprochen, "ein einmaliger Konzertabend mit den Weasleys, Original-Darstellern, Starsolisten, dem Londoner Philharmonic & Symphonic Filmorchester mit Chor sowie einem weltbekannten Magier". So stand es in der Ankündigung.

Michael Wimmer aus dem Vogtland dachte sich zwei Tage zuvor, das könnte gut werden und kaufte drei Karten: für sich, seine Frau und seine Nichte. Er war gespannt darauf. Immerhin: "Die mittlere Preisklasse lag bei 67 Euro. Das kann man nicht wirklich als Schnäppchen bezeichnen", sagt er.

Nicht nur enttäuscht, sondern getäuscht verließ er die Veranstaltung. Gestimmt habe lediglich, dass Harry-Potter-Filmmusik gespielt wurde. Dass die Sänger keine Briten waren, hörte er beizeiten. Der angeblich weltbekannte Magier fungierte als Dirigent und habe nicht wirklich gezaubert. Von den Mitgliedern der Weasley-Familie, die bei allen Konzerten dabei sein und für Spaß sorgen sollten, fehlte auf der Bühne jede Spur. Nur in einem Video waren sie zu sehen. Dass das Orchester aus der Ukraine stammte, erfuhr er erst am Ende - als nämlich auch noch die ukrainische Nationalhymne angespielt wurde.

Wimmer fasst seine Eindrücke so zusammen: "Das Orchester war nicht schlecht. Und ich habe auch überhaupt nichts gegen ukrainische Musiker. Aber bei allem Respekt: "Wenn man nicht das bekommt, was man verkauft bekommen hat, ist das Betrug."

Monique Riemenschneider, Sprecherin der Kultour Z., bestätigt Wimmers Angaben. Allerdings habe das Unternehmen, das die Freilichtbühne bespielt, davon auch erst im Laufe des Abends erfahren. Es sei die erste Zusammenarbeit mit dem Berliner Veranstalter Star Entertainment gewesen. "Wir haben bei den Vorbereitungen keinerlei Verdacht geschöpft, noch hatten wir Informationen über eine Programmänderung", sagte Riemenschneider. Eine Kultour-Z.-Mitarbeiterin, die praktisch gemeinsam mit den Gästen im Laufe des Abends davon erfuhr, habe die Produktionsleiterin sofort darauf angesprochen. Diese habe geantwortet, die Ankündigung des Konzertabends sei zwei Jahre alt, da habe es Änderungen gegeben. Es war in der Tat ein wegen der Pandemie verschobenes Konzert. Riemenschneider zufolge hatte es aber nie eine Korrektur gegeben, dass andere Künstler auftreten werden.

Besuchern der Waldbühne im niedersächsischen Northeim ging es laut Rezensionen beim Ticketverkäufer Eventim vor ein paar Tagen offenbar ähnlich: "Wir haben die Tickets vor zwei Jahren gekauft, mit der Erwartung auf das Londoner Symphonie Orchestra. Dass das Orchester nun das Ukrainische Staatstheater war, ist okay, aber eine Info wäre schön gewesen", schrieb da ein Besucher.

Der Berliner Veranstalter konnte dazu am Mittwoch noch keine Aussage treffen, kündigte aber für Donnerstag eine Erklärung an. Ein Mitarbeiter erwähnte, dass einer der Hauptdarsteller an Corona erkrankt sei. Freilichtbühnenbesucher Wimmer erwägt keine rechtlichen Schritte, um sein Geld zurückzubekommen. Aber unverschämt finde er das schon.

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